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13. Juni 2012

Ende der Dampfzugfahrten?

Eisenbahnfreunde leiden unter Personalnot und denken über Umzug nach Oberharmersbach nach.

  1. Personalnot beim Achertäler Eisenbahnverein: Wenige Hände müssen viel Arbeit leisten: Im Bild Josef Burgert, Marco Graf, Roland Nikolas und Bernd Roschach (von links). Foto: Vera Pillin

ORTENAU (pil). Wie lange dampft der historische Dampfzug noch durch das Achertal? Der Achertäler Eisenbahnverein schlägt Alarm und warnt, dass die werbewirksamen Fahrten in diesem Jahr wahrscheinlich zum letzten Mal stattfinden. Weil der Eisenbahnbetrieb mit zehn aktiven Mitgliedern kaum noch aufrecht zu erhalten ist, aber auch weil man fürchtet, mit der Zuweisung weiterer Fahrten an die Verkehrsgesellschaft SWEG in der eigenen Arbeit noch weiter beschnitten zu werden, denkt der Verein laut darüber nach, mit seiner Lok ins Harmersbachtal umzuziehen. Dies aber wäre wohl das Ende der Fahrten im Achertal.

Die älteste Museumsbahn Deutschlands auf Normalspur dampft seit 1968 von Achern nach Ottenhöfen und zurück. Seit dieser Zeit werden gemeinsam mit der Südwestdeutschen Verkehrs Aktiengesellschaft SWEG die Sonderfahrten angeboten, die nicht nur bei Eisenbahnfreunden in Nah und Fern Resonanz finden, sondern auch zahlreiche Touristen in die Region locken. Die im Jahr 1900 erbaute Lok 28 gehört der SWEG, die badische Lok 20 aus dem Jahre 1928 ist Eigentum des Vereins. Einer der sieben Wagen ist seit dem Zeitpunkt der Eröffnung der Achertalbahn im Jahre 1898 in Betrieb.

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Sämtliche Wartungsarbeiten und Instandhaltungsmaßnahmen an Loks, Wagen und allem anderen Zubehör werden von den Mitgliedern des Vereins alleine geschultert. Der Verein selbst hat 40 passive und zehn aktive Mitglieder, wovon lediglich sechs Personen für Wartungs- und Werkstattarbeiten zuständig sind. Die Zahlen sprechen für sich, wenn das Interesse der einheimischen Bevölkerung an ihrem touristischen Zugpferd betrachtet wird. Das gesamte Achertal ist nur noch mit einem aktiven Mitglied aus Oberachern und zwei passiven Mitgliedern aus Ottenhöfen vertreten, die übrigen Aktiven kommen aus der gesamten Ortenau, aus benachbarten Landkreises und aus dem Elsass.

Marco Graf aus Oberachern, der gerade den Dampflokführerschein absolviert, berichtet, dass es schon vorgekommen ist, dass das Bähnle in Achern nicht habe pünktlich starten können, weil zu wenig Personal zum Kartenverkauf anwesend war. Händeringend werden Leute gesucht, die sich einbringen möchten. Die anwesenden Mitglieder erzählen, wie faszinierend für sie der Umgang mit dieser alten, dampfbetriebenen Technik ist. Doch nicht nur Leute mit handwerklichem Geschick sind willkommen, ohne Bewirtung und Kartenverkauf kann keine historische Sonderfahrt starten.

Mit das größte Problem für den Verein sind aber die räumlichen Gegebenheiten. Die Personenwagen sind ungeschützt der Witterung ausgesetzt. Die am Bahnhof in Ottenhöfen zur Verfügung stehenden Hallen- und Gleiskapazitäten sind jetzt schon kaum ausreichend. Sollte bei der Ausschreibung des Personennahverkehrs 2013 die SWEG mehr Zuschläge erhalten, wird von dieser in Ottenhöfen auch mehr Hallenkapazität benötigt, mit entsprechenden Konsequenzen für den Verein. Nach dem Ernst der Lage befragt, meint Vorsitzender Bernd Roschach: "Es ist nicht fünf vor zwölf, es ist zwölf."

Weitere Infos unter www.achertaeler-eisenbahnverein.de

Autor: vpi