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07. Juli 2016 16:55 Uhr

Neuried / Offenburg

Ehefrau erstochen – Rentner bekommt 9 Jahre Knast

Ein 65 Jahre alter Rentner aus Neuried ersticht seine Ehefrau nach 42 Ehejahren mit einem Küchenmesser. Nun hat das Landgericht Offenburg den Mann zu neun Jahren Haft verurteilt.

  1. 65-Jähriger aus Neuried vom Landgericht Offenburg verurteilt Foto: dpa

Die Staatsanwaltschaft hatte zehn Jahre gefordert. Der Angeklagte stellte im Prozess die tödlichen Messerstiche als Unfall dar. Nach der Tat hatte er indes erklärt, vorsätzlich zugestochen zu haben.

Aufgrund der Einlassung des 65-Jährigen vor Gericht plädierte sein Verteidiger Wolfgang Reichert auf Körperverletzung mit Todesfolge sowie versuchten Totschlags, da der zweite Messerstich in die bereits verstorbene Ehefrau drang. Reichert beantragte eine Freiheitsstrafe von maximal fünf Jahren. In seinem Schlusswort nach den Plädoyers sprach der Angeklagte erneut ausschweifend über seine Ehe. Wiederholt hatte er sich als Opfer und die Ehe als "Feindschaft" dargestellt.

Nach Auffassung der Schwurgerichtskammer waren die tödlichen Messerstiche am 26. Januar gegen 22.19 Uhr das gewaltsame Ende einer "trostlosen, zerrütteten Ehe". Die Probleme hätten begonnen, als der Angeklagte aus einer Glaubensgemeinschaft austrat, in der sich das Ehepaar gemeinsam engagiert hatte. Die Ehepartner hatten in ihrem Haus getrennte Zimmer, die sie nicht nur abschlossen, sondern verriegelten. Die Ehefrau hatte zu ihrem Schutz auch ein Messer im Schlafzimmer.

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Am Tattag wollte das Paar noch einen Ausflug unternehmen. Der 65-Jährige schickte seiner Frau per SMS sogar eine Liebeserklärung. Ihm unbekannte Schlüssel am Schlüsselbund der Ehefrau ließen ihn jedoch erneut Vorwürfe bezüglich eines anderen Mannes erheben. Eifersucht beherrschte den Angeklagten immer wieder. Vor Gericht berichtete er ausschweifend von seinen Verdächtigungen. Der 65-Jährige sammelte Anhaltspunkte, ohne einen Beweis zu finden.

Der psychiatrische Sachverständige wertete dies nicht als wahnhafte Eifersucht. Nach dem Abbruch des Ausflugs ging jeder wieder seiner Wege. Nach Ansicht des Gerichts legte sich der Angeklagte abends nach ein paar Flaschen Bier angezogen ins Bett, sein Zimmer vergaß er abzuschließen. Seine Ehefrau erschien dann mit einem Kochmesser in seinem Zimmer und machte ihm Vorhaltungen. Dann ging sie in ihr Schlafzimmer, das sie abschloss.

Wütend, da er das Messer seit Monaten vermisste, trat der 65-Jährige die Tür ein. Die im Bett sitzende Ehefrau hielt das Messer in seine Richtung. Nach Angaben des Angeklagten nach der Tat nahm er ihr das Messer weg, erhielt dabei eine Schnittwunde. Dann stach er zu. Als der durch die Hilfeschreie alarmierte Sohn dazwischen ging, verletzte er diesen und stach erneut auf die bereits reglose Ehefrau ein.

Die Äußerungen des Angeklagten nach der Tat, bei Vernehmungen der Polizei und bei der richterlichen Anhörung, geben nach Ansicht der Strafkammer "eine klare Sicht des Täters auf die Absicht bei der Tathandlung". Er wolle sie umbringen, habe ihr das Messer entwendet und sie dann erstochen, sagte der 65-Jährige. Und: "Hauptsache, ich habe die nächsten 20 Jahre meine Ruhe." Einem Familienmitglied gegenüber sagte er nach der Tat: "Sie hat es verdient." Und er wisse, dass er dafür ins Gefängnis müsse.

"Diese Aussagen", so Richter Heinz Walter, "sind in ihrer Klarheit überwältigend". Walter sprach von einem "unbedingten Tötungswillen". Das rechtsmedizinische Gutachten habe aufgezeigt, dass die beiden Messerstiche – acht Zentimeter und 14 Zentimeter tief – "mit Wucht" ausgeführt wurden. Die Einlassung des Angeklagten, die Messerstiche seien in einem Gerangel um das Messer erfolgt, nannte die Kammer "lebensfremd".

Autor: Harald Rudolf