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16. Februar 2010

Das erste kanadische Gold bei Heimspielen

Alexandre Bilodeau geht in die Sportgeschichte des Olympia-Gastgeber-Landes ein.

  1. Kanadischer Gold-Held: Alexandre Bilodeau Foto: afp

VANCOUVER. Was immer diese Olympischen Winterspiele an Freude und Enttäuschung noch bringen mögen – der 22-jährige Freestyle-Skifahrer Alexandre Bilodeau ist mit seinem Sieg auf der Buckelpiste zum Helden aufgestiegen. Denn er hat Kanadas erstes Gold bei Olympischen Spielen auf heimischem Boden gewonnen. Das ganze Land brach in einen (fast) kollektiven Jubel aus. Es kann nun etwas entspannter die olympische Party feiern. Das erste große Ziel ist erreicht – eine Goldmedaille.

Denn Kanada musste mit dem von vielen als Schmach empfundenen zweifelhaften Ruf leben, als einziges Land in der Geschichte der Olympischen Spiele als Gastgeber kein Gold gewonnen zu haben. Weder bei den Sommerspielen 1976 in Montreal noch – was viel schwerer wiegt – bei den Winterspielen 1988 in Calgary schaffte es ein Kanadier auf die oberste Stufe des Treppchens. Kanadas Nationalhymne erklang nur bei der Eröffnungs- und Schlusszeremonie, aber bei keiner Siegerehrung. Immer wieder war dies den Kanadiern in den Wochen und Monaten vor den Spielen in Erinnerung gerufen worden. Dieser Makel ist beseitigt, die nationale Depression, die schlimmer gewesen wäre als die wirtschaftlichen Probleme, ist abgewendet. Nach Bilodeaus Lauf hüllten sich noch mehr Menschen als an den Vortagen in die rot-weiße Ahornblattfahne oder gingen auf die Straße. Auf der Robson- und der Granville Street in Vancouver wurde ebenso gefeiert wie in Whistler.

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Das wichtigste Gold ist das im Eishockey

"Dieser Sieg ist so wichtig für unsere ganze Nation. Jetzt können wir wirklich stolz sein. Und wir hoffen, dass jetzt noch weitere Goldmedaillen folgen", sagte ein junger Mann jubelnd, der mit einer Fahne bewaffnet inmitten einer großen Menschenmenge durch das nächtliche Vancouver zog. Der Ruf "We want Gold" (Wir wollen Gold) war erhört worden.

"Own the podium" (Besetzt das Siegerpodest) – unter diesem Motto waren in einer Art kanadischer Sporthilfe Millionenbeträge in die Vorbereitung der Athleten gesteckt worden. "Bring home the Gold" (Bringt das Gold heim) lauten Werbesprüche von Sponsoren, die allenthalben zu sehen sind. Das Winterland Kanada, geprägt von Eis und Schnee, muss sich beweisen, dass es eine große Wintersport-Nation ist. Nach den jeweils sieben Goldmedaillen von Salt Lake City 2002 und Turin 2006 stand das eigentlich außer Frage. Dennoch nagte es am Selbstgefühl, auf heimischem Boden bisher nur Silber und Bronze erreicht zu haben. Auf den Athleten lastete ein unbeschreiblicher Druck, dem Gastgeberland endlich Gold zu bescheren. Nun ist Kanadas goldener Moment gekommen. "Alexandre Bilodeau wird für immer Teil von Kanadas reicher Sportgeschichte sein", sagte Premierminister Stephen Harper jubelnd, der den Athleten unmittelbar nach dessen Goldlauf anrief. Dass Kommentatoren sofort von einem historischen Moment für Kanada sprachen, versteht sich von selbst. Nun will das Land mehr Gold sehen. Vor allem am letzten Tag – im Finale des Eishockeyturniers. Dann wäre Kanada die glücklichste Sportnation der Welt.

Autor: Gerd Braune