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01. März 2016

Eine Olympia-Absage wird nicht diskutiert

Das IOC beschäftigt sich in Lausanne mit den unerfreulichen Nachrichten aus Rio de Janeiro.

  1. Planschvergnügen in der neuen Kanuslalom-Bahn von Rio. Im Segelrevier Guanabara ist das Wasser allerdings nicht so klar. Foto: afp

LAUSANNE (sid). Vom heutigen Dienstag an tagt die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Lausanne. Die Probleme vor den Sommerspielen in Rio sorgen für reichlich Gesprächsstoff.

Fünf Monate vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro strahlt Thomas Bach weiter Zuversicht aus. Das gehört zum Job des IOC-Präsidenten. Doch angesichts der vielen Probleme im Vorfeld der Sommerspiele (5. bis 21. August) dürften sich während der Rio-Berichte auf der Sitzung des Exekutiv-Komitees von Dienstag an in Lausanne einige Sorgenfalten auf die Stirn des 62-Jährigen legen.

"Die letzten sechs Monate sind vor Olympia immer schwierig", sagte Bach zuletzt und verwies gerne auf die Fortschritte am Zuckerhut. Man sehe, dass "die Sportstätten in Rio fast fertig sind", meinte der Ober-Olympier.

Für das Segelrevier vor Guanabara gilt das jedoch nicht. Berichte über den Fund eines abgetrennten menschlichen Arms in der Bucht sorgten am Wochenende für den bisherigen Höhepunkt des Entsetzens. Exkremente, tote Hunde und Ratten gehören schon zum täglichen Treibgut. Umweltaktivisten beerdigten die verdreckte Bucht symbolisch zusammen mit einer Toilettenschüssel und schimpften: "Die Regierung tut nichts."

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Die für die Segler gesundheitsbedrohliche Situation in der Bucht dürfte am IOC-Hauptquartier genauso Thema sein wie das Zika-Virus. Das von der Stechmücke Aedes aegypti übertragene Virus soll bei einer Infektion von Schwangeren Schädelfehlbildungen beim ungeborenen Kind zur Folge haben. Bis zum 30. Januar hat es offiziell 4783 Verdachtsfälle und 404 bestätigte Fälle der sogenannten Mikrozephalie gegeben.

Eine Verlegung oder gar Absage der Spiele wird nicht diskutiert. Richard Budgett, medizinischer Direktor des IOC, zeigte sich zuletzt zuversichtlich, dass die auftretenden Fälle zur Zeit der Spiele im brasilianischen Winter sinken werde. Brasiliens Regierungschefin Dilma Rousseff schickte unterdessen von 220 000 Armeeangehörige und 46 000 weiteren Personen ins Land, um die Bevölkerung über Möglichkeiten der Eindämmung des Virus zu unterrichten und Brutstätten der Mücken zu bekämpfen.

Ebenfalls auf der Agenda steht die Doping-Krise in der internationalen Leichtathletik. Präsident Craig Reedie von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) soll die aktuelle Situation in den Verbänden von Russland und Kenia schildern. Die russischen Leichtathleten sind derzeit vom Weltverband IAAF suspendiert und müssen weitreichende Reformen einleiten, um in Rio starten zu dürfen.

In Kenia könnte sogar dem gesamten Sport das Olympia-Aus drohen. Die WADA hat dem ostafrikanischen Land eine Frist bis zum 5. April gesetzt, um die Kriterien der Anti-Doping-Kämpfer zu erfüllen.

In Sachen Dopingbekämpfung hatte das IOC Vorstöße gemacht, die bei der dreitägigen Sitzung ebenfalls im Blickpunkt stehen. Dabei geht es um die mögliche Gründung einer unabhängigen Agentur, die Dopingtests sämtlicher Sportarten übernehmen soll. Außerdem soll die Frage erörtert werden, inwieweit der internationale Sportgerichtshof CAS in Zukunft auch Sanktionen für Dopingsünder aussprechen kann. Im Fall der russischen Leichtathleten übernimmt der CAS derzeit bereits diese Aufgabe in einigen Fällen.

Berichtet werden soll auch über den aktuellen Stand des Flüchtlingsthemas. Erstmals in der olympischen Geschichte wird in Rio eine internationale Mannschaft unter der IOC-Flagge an den Start gehen, die aus fünf bis zehn der qualifiziertesten Flüchtlingen besteht. Damit will das IOC eine "Botschaft der Hoffnung und Zuversicht" an die rund 60 Millionen Menschen senden, die weltweit als Flüchtlinge gelten.

Autor: sid