Am Anfang steht immer ein Text

Erika Sieberts

Von Erika Sieberts

Do, 12. Juni 2014

Ortenaukreis

VERNISSAGE: Zeichnungen von Ulrike Kirbach und Rainer Thomas in der Galerie Treiber in Ettenheimmünster.

ETTENHEIMMÜNSTER. Streng sind die Auswahl, die Präsentation und die Arbeiten: Mit der Ausstellung "Eine fort-laufende Geschichte" aus einem Werkzyklus von Ulrike Kirbach und der Reihe "umhergehen" von Rainer Thomas, hat es sich die Galeristin Linda Treiber in Ettenheimmünster nicht einfach gemacht, wieder zwei Positionen aus dem Bereich Zeichnung zu präsentieren.

"Ich will sie alle sehen", habe die Galeristin zu Ulrike Kirbach gesagt, als diese von ihrem Werkzyklus der vergangen drei Jahre erzählte. Und die Stuttgarterin hat alles eingepackt: Mehr als 2000 Zeichnungen, die sie in Ettenheimmünster ausgepackt hat. "Für mich war es wertvoll, alles noch einmal zu sichten", sagte Kirbach bei der Vernissage am Sonntag. Seit einigen Jahren zeichne sie nach Gedichten.

"Am Anfang steht immer ein Text", erklärt Ulrike Kirbach. Der falle ihr meist nachts ein. Sie notiere diese Gedanken und setze sie dann in eine Zeichnung um. So entstehen die Blätter mit Text und Zeichnung – alle im gleichen Format, die jeweils als 8er-Block, zwei Reihen von vier Hochformaten, im Querformat gerahmt sind. Prägnante Worte stehen neben organisch mit Tusche verdichteten Wesen im Wechsel und wecken Assoziationen.

Kleine Welten sind das, die sich lesen und entdecken lassen – betrachten ist wohl der geeignete Ansatz um den Rhythmus des Werks zu erkennen. Kirbach: "Die Liebe, ach die Liebe, sie ist da, ich spür sie nicht". Rhythmus oder Versmaß ist auch bei der besonderen Art der Hängung der Arbeiten zu erkennen – besonders eindrücklich an der großen Wand im Hauptraum der Galerie in Ettenheimmünster.

Ulrike Kirbach (weißer Rahmen, Querformat) im Wechsel mit Rainer Thomas (brauner Rahmen, Hochformat), dessen Zeichnungen den Titel "umhergehen" tragen und aus einer Reihe von 100 Arbeiten ausgewählt worden sind. Diagonale Linien und verzogenen Flächen suggerieren Perspektive und erinnern an Architektur, an Wände, Verstrebungen und Konstruktion.

Der Maler und Zeichner Thomas erforscht mit seiner Reihe die Wirkweise bestimmter zeichnerischen Instrumente wobei weiche, spielerische Leichtigkeit und harter, präziser Scharfsinn vereint sind. Die bildnerische Umsetzung seines "Umhergehens" birgt Harmonie und rhythmisches Empfinden des Zeichners.

Die Schwäbin Ulrike Kirbach und der Franke Rainer Thomas, beide Jahrgang 1951, haben sich von der Auswahl und der Komposition ihrer so unterschiedlichen Positionen in dieser Ausstellung überraschen lassen und betrachteten sie mit Erstaunen.

– Galerie Treiber, Ettenheimmünster: Ulrike Kirbach, "eine fort-laufende Geschichte" und Rainer Thomas "umhergehen". Samstags und Sonntags 11 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung. Bis 13. Juli. http://www.galerielindatreiber.de