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23. August 2010

Zurück bleibt ein beklemmendes Gefühl

ZU GAST IN OFFENBURG: Baran bo Odar und Sebastian Blomberg im Forum über ihren Debütfilm.

  1. Baran bo Odar (links) und Sebastian Blomberg im „Forum“. Foto: G. Siefke

OFFENBURG. Ausnahmethriller, intensives Gänsehautkino, spannend bis zum Schluss: Mit vielen Vorschusslorbeeren versehen trat der Debütfilm von Baran bo Odar, "Das letzte Schweigen", zum Kinostart an. Zum Auftakt waren der Regisseur sowie Schauspieler Sebastian Blomberg in Offenburg und standen nach Bombergs Motto geduldig Rede und Antwort: "Man soll sich zu dem, was man macht, auch äußern."

"Ein bisschen wie in Cannes", bemerkte Baran bo Odar und zeigte auf die Palme, die auf der Freiterrasse des Forum-Kinos steht. Die Sonne meinte es gut an diesem Freitagabend, die Stimmung war locker. Capuccino und Espresso wurden gereicht, die Sonnenbrille zurecht gerückt, der Aschenbecher mit einer weiteren Kippe gefüllt. Sehr zufrieden sei er mit seinem Erstlingswerk, so Odar. Natürlich gebe es immer Dinge, die man im Nachhinein anders machen würde. Außerdem seien die äußeren Bedingungen nun mal nicht zu beeinflussen: "Ich hätte mir mehr Sonnenschein gewünscht." Doch damit müsse er leben.

"Das letzte Schweigen" basiert auf einer Romanvorlage von Jan Costin Wagner. Als auf den Tag genau 23 Jahre nach der Vergewaltigung und dem Mord an der kleinen Pia ein weiteres Mädchen am selben Tatort erschlagen wird, lähmt Entsetzen die sommerlich heiße Kleinstadtidylle.

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Pias trauernde Mutter Elena Lange (Katrin Sass) erinnert sich an die damalige grausige Tat ebenso wie Ex-Kommissar Krischan Mittich (Burghart Klaußner), der die Ermittlungen leitete und den Fall nie aufklären konnte. Er bittet seinen jungen Kollegen David Jahn (Sebastian Blomberg) um Hilfe, weil der offiziell zuständige Ermittler Matthias Grimmer (Oliver Stokowski) sich weigert, Parallelen der Fälle zur Kenntnis zu nehmen. Am heftigsten erschüttert ist jedoch Timo Friedrich (Wotan Wilke Möhring), der dabei war, als Peer Sommer (Ulrich Thomsen) den Mord an Pia begangen hatte. Dass auch diesmal der eigentlich Schuldige nicht gefasst werden konnte, lässt die Kinobesucher mit einem beklemmenden Gefühl zurück. "Ich hätte mir auch ein Happy End gewünscht", sagt Regisseur und Drehbuchautor Odar: "Aber so ist das Leben."

Er habe sich mit dem Thema Gerechtigkeit auseinandersetzen wollen, vor allem wollte er Menschen in ihren verschiedenen emotionalen Zuständen zeigen: "Wie kommt man damit zurecht, dass man einen geliebten Menschen verloren hat?" Mit dieser Frage sind die Protagonisten auf unterschiedliche Weise beschäftigt.

"Ich hätte mir auch ein

Happy End gewünscht."

Regisseur und Drehbuchautor Baran bo Odar über "Das letzte Schweigen"
Auch der Polizist David Jahn, der den Tod seiner Frau nicht verwinden kann. "Wir haben lange darüber nachgedacht, wie man diese Einsamkeit zeigen kann", gibt dessen Darsteller Sebastian Blomberg Einblick in das Drehgeschehen. Für ihn sei es die größte Herausforderung gewesen, aus dem zunächst unfähig wirkenden Kriminalbeamten einen Typen zu entwickeln, der letztlich der einzige ist, der die Wahrheit erkennt. "Ich musste aus der Erzählkonvention des Polizisten ausbrechen." Als Schauspieler liebe er diese Zuspitzungen, die alles von ihm abverlangten: "Ich reize dieses Spannungsfeld gerne aus." Auch Odar ist davon überzeugt, dass in der Überzeichnung ein wesentliche Botschaft stecke: "Wir wollten etwas Komödiantisches hineinbringen."

Dass eine Romanvorlage der eigenen Kreativität im Wege stehen könne, glaubt Odar nicht. Dadurch sei ein Grundkonstrukt vorgegeben, auf das sich gut aufbauen lasse: "Vor einem weißen Blatt zu sitzen, ist sehr viel schwieriger."

Autor: Gertrude Siefke