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03. August 2012

Fantastische Gabrielle Douglas

16-jährige US-Amerikanerin gewinnt Gold im Mehrkampf der Turnerinnen / Elisabeth Seitz landet auf dem zehnten Rang.

LONDON (dapd/sid). Die 16-jährige Gabrielle Douglas aus den USA hat sich im olympischen Mehrkampf der Turnerinnen Gold geholt. Sie ließ mit 62,232 Punkten die Vize-Weltmeisterin Wiktoria Komowa (61,973) knapp hinter sich und gewann nach dem Team-Wettbewerb ihre zweite Goldmedaille in London. Bronze ging an Aliya Mustafina aus Russland (59,566) nach Feinwertung vor der punktgleichen Alexandra Raisman (USA). Die Deutsche Meisterin Elisabeth Seitz aus Mannheim erreichte mit 57,365 Punkten einen guten zehnten Rang.

Wie bei den Männern, als der Münchner Marcel Nguyen als letzter Turner Silber geholt hatte, fiel die Entscheidung nach bangen Sekunden des Wartens auf die letzte Wertung. Douglas setzte ihr strahlendes Lächeln auf, als sie ganz oben auf der Anzeigetafel erschien, die North Greenwich Arena tobte dazu. Schnell zeichnete sich der Zweikampf zwischen dem US-Girl und Komowa ab: hier eine junge Dame, die in ihrem turnbegeisterten Land nach dem Mannschafts-Gold schon ein Star ist und die vor Selbstvertrauen strotzt. Dort die schmächtige Russin, Vize-Weltmeisterin und "größtes Turntalent der Welt seit Jahren" (Bundestrainerin Ulla Koch), die mit einer fulminanten Stufenbarren-Übung und 15,966 Punkten ein starkes Zeichen setzte.

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Douglas, in den USA "fliegendes Eichhörnchen" getauft, konterte mit 15,733 Punkten und setzte sich an die Spitze. Alexandra "Aly" Raisman, schon 18 und Kapitän der US-Mannschaft, verlor an diesem Gerät zu viel und verabschiedete sich am Balken aus dem Kampf um Gold. Erheblich war auch schon der Abstand der drittplatzierten Aliya Mustafina aus Russland. Die 18 Jahre alte Mehrkampf-Weltmeisterin von 2010 musste den Balken sogar verlassen. Die Entscheidung musste in der Bodenkür fallen, wo Douglas unter dem Jubel ihrer Fans 15,033 Punkte vorlegte und strahlend die Fläche verließ. Komowa gab alles und war mit 15,100 Zählern etwas besser, der Rückstand aber schon zu groß.

Die Mannheimerin Elisabeth Seitz kam mit 57,365 Punkte auf Rang zehn und bestätigte damit ihren zweiten EM-Platz aus dem Vorjahr. In der kommenden Woche steht sie im Finale am Stufenbarren. Den Grundstein zu ihrem guten Abschneiden legte die 18-jährige Seitz gleich zu Beginn am Stufenbarren. Dort gelangen der Gymnasiasten alle wichtigen Elemente, einschließlich des Def, den sie derzeit weltexklusiv an diesem Gerät turnt. Mit 15,166 Punkten nahm sie zu diesem Zeitpunkt sogar Rang fünf ein.

Auch am Schwebebalken kam die deutsche Meisterin weitgehend sicher durch ihr Programm. Dass dort am Ende nur 13,800 Zähler zu Buche standen, lag am eher niedrigen Schwierigkeitsgrad ihrer Vorführung (5,6). Heimtrainerin Claudia Schunk spendete ihrem Schützling aufmunternden Beifall. Nicht ganz zufrieden konnte Seitz mit ihrer Leistung am Boden sein. Sie musste mit einem Fuß die Bodenfläche verlassen und kassierte dafür Abzüge. Nur 13,633 Punkte erkannten ihr die Kampfrichterinnen zu, sie fiel damit im Zwischenklassement auf den zehnten Platz zurück. Mit einem gelungenen Jurtschenko mit Doppelschraube (14,766) beschloss Seitz ihren Wettkampf und konnte entspannt als Zuschauerin die Medaillenentscheidung beobachten.

In der Vorausscheidung hatte die Detmolderin Nadine Jarosch die Chance vergeben, sich als zweite deutsche Turnerin für den Endkampf zu qualifizieren. Die olympischen Kunstturn-Entscheidungen werden am Sonntag mit den ersten drei Gerätefinals fortgesetzt. Dabei hat Marcel Nguyen aus Unterhaching am Boden die Chance, seiner Silbermedaille im Mehrkampf weiteres Edelmetall hinzuzufügen. Im Endkampf beim Sprung stehen außerdem Vize-Weltmeisterin Oksana Chusovitina aus Herkenrath sowie die Ulmerin Janine Berger.

Autor: sid