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20. Juli 2012

Die gezählten Olympiaden

Die XXX. Spiele in London sind genau genommen erst die 27. / Olympia ist während der beiden Weltkriege ausgefallen.

  1. Bereits zum dritten Mal finden die Olympischen Spiele in London statt. Foto: dpa

LONDON (dapd). Es war im August 1944, mitten im zweiten Weltkrieg, als in einem Kriegsgefangenenlager bei Borne Sulinowo in Pommern Olympische Spiele stattfanden. Es gab Medaillen aus Papier nach den Wettbewerben in der Leichtathletik und im Boxen, das olympische Feuer wurde entzündet. Die Lagerpost des Offlag II D – ein Offizierslager hauptsächlich mit französischen und polnischen Gefangenen – brachte sogar eigene Olympia-Briefmarke und Briefumschläge heraus, wie Überlebende berichtet haben.

Die Idee für die "Olympischen Gefangenen-Spiele" soll der inhaftierte polnische Sportjournalist Zygmunt Weiss gehabt haben, der 1924 und 1928 als Leichtathlet selbst an "echten" Sommerspielen teilgenommen hatte. Er wollte mitten im Töten ein Zeichen des Friedens und Lebens setzen – und selbst die faschistischen deutschen Besatzer unterstützten die anachronistische Aktion. Schließlich waren für die gleiche Zeit geplanten Spiele der XIII. Olympiade in London abgesagt worden, weil deutsche Bomben auf die britische Hauptstadt fielen.

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Dass die Spiele dann irgendwie doch im besetzten Polen stattfanden, war auch ein Zeichen, wie stark der olympische Geist ist. Dreimal in der Geschichte der Sommerspiele seit ihrer Wiederaufnahme 1896 – 1916 in Berlin, 1940 in Helsinki/Tokio und 1944 eben in London – konnten bereits vergebene Veranstaltungen wegen der beiden Weltkriege nicht stattfinden.

Mitgezählt werden sie vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) trotzdem. Deshalb finden in London auch die Spiele der XXX. Olympiade – im normalen Sprachgebrauch die 30. Olympischen Sommerspiele – statt. Das hat wohl zum einen mit dem symbolischen Wert zu tun, dass sich der olympische Geist auch vom Krieg nicht stoppen lässt. Zum anderen hat das auch historische Gründe.

Es werden nämlich wie schon im antiken Griechenland üblich Olympiaden gezählt – der Zeitraum zwischen zwei Olympischen Spielen. Also eine Spanne von vier Jahren, die jeweils am 1. Januar des Jahres beginnt, in dem Olympische Spiele abgehalten werden. Am 1. Januar 2012 hat dieser Zeitraum zum 30. Mal in der neuen olympischen Zeitrechnung seit 1896 begonnen. Es ist ein kleines Jubiläum, und passenderweise findet es in London statt, der einzigen Stadt, die nach 1908 und 1948 zum dritten Mal die Sommerspiele ausrichten darf. Die Spiele von 1948 waren quasi als Ersatz für die ausgefallenen von 1944 an die zerstörte Stadt an der Themse vergeben worden. Sie wurden zum Symbol des Friedens. Viele Nationen spendeten Nahrungsmittel – zum Beispiel Holland über 100 Tonnen frisches Obst und Gemüse – damit die Olympia-Teilnehmer eine doppelte Ration zum Essen bekamen.

Es wurden drei Jahre nach Kriegsende sogar wieder Wettbewerbe im Sportschießen anberaumt. Das war bei den "Ersatz-Spielen" von 1944 noch verboten gewesen.

Autor: dapd


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