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11. Juni 2012 20:46 Uhr

Debatte um wiederverheiratete Geschiedene

Ordinariat: Priester sollen Unterschrift zurücknehmen

Das Erzbischöfliche Ordinariat hat im Streit um wiederverheiratete Geschiedene den Druck erhöht. Priester sollen einen entsprechenden Aufruf nicht unterzeichnen – beziehungsweise ihre Unterschrift zurückziehen.

  1. Generalvikar Fridolin Keck hat sich in der Debatte um die Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene mit einem Brief an alle Dekane gewandt. Foto: Ingo Schneider

Den Brief hat Generalvikar Keck, er ist Leiter der Verwaltung der Diözese, am Freitag an alle Dekane geschickt – mit der Bitte, das Schreiben an alle Pfarrer weiterzuleiten. Ausgewirkt hat sich der blaue Brief aus der Freiburger Herrenstraße erst einmal nicht: Die Zahl der Unterzeichner hat in den vergangenen Tagen weiter zugenommen und ist bis zum Montag auf mittlerweile 176 Priester und Diakone aus der ganzen Diözese gestiegen.

Die Unterzeichner fordern dringend einen lebensnäheren Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und bekennen offen, dass sie in ihren Gemeinden den Katholiken, die nach einer Scheidung eine neue Ehe eingegangen sind, die Kommunion und andere Sakramente nicht verweigern. Ein solches Bekenntnis hat es in dieser Dimension in Deutschland bislang noch nicht gegeben. Das Brisante ist: Diese Praxis verstößt gegen geltendes Kirchenrecht, deswegen will sie das Ordinariat auch nicht tolerieren.

Dampf unterm Deckel

Der Freiburger Pfarrer Konrad Irslinger, einer der 13 Initiatoren des Aufrufs, zeigt sich von dem Brief nicht überrascht. Er sagt: "Jeder Pfarrer ist Manns genug sich zu entscheiden, was die Stunde ist." Irslinger berichtet von Priesterkollegen, die sich erst nach dem Lesen des Briefes ausdrücklich zur Unterschrift entschlossen haben. "Wir sind aber auch darauf eingestellt, dass einige zurückziehen werden."

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Erzbischof Robert Zollitsch hat sich auch am Montag nicht zu dem Disput geäußert. Robert Eberle, der Sprecher der Erzdiözese, bezeichnete die Initiative als kontraproduktiv. Wie die Situation der wiederverheirateten Geschiedenen verbessert werden kann, werde im kommenden Frühjahr ein großes Thema in der Diözesanversammlung sein. Im Grundanliegen sei man sich auch einig, dass man mehr tun müsse. "Es laufen viele Dialogaktivitäten", sagt Eberle. Viele Seelsorger spüren davon aber wenig: Weil in der Sache nichts vorangehe, "ist so viel Dampf unterm Deckel", schildert ein Priester die Stimmungslage.

Ob den Unterzeichnern des Aufrufs dienstrechtliche Konsequenzen drohen, dazu wollte sich das Ordinariat nicht äußern. Mit den Initiatoren der Interneterklärung solle nun das Gespräch gesucht werden, erklärt Bistumssprecher Eberle. Beim letzten Memorandum im vergangenen Jahr ging es offenbar nur sehr schleppend zum Dialog. "Wir mussten auf den Gesprächstermin beim Erzbischof mehr als ein halbes Jahr warten", erinnert sich Pfarrer Irslinger.

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Autor: Joachim Röderer


8 Kommentare

Nicht kommentierbar

Die veröffentlichten Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Roman Weingardt  

Roman Weingardt

Registriert seit: 02.12.2010

Kommentare: 3198

11. Juni 2012 - 21:15 Uhr

Das Kind liegt (Gott sei Dank) eh schon im Brunnen. Ich hoffe die Unterzeichner bleiben standhaft.

Selbst wenn die Unterzeichner zurückziehen würden, dass ganze würde dann den sog. Streisand-Effekt bewirken:

http://de.wikipedia.org/wiki/Streisand-Effekt

So langsam wirds eng um die Erzkonservativen! Gut so!

Sieht so aus, als fangen die letzten Zuckungen an!

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Roman Weingardt  

Roman Weingardt

Registriert seit: 02.12.2010

Kommentare: 3198

11. Juni 2012 - 22:02 Uhr

In einem hat die katholische Kirche ja recht:

Es gibt Ledige (z.B. kath. Pfarrer) und Erledigte (Verheiratete und insbesondere Geschiedene)!

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Petra Horst

Registriert seit: 04.10.2009

Kommentare: 21

11. Juni 2012 - 22:44 Uhr

Seltsam, dass es sowenig kommentare dazu gibt - sagt ja auch was aus! (Überdrüssig von katholischer Kirche? Angst?)
@Weingardt: "Streisand-Effekt", habs angeschaut: viel zu amerikanisch, da geht hier viel mehr (z.B. compact.de)
"Das Kind liegt (Gott sei Dank) eh schon im Brunnen", ähm, schräger Ausdruck angesichts der vielen Mißbrauchsfälle - siehe aktuell "Waisenhaus Günterstal"
drücke allen mutigen Priestern die Daumen und mögen die Schäflein auch mal laut blöken!

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Petra Horst

Registriert seit: 04.10.2009

Kommentare: 21

11. Juni 2012 - 22:47 Uhr

Seltsam, dass es sowenig kommentare dazu gibt - sagt ja auch was aus! (Überdrüssig von katholischer Kirche? Angst?)
@Weingardt: "Streisand-Effekt", habs angeschaut: viel zu amerikanisch, da geht hier viel mehr (z.B. compact.de)
"Das Kind liegt (Gott sei Dank) eh schon im Brunnen", ähm, schräger Ausdruck angesichts der vielen Mißbrauchsfälle - siehe aktuell "Waisenhaus Günterstal"
drücke allen mutigen Priestern die Daumen und mögen die Schäflein auch mal laut blöken!

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Günther Müller

Registriert seit: 18.02.2011

Kommentare: 82

11. Juni 2012 - 23:24 Uhr

Äh, blöde Frage, woran erkennt ein Pfarrer denn, ob jemand geschieden ist? Wenn ein Geschiedener oder eine Geschiedene einfach zur Kommunion geht und der Pfarrer ihn/sie nicht persönlich kennt und die familiären Hintergründe, kann er doch gar nicht wissen, ob jemand geschieden ist, oder stehe ich auf dem Schlauch?

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Roman Weingardt  

Roman Weingardt

Registriert seit: 02.12.2010

Kommentare: 3198

11. Juni 2012 - 23:34 Uhr

"Die Frömmigkeit entspringt dem Wunsch, um jeden Preis in der Welt eine Rolle zu spielen."

Charles de Montesquieu

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Egon Mayer

Registriert seit: 30.06.2010

Kommentare: 1485

11. Juni 2012 - 23:35 Uhr

@Günther Müller
Sowas findet sich im Familienstammbuch... Da in jedem Fall zuerst standesamtlich geheiratet werden muss, kann der Pfarrer dort in jedem Fall den Familienstand einsehen.
Zudem dürfte es in der katholischen Kirche ein Zentralregister geben, in dem man das einsehen kann.

Die Frage ist aber doch: Wenn ein Mensch gegen das Sakrament der Ehe, und damit eigentlich auch gegen seine Glaubensrichtung, verstößt, also sich (vor dem Gesetz) scheiden läßt und wieder heiraten will, warum will er dann diese Ehe vor Gott und der Kirche bestätigt wissen?
Zugegeben, ich kann nur für mich persönlich sprechen, aber eine kirchliche Hochzeit wäre mir sowas von juck...

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Roland Hellbardt

Registriert seit: 08.12.2010

Kommentare: 736

12. Juni 2012 - 00:26 Uhr

Oh mein Dings, was ist denn hier los?
Reden wir hier jetzt dem Kirchentum vor der Aufklärung das Wort?
@Petrus: Nimm mal zur Kenntnis, daß sich die Welt einfach verändert hat und wir nicht mehr das Jahr 1135 oder noch früher schreiben!
Aber Frau Majdecki hat schon recht: Sie schießen ich selber ab!
@Herr Müller: Nee, stehen Sie nicht (auf dem Schlauch)! Es war früher schon gang und gäbe, einfach die Gemeinde zu wechseln um wieder kirchlich heiraten zu können, weil die Vorgeschichte da eben nicht bekannt war. Aber warum überhaupt? Wem nutzt das was? Wo bringt uns das weiter? Wenn zwei sich lieben, reicht das nicht? Ich jedenfalls brauch nicht das einfältige Geschwätz eines Priesters, um meine Lebensgemeinschaft mit meiner Frau zu leben. Ich habe sie ja auch ohne das gefunden.

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