Ohne Vasylieva wird die Luft nach oben dünn

Lukas Karrer

Von Lukas Karrer

Do, 13. September 2018

Tischtennis

TISCHTENNIS-ZWEITLIGIST IM 12-PUNKTE-CHECK: Der ESV Weil hat seine Zielsetzung bereits vor dem Saisonstart korrigieren müssen.

TISCHTENNIS. Mit aufgerüstetem Kader wollte der ESV Weil um den Aufstieg in die Bundesliga kämpfen. Doch bleibt es wohl beim Aufstiegstraum. Denn die Planung des Tischtennis-Zweitligisten kollidiert mit der Familienplanung seiner Spitzenspielerin.

1. Wie ist die Lage?
Seit Jahren zählt Ievgeniia Vasylieva zu den Topspielerinnen in Liga zwei. Nun aber legt die 28-jährige Ukrainerin eine geplante Pause ein – sie ist schwanger. "Ihr Ausfall trifft uns sportlich hart, war aber absehbar", sagt ESV-Trainer Alen Kovac. Ohne die Nummer eins ist der Aufstieg nur schwer realisierbar. Zumal sich das Teamgefüge ohne seine sportliche und menschliche Führungsfigur neu ordnen muss. Für die Wohlfühlatmosphäre beim ESV war "die gute Seele der Mannschaft" (Charlotte Carey) ein erheblicher Faktor.
2. Kommen & Gehen
Ein Abgang, zwei Neue: Die Kaderqualität hat der ESV gezielt angehoben. Neu an Position drei und während Vasylievas Pause effektiv die Nummer zwei: Vivien Scholz vom Ligarivalen MTV Tostedt. Die 21-Jährige bewies in der vergangenen Rückrunde (sieben Einzelsiege in 14 Partien), dass sie im vorderen Paarkreuz konstant punkten kann. Neu an Position fünf: Qian Wan (Jahrgang 2000) vom Drittligisten Borussia Düsseldorf. Die deutsche Schülermeisterin von 2015 gilt als eines der Zukunftsversprechen des Deutschen Tischtennis-Bundes. Den ESV gen Frankreich verlassen hat Anna Kirichenko. Die 21-jährige Finnin, die die Erwartungen nur bedingt erfüllte, konnte sich mit der offerierten Rolle als Ersatzspielerin nicht anfreunden.
3. Was ist neu?
Vasylievas Pause sprengt das beste Zweitliga-Doppel mit der Waliserin Charlotte Carey. "Glücklicherweise haben wir nun zwei Linkshänderinnen im Team", so Kovac. Somit ist in beiden Doppeln die als ideal angesehene Paarung einer Links- und einer Rechtshänderin möglich. Carey/Scholz dürften das eine Duo bilden, die Belgierin Eline Loyen, 20, und Wan das andere.
4. Der Trainer
Der ESV ohne Kovac? Unvorstellbar. Seit 2000 ist er hauptamtlicher Vereinscoach. "Alen lebt Tischtennis in Weil", sagt Sportchef Serge Spieß. Der 48-jährige Kroate gilt als enorm ehrgeizig, ist als Trainer ebenso leidenschaftlich zugange wie als Spieler im ESV-Badenligateam. "Alen bringt sich in allen Bereichen voll ein. Ein Glücksfall für uns", schwärmt Spieß.
5. Taktik?
Kovacs Spielraum ist begrenzt. Ohne Vasylieva verfügt er nur über ein Zweitliga-Quartett, als Backup fungiert Verbandsligaspielerin Volha Lazarkova. Die zu Saisonbeginn festgelegten Einzelpositionen gelten für die gesamte Vorrunde, lediglich im Doppel ist eine Variation jederzeit möglich.
6. Infrastruktur
Die Turnhalle der Leopoldschule spiegelt "das familiäre Umfeld" (Spieß) ideal wieder. Im Vergleich zu vielen größeren Hallen der Konkurrenten, in denen kaum Atmosphäre aufkomme, sorgt die treue Fangemeinde der Zweitligafrauen in der kleinen Turnhalle für Stimmung.
7. Welche Spielerin fällt auf?
Carey, 22, ist der bunte Vogel im ESV-Team. Die lebenslustige Waliserin ist ein Social-Media-Junkie und nun mehr denn je als Führungsspielerin gefragt.
8. Befreundeter Club?
"Schade, dass die DJK Offenburg nicht mehr dabei ist", sagt Kovac, dem die Südbaden-Derbys fehlen werden – wohl auch wegen der relativ kurzen Anfahrt.
9. Das Training?
Gemeinsames Training? Nur selten möglich. Die Spielerinnen haben verschiedene Lebensmittelpunkte, reisen eigens zu den Spielen an. Vor dem Auftakt am Sonntag hofft Kovac auf eine gemeinsame Einheit am Freitag: "Wenn alle ihre Flieger und Züge bekommen, sollte es klappen."
10. Döner am Spieltag?
GPS-Überwachung, ob seine Spielerinnen zu oft am Drive-In-Schalter vorfahren? Kovac setzt auf Eigenverantwortung, "die Mädels sind alt genug, um auf ihre Ernährung selbst zu achten", sagt er.
11. Prognose in Phrasen-Kurzform
Der ESV wächst als Team schnell zusammen und landet dank mannschaftlicher Geschlossenheit unter den Top-Fünf.
12. Und sonst?
Ade Zelluloidball. Der Übergang zur Plastikversion – fast überall schon praktiziert – ist nun auch formal vollzogen. "Die Spielerinnen haben sich aufgrund der internationalen Turniere längst daran gewöhnt", sagt Kovac.

Auftakt: 16.9., ATSV Saarbrücken (A).