Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

14. September 2017

Durbacher Bürgerentscheid kommt

Gemeinderat macht den Weg frei für eine Abstimmung am 12. November über den Erhalt oder Abriss des Graf-Metternich-Stadions.

  1. Über den Erhalt des Graf-Metternich-Stadions können die Durbacher nun abstimmen. Foto: Antonio Weiner

DURBACH. Ob das Graf-Metternich Stadion bleibt oder nicht, darüber können die Durbacher am 12. November abstimmen. Der Gemeinderat hat am Dienstagabend ein entsprechendes Bürgerbegehren geprüft und für zulässig befunden.

Einstimmig folgte der Gemeinderat am Dienstagabend der Beschlussvorlage der Verwaltung, die Bürger am 12. November über die Zukunft des Graf-Metternich-Stadions abstimmen zu lassen. Die "Initiative IG Bürgerbegehren für den Erhalt des Graf-Metternich-Stadions" hatte am 13. Juli ein Bürgerbegehren zum Erhalt des Stadions beantragt.

326 gültige Unterschriften
Verwaltung und Gemeinderat haben das Begehren geprüft und für zulässig befunden. Laut Gemeindeordnung muss ein Bürgerbegehren von mindestens sieben Prozent der Bürger unterzeichnet worden sein. Im Falle Durbachs mit seinen 3308 Wahlberechtigten sind das mindestens 232 Personen. Bereits im Juli hatte die Bürgerinitiative fristgerecht 349 Unterschriften abgegeben, nach Prüfung der Verwaltung wurden 326 der Unterschriften für das Begehren zugelassen, also fast zehn Prozent der Wahlberechtigten.

Werbung


Leicht geänderte Fragestellung
Die Fragestellung, über die die Bürger mit Ja oder Nein abstimmen können, wurde seitens der Verwaltung leicht präzisiert. So soll klar werden, dass mit dem Stadion Rasenplatz und Sportheim, nicht aber der Hartplatz gemeint ist. Die Fragestellung lautet nun: "Soll das Graf-Metternich-Stadion im Ortsteil Durbach (Rasenplatz und Sportheim) entgegen dem Gemeinderatsbeschuss vom 27. April 2017 erhalten bleiben?"

De Fragestellung bezieht sich auf einen Teil des vom Gemeinderat beschlossenen Gesamtkonzeptes über die Zusammenlegung der Sportanlagen in Ebersweier und Durbach. Dieses sieht vor, die Fußballplätze in Ebersweier zu zentralisieren. Die beiden Vereine sind diesem Plan durch ihre Fusion im Juli entgegen gekommen, die mit überwältigender Mehrheit von beiden Vereinen beschlossen wurde. In Ebersweier soll neben dem vorhandenen Kunstrasenplatz ein Kleinkunstrasenfeld entstehen. Anstelle von Stadion und Vereinsheim sollen in Durbach ein Park sowie Bauplätze entstehen. Letztere sollen an Privatleute veräußert werden. Die IG will das verhindern.

Die Positionen
Antonio Weiner, der als Vertrauensperson für das Bürgerbegehren spricht, sorgt sich vor allem um das Ortsbild. Er wirft der Gemeinde vor, in Kauf zu nehmen, den Ortseingang Durbachs mit einem "nicht durchdachten Konzept" unwiderruflich zu verändern, was in einer Tourismusgemeinde wie Durbach ein Fehler sei. Bürgermeister König entgegnet, insbesondere mit Blick auf die geplante Parkanlage: "Das wäre eine Aufwertung für unsere Bürger und unsere Touristen". Die Sichtweisen auf den geplanten Park gehen dabei stark auseinander: Bürgermeister König findet, dass eine Gemeinde wie Durbach einen "Kurpark" braucht. Weiner sieht in der "sogenannten Parkanlage" lediglich eine "kleine Grünfläche". "Das ist ein Witz", sagte er.

Streit ums Geld
Die Kosten im Falle eines Stadionerhalts sind der strittigste Punkt. Die Verwaltung sieht insbesondere in diesem Punkt "Fehler und Widersprüche" in der Begründung des Bürgerbegehrens. Die Initiative glaubt, dass durch den Erhalt des Durbacher Stadions die Kosten von insgesamt 1,25 Millionen Euro eingespart werden könnten, die für die Erweiterung der Sportanlagen in Ebersweier vorgesehen sind. Diese Rechnung will die Verwaltung nicht gelten lassen: "Das würde für die Gemeinde teuer", sagte Bürgermeister Andreas König gegenüber der BZ.

Die Kostenaufstellung der Gemeinde gliedert sich in insgesamt fünf Bereiche. Die Kosten für den Rasenplatz in Ebersweier (400 000 Euro) könnten laut Verwaltung im Falle des Stadionerhalts zwar entfallen, nicht aber die Kosten für den Kunstrasenplatz für den TuS Durbach (235 000 Euro). Der bestehende Hartplatz sei in einem "desolaten Zustand" – daran sei nichts geändert worden, da die Vereine auf eine Fusion hingearbeitet hätten. Im Falle eines Erhalts des Graf-Metternich-Stadions bräuchte der TuS Durbach laut Verwaltung ein neues Trainingsfeld. Die Kosten dafür lägen zwischen 300 000 und 400 000 Euro.
Zudem müsse das Stadion in zehn bis 15 Jahren saniert werden. Der Rasenplatz bedürfe einer Sanierung, die Beregnungsanlage sei oft defekt. Es gebe zwar keine Kostenrechnung, aber für beides zusammen rechnet die Verwaltung mit Kosten von deutlich über 100 000 Euro. Besonders in diesem Punkt widerspricht Antonio Weiner: "Das Graf-Metternich Stadion wird schon seit Jahren schlecht geredet", sagte er gegenüber der BZ. Der Rasen sei auch in 25 Jahren nicht sanierungsbedürftig, wenn er vernünftig gepflegt würde.

Hohe Kosten trotz Stadionerhalts?
Auch die Sanierung des Vereinsheims in Ebersweier würde nicht komplett wegfallen – selbst dann, wenn es nicht zu einer Fusion käme. Aber auch dann würde von den 500 000 Euro aus der Kostenschätzung der Gemeinde "noch mindestens die Hälfte übrig bleiben für die Sanierung der Umkleidekabinen und die Erneuerung des Daches", heißt es in der Beschlussvorlage.

Die Verwaltung kommt zum Schluss: "Im Ergebnis lässt sich also festhalten, dass trotz Erhalt des Stadions ein mittlerer bis hoher sechsstelliger Betrag an der Gemeinde verbleiben würde". Zudem würden im Falle des Erhaltes Möglichkeiten der Gegenfinanzierung fehlen – etwa durch geplante Grundstücksverkäufe an Bürger, die auf dem überplanten Gelände Häuser errichten dürfen.

Zudem steuerten die Vereine einen Eigenanteil bei, sodass die Kosten für die Gemeinde lediglich bei etwa einer Million Euro lägen.

Bei einer Info-Veranstaltung in der Turnhalle Durbach am Dienstag, 7. November, 19 Uhr, sollen beide Seiten Gelegenheit haben, ihre Position darzustellen.

Autor: Moritz Lehmann