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04. August 2012

Technisches Doping

KOMMENTAR: Nicht vergleichbar

Der Sprinter Oscar Pistorius hat mit seinen Prothesen die Leichtathletik überrannt. Er hat Fragen provoziert, auf die weder der Verband noch die Wissenschaft eine zufriedenstellende Antwort parat hatten. Pistorius will gegen Nichtbehinderte laufen, er will sich mit den Besten der Welt messen, und nach dem Urteil des CAS ist es sein gutes Recht, das zu tun. Er hat erst einmal Fakten geschaffen. Bei den Paralympics läuft er außer Konkurrenz, Gold ist ihm sicher. Pistorius sagt, er sei so schnell, weil er so viel trainiert. Das ist stark umstritten. Man kann ihm aber auch nur schwer das Gegenteil beweisen. Wissenschaftler sagen – unabhängig von der Debatte um Pistorius –, schon bald werden Menschen mit Prothesen schneller sein als Menschen mit gesunden Beinen. Das ist ein sensationeller Fortschritt. Das Problem ist nur: Wenn das Material über Sieg und Ehre entscheidet und nicht die Gabe oder das Training, wird die Grundidee des Sports ad absurdum geführt. Das wäre dann nichts anderes als technisches Doping. Daher gilt: Einen Menschen, der mit Prothesen läuft, kann man nicht mit einem Menschen vergleichen, der mit Beinen läuft – egal, wer schneller ist. Deshalb sollten Sportler mit Beinprothesen und Sportler mit gesunden Beinen nicht gegeneinander antreten. Olympische Spiele für alle mag gerecht klingen, bleibt aber eine unausgegorene Idee. Die Einteilung, wie sie bisher ist, hat nichts mit Ausgrenzung zu tun. Sie folgt der einzig logischen Konsequenz: Man kann nur vergleichen, was auch vergleichbar ist.

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Autor: Andreas Frey


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