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31. Dezember 2011

Whiskey aus Oberkirch

Eine spezielle Schwarzwälder Note

Johannes Müller-Herold von der Brennerei "Grüner Baum" in Oberkirch-Ödsbach brennt einen ganz besonderen Whiskey.

  1. Johannes Müller-Herold von der Brennerei „Grüner Baum“ im Oberkircher Ortsteil Ödsbach mit seinem Whisky aus Bio-Emmer Foto: robert ullmann

OBERKIRCH. Alemannischer Hochland-Whiskey, "made in The Black Forest", gebrannt aus biologisch angebautem Getreide aus den Hochlagen des Schwarzwalds, gelagert im Eichenholzfass – das gibt es! Verantwortlich für diese kleine Köstlichkeit ist Johannes Müller-Herold von der Brennerei "Grüner Baum" in Oberkirch-Ödsbach.

Es handelt sich um einen Betrieb mit langer Tradition. "Wir brennen mittlerweile in der zehnten Generation, erklärt Müller-Herold. 1726 erlaubte der Bischof von Straßburg allgemein den Bauern des Renchtals das Herstellen von Bränden – etwas, das bis dato nur den Küfern erlaubt war. Die Küferei von Müller-Herolds Vorfahren in Ödsbach lässt sich auf das Jahr 1645 zurückdatieren, demnach dürfte die Familie eine der ältesten Brennerfamilien in der Ortenau überhaupt sein.

Die Sache mit dem Whisky ist dagegen noch brandneu. Müller-Herold wuchs durch die Familie sozusagen mit dem Brennerhandwerk auf. Zusätzlich lernte er Koch und kam durch diesen Beruf in der Welt herum. Ehe er vom Vater den Betrieb daheim übernahm, lebte er unter anderem für drei Jahre in Neuseeland. Whisky sei dort ein beliebtes Getränk. Freunde, die seine Herkunft aus einer Brenner-Familie kannten, zogen ihn damit auf, dass er doch seinen eigenen Whisky brennen könnte, erzählt Müller-Herold. "Diese Idee hat mich dann nicht mehr losgelassen." Allerdings war ihm klar, dass er nicht einfach das schottische Nationalgetränk eins zu eins kopieren wollte.

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Er wollte eine spezielle Schwarzwälder Note. Deshalb entschied er sich gegen die Gerste als Grundstoff – und für den Emmer. "Das ist ein sehr altes Getreide, das schon vor zehntausend Jahren kultiviert wurde", erklärt Müller-Herold. "Sie hat eine nussige Note, deshalb wollte ich diese Getreidesorte haben." Das Problem: Emmer wird heutzutage kaum noch angebaut, findet Verwendung nur in speziellen Bio-Lebensmitteln. Müller-Herold fand einen Landwirt aus der Region, der Emmer in Bio-Qualität anbaut. Der Emmer wird dreifach gebrannt und dann in Fässern aus französischer Eiche gelagert. Müller-Herold: "Der schottische Whisky – auch der Single Malt – wird häufig mit Farbstoff angereichert, um ihm die typische Whiskyfarbe zu geben. Wir machen das nicht."

Dennoch hat der Schwarzwald-Whisky durch das Eichenholz eine schöne Whiskyfarbe, vielleicht einen Tick heller, als man es gewohnt ist. Nach zwei Jahren kommt Müller-Herolds Whisky in 225-Liter-Barrique-Fass aus Durbach, in dem vorher ein Dessertwein ausgebaut wurde. "In Schottland werden edle Single Malts gern für einige Zeit im Sherry-Fass gelagert, um ihnen eine spezielle Note zu geben. Wir wollten für unseren Whisky ein Finish, das mit der Region verbunden ist", so Müller-Herold.

Im Grunde handelt es sich bei seinem Whisky – "a freud" hat er die Marke in Alemannisch getauft – um einen Single Malt. "Wir haben ihm jedoch einen Hauch Bierbrand mitgegeben", verrät der junge Brenner. Im Geschmack schlage sich das nicht nieder, jedoch im Bukett. Wenn der Whisky aus Ödsbach nach drei Jahren aus dem Fass kommt, hat er 58 Prozent und wird auf eine Trinkstärke von 43,5 Prozent gebracht – mit erstklassigem Quellwasser aus Ödsbach. In diesem Frühjahr wurde zum ersten Mal sein Whisky aus Bio-Emmer auf Flaschen gezogen. Müller-Herold stellt klar, dass es sich um ein Nischenprodukt handelt. Das Hauptgeschäft konzentriere sich auf edle Obstbrände und Liköre. Aber eine Freud’ hat er schon an seinem Black Forest Highland Whisky, wie er gesteht.

Und prominente Kundschaft dafür hat er auch. Landrat Frank Scherer habe schon mal die eine oder andere Flasche gekauft. "Was wir feststellen: Unser Whisky wird gerne von Frauen getrunken", sagt Johannes Müller-Herold, "vielleicht, weil er unglaublich mild ist und keine rauchige Grundnote hat. Das Rauchige besorgt bei uns im Schwarzwald der Schinken."

Weitere Infos unter www. brennerei-gruener-baum.de

Autor: Robert Ullmann