Bus zum Theater am Rhein

Hagen Späth

Von Hagen Späth

Mi, 12. September 2018

Neuried

Das Forum am Rhein wächst seiner Vollendung unter anderem als Spielstätte von Baal Novo entgegen.

NEURIED-ALTENHEIM. "Ich konnte mir das vorher gar nicht vorstellen. Das ist ja ein Riesending." Friedlinde Gurr-Hirsch, die Staatssekretärin im Ministerium für den ländlichen Raum, zeigte sich beeindruckt angesichts dessen, was da, direkt vor der Pierre-Pflimlin-Brücke, mit dem europäischen Forum am Rhein gerade entsteht.

Investor und Architekt Jürgen Grossmann sowie Edzard Schoppmann, der Intendant des Baal Novo Theaters, hatten zur Baustellenbesichtigung geladen und informierten eine ganze Reihe von Gästen aus der Landes- und Kommunalpolitik von diesseits und jenseits des Rheins über das Projekt. Grossmann berichtete zunächst über die Schwierigkeiten des Bauplatzes, in dessen Untergrund man Altlasten gefunden habe und über die Probleme mit der Tragfähigkeit, weshalb man 600 Säulen in den Untergrund einbringen musste. Vom ursprünglichen Gedanken, die künftige Spielstätte des Theaters, das Herzstück des Gebäudes, im Untergeschoss einzurichten, habe man sich verabschiedet.

Fortschritte gebe es auch im Bemühen, das Forum an den öffentlichen Nahverkehr anzuschließen, auf lange Sicht sogar grenzüberschreitend mit Verbindungen nach Offenburg und nach Illkirch/Straßburg. Laut Grossmann wird das Gebäude insgesamt 3500 Quadratmeter Fläche auf drei Ebenen aufweisen. In das Erdgeschoss soll ein Café-Restaurant einziehen mit großer Terrasse und einem Geschäft mit regionalen Produkten aus beiden Ländern. Für das erste Obergeschoss ist ein japanisches Restaurant geplant, dazu Büroräume und ein "Meeting-Point" für Abgeordnete des Europäischen Parlaments. Ganz oben dann die Spielstätte für das deutsch-französische Theater Baal Novo mit 170 Plätzen. Ein Parkdeck über zwei Niveaus soll für 86 Parkplätze sorgen.

Theater als Grenzen überwindender Sowohl Oliver Rastetter, Bürgermeister der Gemeinde Lauf, als auch Anne-Catherine Weber, Bürgermeisterin der Gemeinde Plobsheim auf elsässischer Seite, betonten die Bedeutung des Forums als grenzüberschreitender und Grenzen überwindender Standort für das Theater. "Es hätte keinen besseren Standort für Baal Novo geben können", sagte Rastetter. Und Weber, deren Kommune seit vielen Jahren Partnergemeinde von Altenheim ist, hoffte, dass es ein Ort werde, der die Zusammenarbeit auf beiden Seiten des Rheins nochmals stärke und dass es ein Ort werde, der die Jugend beider Länder zusammen bringe. Neurieds Bürgermeister Jochen Fischer sprach von der großen Strahlkraft, der von diesem Projekt ausgehe: "Die Spielstätte katapultiert Neuried in eine andere Liga."

Schoppmann schließlich sicherte zu, dass Baal Novo auch mit einer festen Spielstätte weiterhin auf dem Land unterwegs sein wird. Das Konzept sehe im Forum 150 Veranstaltungen im Jahr vor: "Das schaffen wir nicht alleine." Deshalb gebe es Kooperationen mit anderen Theatern und Partnern, zum Beispiel der Landesbühne Bruchsal. Darüber hinaus soll das Theater Begegnungsort werden und offen sein für Musik, Wirtschaft und auch Politik: "Wir wollen ein wirkliches europäisches Forum schaffen."

Dazu fehlen dem Theater mit 15 fest angestellten Mitarbeitern noch ein paar Euro im Etat, obwohl der mit der festen Spielstätte von derzeit 700 000 Euro jährlich auf 900 000 Euro anwachsen wird. Eine Lücke gebe es auch noch für die nötigen Investitionen in die Technik und Bestuhlung. Gurr-Hirsch hatte hier zwar keinen konkreten Beitrag mitgebracht, sicherte aber ihre Unterstützung zu und verwies auf die Stiftungen im Land. Für sie ist die deutsch-französische Freundschaft "das Herz von Europa". Und das Forum "ein sehr sinnvolles Projekt, gerade in Zeiten, die nachdenklich machen".