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25. Mai 2010
Batman über Oppenau
Die Ba-Wü-Airgames sind großer Sport, tolles Spektakel und angenehmes Volksfest.
OPPENAU. Tolles Wetter, tolle Stimmung, toller Sport, der überdies schön anzusehen ist. Die viertägigen "Ba-Wü Airgames" in Oppenau – zu deutsch: Baden-Württemberg Luftspiele – haben sich zu einem attraktiven Show- und Sport-Ereignis mit ganz eigenen Reiz entwickelt. Rund 15 000 Gäste besuchten die Gleitflug-Spiele von Freitagabend bis Pfingstmontag, so viele wie noch nie.
Schon allein der mit Gleitfliegern gesprenkelte Himmel über den Schwarzwaldhöhen um Oppenau ist ein Bild, das sich einprägt. Der Airgames-Luftsport ist vorwiegend leise. Den Hubschrauber, der die Akro-Piloten Felix Rodriguez und Linus Oehl hoch über dem Landeplatz abwirft, hört man in der Zuschauermenge kaum. Man sieht, wie er zwei winzige Punkte fallen lässt. Sekunden später öffnen sich deren Gleitschirme, bunt und bandartig. Rodriguez, Weltmeister seiner Disziplin, zeigt ein paar "Inifiny Tumblings", Rollen in freier Luft. Gleitschirm und Pilot rotieren um eine unsichtbare Achse, und für einen Moment ist der Gleitschirm unten, der Pilot oben. Rodriguez will versuchen, in Oppenau 300 dieser Figuren am Stück zu vollbringen. Der Versuch ist abhängig von den Windverhältnissen. Ob er stattfinden konnte, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.Werbung
Oehl und Rodriguez schreiben Figuren in den Himmel, zeigen Schwünge. Ungefährlich ist das nicht. Sollte sich der Gleitschirm dabei sich zusammenfalten, wird der Gleitflug zum Sturzflug. Die Piloten zünden Rauchbomben, so lässt sich ihr Weg durch die Lüfte auch mit bloßem Auge gut verfolgen. Einen Meter pro Sekunde beträgt die Fallgeschwindigkeit mit dem Gleitschirm – wobei es dank der Thermik auch aufwärts gehen kann, wie bei einem Segelflugzeug.
Für die Wingsuit-Piloten, die unmittelbar vorher dran waren, sind die Gleitschirm-Kollegen lahme Enten. 50 Stundenkilometer Fallgeschwindigkeit, bis zu 250 Stundenkilometer in der Horizontalen – das ist Rennwagen-Tempo. Die Piloten tragen eine Art Batman-Kostüm, mit Stoff zwischen Armen und Beinen. Damit springen sie aus großer Höhe und rasen wie Geschosse durch den Äther. Für die Zuschauer gibt es da Formationsflüge zu sehen, die teils an Düsenjägen-Shows erinnern – hier allerdings ohne Düse. Die Landung erfolgt per Fallschirm.
Mit Andreas Krohn haben die Airgames einen ausgezeichneten Moderator. Er verdeutlicht das Besondere an den einzelnen Disziplinen, erläutert Figuren, gibt interessante Hinweise, ohne sich in technischen Details zu verheddern. Kohn fliegt selbst seit über zehn Jahren Drachen und Gleitschirm und begleitet die Airgames fast von Anfang an. Oppenau sei kein einfaches Fluggebiet, sagt er. Da die Airgames jedoch mit den offenen Baden-Württemberg-Meisterschaften verbunden sind und sich Spitzen-Flieger aus aller Welt daran beteiligen, sei das genau richtig. Zunächst seien die Airgames als reiner Wettkampf gedacht gewesen, doch das Begleitprogramm sei immer mehr gewachsen. Mittlerweile bietet Oppenau eine Art Volksfest, bei dem das Gleitfliegen im Zentrum steht. Kohn: "Diese Entwicklung ist bedingt durch die Offenheit und Hilfe der Stadt und der hiesigen Vereine."
Die Atmosphäre auf dem von Buden und Ständen eingefassten Landezentrum direkt an der B 28 ist angenehm. Es gibt Trubel, doch keine Hektik, kein Getöse. Auf einer Bühne wird zwischen den Flugshow-Beiträgen Live-Musik geboten, etwa durch das Schlagwerk-Ensemble "Hot spot" aus Baiersbronn, die auf Blechkisten, Töpfen, Pfannen, Öl- und Plastikfässern Rhythmus machen. Dazu gibt es Interviews mit den Stars der Szene. Besucher können sich per Kran 40 Meter über das Festivalgelände hieven lassen – oder per Gleitschirmsprung vom Ibacher Holzplatz aus mitten im Herz der Airgames landen, im Tandem mit einem erfahrenen Piloten. Wie Artur Relle zum Beispiel. Er hat in Oppenau mit 79 Jahren seinen ersten Gleitschirmflug gemacht, mit Pilot. Sein Kommentar: "Ich bin begeistert."
Autor: i Robert Ullmann


