Diskussion

Oh, Tannenbaum – neue Regelungen für die Lörracher Ortsteile

Martina David-Wenk, Thomas Loisl Mink und Paul Schleer

Von Martina David-Wenk, Thomas Loisl Mink & Paul Schleer

Do, 11. Oktober 2018 um 12:04 Uhr

Lörrach

Soll der Werkhof künftig überall die Weihnachtsbäume aufstellen? Das schlägt zumindest die Lörracher Stadtverwaltung vor. In den Ortschaftsräten sorgen die Pläne für Kopfschütteln.

Die Stadtverwaltung schlägt vor, alle Weihnachtsbäume im Stadtgebiet einheitlich durch den Werkhof aufstellen zu lassen. Bisher geschah das teilweise ehrenamtlich. Pro Weihnachtsbaum werden künftig 2500 Euro Kosten fällig, für alle sieben im Stadtgebiet also 17.500 Euro. Kommendes Jahr sollen außerdem die Bodenhülsen geändert werden, was 21 000 Euro kosten soll. Die Änderung führte am Dienstagabend in den Ortschaftsräten in Brombach, Haagen und Hauingen zu teilweise deutlicher Kritik.

Die Situation in Haagen

Der Ortschaftsrat sah das Vorhaben teilweise kritisch. Dass die Weihnachtsbäume eine Tradition sind, die niemand missen möchte, darüber war man sich einig. Dass die Vorlage unter der Überschrift Haushaltskonsolidierung steht, das Aufstellen durch die Änderung aber teurer wird, nannte Ulrike Krämer hingegen "kontraproduktiv". Es sei eine Tradition, dass die Feuerwehr den Haagener Baum aufstellt. Außerdem wolle man grundsätzlich das Ehrenamt stärken, aber in diesem Punkt halte man es eher für störend. Das stellte sie in Frage.

Christa Rufer meinte indessen, es sollten alle Stadtteile gleich behandelt werden, und das Aufstellen des Weihnachtsbaumes auf dem Marktplatz, das sie vergangenes Jahr beobachtet hat, sei eher mühsam gewesen. Ortsvorsteher Horst Simon wies darauf hin, dass der Werkhof auch bisher schon kontrolliert hat, ob die Verankerung des Baumes richtig gemacht worden ist, was dazu führe, dass die ehrenamtlichen Helfer von Haftungsfragen entlastet werden.

Die Lage in Brombach

Ein heißes Eisen waren die Weihnachtsbäume, weil es in Brombach nur noch einen statt zwei Weihnachtsbäume geben soll. Aus Protest dagegen stimmte der Ortschaftsrat der Vorlage nicht zu, sondern enthielt sich einstimmig. Ortsvorsteherin Silke Herzog berichtete, dass bei der Haushaltskonsolidierung 2016 bei der Stadt Lörrach die Idee aufkam, an den Weihnachtsbäumen in der gesamten Stadt ließe sich sparen. Das verursachte in Brombach einen Aufschrei: Das sei eine Ungerechtigkeit, denn bisher stand je ein Weihnachtsbaum in der Ortsmitte und im Schlosspark für Rathaus und Standesamt. Besonders befremdend wurde die Mitteilung aufgenommen, dass aus Gründen der Haftung keine gespendeten Bäume aufgestellt werden und keine ehrenamtlichen Aufsteller tätig sein dürfen. Nur noch der Werkhof Lörrach solle die von einem Baumzüchter erworbenen Weihnachtsbäume aufstellen dürfen.

Das führte in Brombach zu heftigen Diskussionen. Im Ortschaftsrat wurde gespottet, dass der Lörracher Amtsschimmel wiehere. So dürfe die Brombacher Feuerwehr im Rahmen einer Übung keinen gespendeten Weihnachtsbaum mehr im Schlosspark aufstellen.

Die Situation in Hauingen

Was in anderen Ortsteilen für Aufregung sorgte, ging in Hauingen relativ gelassen durch den Ortschaftsrat. Die Ortsverwaltung finanziert den Baum, beauftragt den Werkhof. Der Hauinger Weihnachtsbaum ist also von den Neuerungen nicht betroffen. Auch 2018 schmückt in der Weihnachtszeit ein Baum den Kirchplatz und die Beleuchtung wird von der EGH (Elektrizitätsgenossenschaft Hauingen) gespendet.

Was die Räte jedoch nicht davon abhielt, ihren Unbill über die Entscheidung der Stadt zu äußern. Eva Petersik fragt nach Sinn und Zweck von Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen, wenn dafür ein paar Jahre später ein Vielfaches des eingespartes Geldes ausgegeben werden muss, weil man die damals getroffene Entscheidung jetzt wieder rückgängig machen will.