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23. Januar 2012
"Man will Medaillen haben"
Nicht nur Lob, sondern auch Kritik am Schlusstag der Olympischen Jugendspiele in Innsbruck.
INNSBRUCK (dpa/str). Die ersten Olympischen Jugendspiele für Wintersportler sind am Sonntag in Innsbruck zu Ende gegangen. Mehr als 1000 Heranwachsende zwischen 14 und 18 Jahren boten dabei hochklassigen Sport und hatten auch beim Après-Ski viel Spaß. Die deutschen Talente legten einen Endspurt hin und gewannen am Wochenende noch fünfmal Gold, dazu Silber und Bronze. Allerdings sollte der Medaillenspiegel in Innsbruck nicht die Hauptrolle spielen.
"Wir haben großen Sport gesehen", sagte Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Komitees (DOSB), und sprach von einer "gelungenen Premiere". Jacques Rogge, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und Initiator der Jugendspiele, gab sogar die Bestnote. "Das waren zehn ruhmreiche Tage. Danke, Innsbruck. Auf Wiedersehen 2016 in Lillehammer", erklärte der 69 Jahre alte Belgier am Sonntag. Die Winter-Premiere habe "in jeder Hinsicht alle Erwartungen übertroffen und ein starkes Fundament für künftige Jugendspiele geschaffen".Am Finalwochenende drehten die Juniorinnen und Junioren aus Deutschland noch einmal auf: Nicole Muskatewitz fegte am Sonntag die erste olympische Medaille für die deutschen Curler vom Eis. Im gemischten Doppel mit ihrem Schweizer Kollegen Michael Brunner gab es Gold für die 17-Jährige aus Sinzheim. Die Mixed-Staffel aus Biathleten und Skilangläufern hatte am Vortag die Konkurrenz aus 23 Ländern abgehängt. Auch das gemischte Skisprung-Trio gewann in Seefeld. "Gold ist Wahnsinn!", sagte Skispringer Andreas Wellinger (Ruhpolding). Die Skeletonis Jaqueline Lölling und Sebastian Berneker waren im Eiskanal von Innsbruck-Igls die Schnellsten.
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Sturm und Schneechaos folgte Silberglanz für Skicrosser Marzellus Renn. Auch die jungen Eishockey-Frauen erkämpften sich die ersehnte Medaille. Im kleinen Finale wurde das U-18-Team mit der Freiburgerin Theresia Hoppe seiner Favoritenrolle mit dem 7:4 gegen Außenseiter Kasachstan gerecht. Mit Bronze waren schließlich alle ganz zufrieden. "Heute geht das Licht nicht vor ein Uhr aus", versprach der Oberhofer Biathlet Maximilian Janke. Und seine skilaufende "Kollegin" Victoria Carl sagte: "Team-Gold schweißt zusammen." Genau dies gehörte zur Philosophie des IOC, das 2007 die Einführung von Jugendspielen beschlossen hatte. Sport und Spaß, Kultur und Bildung, Fairness und Freundschaft – die Mischung sollte es machen.
Vor allem deshalb ist die Winter-Premiere mit einem Budget von rund 24 Millionen Euro aus Sicht des IOC und auch der 57-köpfigen deutschen Mannschaft ein Erfolg gewesen. Bei der zweiten Auflage 2016 im olympisch erprobten Lillehammer soll allerdings nachjustiert werden. In Norwegen müsse man "einige Formats-Änderungen vornehmen und schauen, ob das alles finanziell realistisch ist", kündigte Gian-Franco Kasper an, der Präsident des Internationalen Ski-Verbands (FIS).
Biathleten und Rodler waren die "Abräumer" im starken deutschen Team, das insgesamt 18 Medaillen mit nach Hause nimmt. Zwar betonten DOSB und IOC in Innsbruck ausdrücklich, dass sportliche Erfolge und Podestplätze nicht die Hauptrolle spielen sollten. FIS-Präsident Gian-Franco Kasper allerdings räumte gegenüber der ARD-Sendung Sport Inside ein, dass es in Innsbruck natürlich auch um Gold, Silber und Bronze gegangen sei: "Man will Medaillen haben, der nationale Druck auf die Jungen ist auch da, die Nationalen Olympischen Komitees wollen natürlich mit allen Mitteln gut dastehen." Sport Inside ist heute um 22.45 Uhr im WDR zu sehen. Deutliche Kritik an den Spielen äußerte Wolfgang Maier, der Alpin-Direktor des Deutschen Ski-Verbands. Weil nur einige ausgewählte Jahrgänge bei Jugend-Olympia starten dürften, andere hingegen nicht, seien die Wettkämpfe in diesem Format "wertlos".
Autor: Erklär’s mir & Kommentar
