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26. September 2017

Als der Wahlkreis Offenburg zeitgleich drei Abgeordnete hatte

Schäuble, Drobinski-Weiß und Laurischk gehörten eine Weile gleichzeitig dem Bundestag an / Gute Wahlbeteiligung bei der Wahl am vergangenen Sonntag.

OFFENBURG. Wählerverhalten und Parteienspektrum haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert – besonders gut auch zu sehen am Wahlkreis Offenburg. Nur ein Beispiel: Bei der Bundestagswahl 2002 – es ist also gerade mal 15 Jahre her – holten Wolfgang Schäuble (CDU) und Elvira Drobinski-Weiß (SPD) noch zusammen satte 86,2 Prozent aller Erststimmen. Die Kandidaten der Grünen, der FDP und der Linken schafften zusammen gerade mal 12,2 Prozent.

Die Erststimmen

Bei der Wahl am vergangenen Sonntag waren Schäuble und Drobinski-Weiß längst nicht mehr die großen Abräumer, auch wenn ihre zusammen 65,4 Prozent bei den Erststimmen immer noch einen Zwei-Drittel-Anteil am Gesamtkuchen bedeuteten. Insgesamt aber eine Einbuße von gut 20 Prozentpunkten. Schäuble selbst hat in den vergangenen 15 Jahren, zeitübergreifend gesehen, gar nicht mal so viel verloren: 2002 lag er mit den Erststimmen bei 52,9 Prozent, rutschte 2009 auf 47,2 Prozent ab, stieg dann 2013 auf gute 56,04 Prozent hoch, um danach wieder Federn zu lassen. Aktuell stehen bei ihm 48,13 Prozent. Kein Vergleich mit den 64,3 Prozent, die er 1990 holte, wenige Wochen nach dem Attentat von Oppenau, in Folge dessen er im Rollstuhl sitzt. Deutschland hat an seinem Schicksal großen Anteil genommen. Überdurchschnittlich auch die 62,4 Prozent von 1983: Es war die Wahl kurz nach dem Misstrauensvotum im Bundestag gegen Helmut Schmidt. Mit den Stimmen der Union und einer Mehrheit der FDP-Abgeordneten war der SPD-Kanzler des Amtes enthoben und Helmut Kohl zu seinem Nachfolger gewählt worden. Die reguläre Bundestagswahl fand im März 1983 statt.

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Bei seinem erstmaligen Einzug in den Bundestag im Dezember 1972 holte Schäuble 53,3 Prozent. Vorgänger war Hans Furler aus Oberkirch, der seit 1957 dem Bundestag angehörte und stets deutlich über 50 Prozent blieb. Dessen Vorgänger wiederum war Oskar Rümmele aus Hausen im Wiesental, der den Wahlkreis ab 1949 vertrat.

13 Jahre gehörte Elvira Drobinski-Weiß dem Parlament an. 2004, im letzten Jahr der Kanzlerschaft von Gerhard Schröder, kam sie als Nachrückerin in den Bundestag, um gleich bei der Wahl 2005 im Wahlkreis Offenburg 31,2 Prozent der Erststimmen zu holen – bis heute mit Abstand ihr bestes Ergebnis als Abgeordnete. Allerdings hatte sie 2002 mit 33,3 Prozent ein noch besseres Resultat eingefahren, wenn auch ohne parlamentarische Folgen. Nach rund 20 Prozent bei den beiden letzten Wahlen nun mit den 17,27 Prozent die schiere Ernüchterung.

Die Grünen haben sich nach dem schlechten Abschneiden 2013 bei den Erststimmen wieder berappelt. Biobauer Ludwig Kornmeier aus Appenweier war vor vier Jahren voller Optimismus angetreten, hat mit 8,9 Prozent gegenüber der 2009-er-Wahl aber so etwas wie eine Bauchlandung hingelegt, zumal Thomas Marwein aus Offenburg seinerzeit noch 12,6 Prozent geschafft hatte: Es nützte ihm aber nichts. Inzwischen gehört der frühere Stadtrat aber dem Landtag an.

Trutz-Ulrich Stephani (FDP) kam am Sonntag auf bescheidene 6,25 Prozent, war damit aber immerhin deutlich besser als Jan Sachs 2013 mit 2,1 Prozent. Kein Vergleich aber mit den 11,2 Prozent, die die Offenburgerin Sibylle Laurischk 2009 erzielt hatte. Sie gehörte von 2002 bis 2013 dem Bundestag an. Und die Linke? Spielte auch diesmal im Wahlkreis keine besondere Rolle, wenn auch das Ergebnis von Karin Binder (5,4 Prozent) leicht besser war als das von Lars Stern (4,26).

In der kommenden Periode wird der Wahlkreis in Berlin nur noch durch einen Abgeordneten vertreten sein.

Erststimmen: Hochburgen

Schäuble (CDU): Seebach (66,22 Prozent), Ottenhöfen (61,55), Bad Peterstal-Griesbach (61,45), Oppenau (58,9), Lautenbach (58,01 Prozent).
Drobinski-Weiß (SPD): Kehl (21,58), Rheinau (21,32), Berghaupten (20,33), Willstätt (19,14), Neuried (18,35).
Großklaus (Grüne): Offenburg (17,73), Ohlsbach (15,79), Ortenberg (14,92), Schutterwald (13,99), Appenweier (13,12 Prozent).
Stephani (FDP): Nordrach (8,88), Sasbachwalden (7,88), Durbach (7,41), Ortenberg (7,37), Oberharmersbach (7,35).
Maygutiak (AfD): Kehl (13,14), Willstätt (12,90), Oberharmersbach (12,69), Offenburg (11,73), Rheinau (11,28).
Binder (Linke): Kehl (6,88), Offenburg (6,54), Renchen, 6,24, Willstätt (6,13), Achern (6,07 Prozent).

Wahlbeteiligung

Mit 75,76 Prozent lag die Wahlbeteiligung am vergangenen Sonntag im Wahlkreis um fünf Punkte höher als 2013. Die höchsten Quoten wurden aus folgenden Städten und Gemeinden gemeldet: Ohlsbach (84,69 Prozent), Durbach (84,10), Ortenberg (83,88), Seebach (82,80) und Berghaupten (81,74 Prozent).

Autor: Hubert Röderer