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15. September 2008

Bollenhut mit Kalaschnikow trifft dunkle Stadt

Bilder von Stefan Strumbel und Martin Sander in Durbach

  1. Stefan Strumbel (links) und Martin Sander vor einer Strumbel-Arbeit, die das Thema „Heimat“ poppig ironisiert. Foto: Maria Dinger

DURBACH. "I love Heimat" steht aufgesprüht auf der Leinwand neben dem Schwarzwaldmädel mit Bollenhut, welches sein Gesicht mit einem Palästinensertuch verdeckt und eine Keule in der Hand hält. Es ist eines der "Heimatmotive" von Stefan Strumbel, der zusammen mit Martin Sander, beides Offenburger Künstler, in der Staufenburg Klinik in Durbach ausstellt.

Ein wenig grotesk wirken Strumbels Motive im Foyer der Klinik zwischen hübsch dekorierten Stehtischen und gemütlichen Sitzgruppen schon. Neben dem Bollenhutmädel mit der Keule gibt es noch das Trachtenmädchen mit der Kalaschnikow mit der Aufschrift "Who killed bambi?" und das Mädchen mit dem Peace-Symbol "Heimat loves you". Stefan Strumbel verbindet Symbole und Bilder sämtlicher Klischees miteinander: Heimat, Kuckucksuhr, Bollenhut und Herz mit Kalaschnikow, Keule und Kampfbereitschaft. Diese Montage wirkt sofort. Sie ist plakativ – schnell zu verstehen. Sie wird als Witz aufgefasst und wirkt keinesfalls provokant. Das kommt gut an – da absurd und wie ein Cartoon jenseits von Gut und Böse.

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Der von der Streetart kommende Offenburger hat erfolgreich seinen Weg in die Welt der Galerien gefunden. Die Galerie Springmann in Freiburg stellt ihn aus, und seine Bilder waren im Kunstverein Bahlingen am Kaiserstuhl zu sehen. Er erhielt zusammen mit dem Kollegen Smash 137 aus Basel das Stipendium der Montana Scholarship in Heidelberg.

Martin Sander malt kleine Motive auf Metall, postkartengroße Stadtlandschaften bei Nacht, zusammen mit ein paar Dingen des täglichen Gebrauchs. Diese sind wie kleine Objekte in einem geöffneten flachen Pappkoffer angebracht. Er nennt sie "Sammelstücke". Als Serie hängen sie an der Wand, wobei im Deckel ein Foto der Sachen mit dem "Präsentationsvorschlag" haftet.

Neben diesen kleinen Malereiobjekten sind auch zwei große Stadtlandschaften in Öl auf Leinwand zu sehen. Auch da die Dämmerung – der Einbruch der Dunkelheit in der Stadt. Elektrische Lichter werfen fahles Licht auf den Asphalt und auf Betonfassaden. Die Räume sind menschenleer, wirken in der Nacht wie ausgestorben, einzig das abgestellte Fahrzeug erinnert an ihre Bewohner.

Was die Arbeit der beiden befreundeten Künstler miteinander verbindet, ist das Thema Straße. Stefan Strumbels Atelier ist die Straße – Martin Sander malt die Straße im Atelier. Während der eine durch die Straßen zieht, seine frechen Sticker global auf Wänden und Lichtmasten verteilt, malt der andere seinen Alltag und Eindrücke der nächtlichen Straße an seinem gewohnten Arbeitsplatz. Normalerweise. Ein Stipendium der Otmar Alt-Stiftung hat Sander nach Hamm geführt. Susanne Ramm-Weber hat ihn dort in der Vorbereitung ihrer Eröffnungsrede für Durbach getroffen – während Strumbel, der Umtriebige, sich gerade zu Hause in Offenburg aufhält. "Diametral" eben. So haben beide die Ausstellung benannt. Galerie Kulturzeit, Staufenburg Klinik, Durbach; "Diametral" Martin Sander & Stefan Strumbel, bis 12. November, täglich 9 Uhr bis 19 Uhr

Autor: Maria Dinger