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13. Oktober 2017

Freilandhähnchen von der Wiese

LAND UND LEUTE: Landwirtin Anne Körkel aus Bodersweier bekam eine bedeutende Auszeichnung.

  1. Als Agrarunternehmerin vor großem Publikum in Berlin ausgezeichnet: Nicole Körkel aus dem Kehler Ortsteil Bodersweier Foto: Philipp Ledényi

ORTENAU (BZ). Anne Körkel, Landwirtin aus Kehl-Bodersweier, hat eine hohe Auszeichnung erhalten. Beim Ceres-Award 2017, dem bedeutendsten Wettbewerb für Landwirte im deutschen Sprachraum, wurde sie Siegerin in der Kategorie "Unternehmerin". Der Preis wurde der 32-Jährigen am Mittwochabend bei der Galaveranstaltung "Nacht der Landwirtschaft" in Berlin übergeben.

Eine Idee, ein Hektar und 500 Hähnchen: In einem mobilen Strohstall mit Auslauf hält Landwirtin und Agraringenieurin Anne Körkel im Hanauerland Freilandhähnchen auf einer Streuobstwiese. 60 bis 70 Tage wachsen die Hähnchen dort heran, bevor sie im nur 15 Kilometer entfernten Lohnschlachtbetrieb geschlachtet werden. Gefüttert werden ihre sogenannten "Ha(h)nauer" ausschließlich mit hochwertigem, selbstgemischtem, gentechnikfreiem Futter, wobei 80 Prozent der Rohstoffe vom Kirschhof, dem landwirtschaftlichen Betrieb der Schwiegereltern, stammen. Der Rest wird im umliegenden Landhandel mit Herkunftsnachweis zugekauft. "Die Gewinnerin hat mit ihrer Idee eigenverantwortlich eine regionale Marke geschaffen und nutzt Social-Media-Kanäle, um ihren Kunden punktgenau das zu liefern, wonach sie suchen. Sie setzt auf persönlichen Kontakt, um ihre Produktion zu erklären. Gewissenhafte, betriebswirtschaftliche Dokumentationen unterstreichen den Erfolg", urteilte die Fachjury über die Siegerin. Innerhalb von nur zwei Jahren habe sich die zweifache Mutter laut Pressemitteilung ein regionales Geschäftsfeld aufgebaut, in dem Tierhaltung, Verarbeitung und Vermarktung, auch per Internet, in einer Hand liegen.

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Dabei verzichtet Anne Körkel bewusst auf ein Etikett ("Label") und auf staatliche Förderungen. Sie will beweisen, dass ihr Betrieb auch so rentabel sein kann. Mit der Idee treffe Anne Körkel offenbar den Nerv der Verbraucher. Die seien von der Qualität der "Ha(h)nauer" überzeugt und deshalb gerne bereit, einen höheren Preis zu zahlen. Kindergärten und Schulklassen sind zudem regelmäßig zu Gast auf dem Kirschhof: Der Stall ist immer zugänglich. Mit ihrem Modell möchte sie auch andere dazu motivieren, quer zu denken und Ideen, seien sie noch so "ver"-rückt, umzusetzen. Sie sei "eine Landwirtin aus Überzeugung, die mit viel Wissen und transparenter Produktion Landwirtschaft und Verbraucher näher zusammenbringt", bringt es Ursula Schlaghecken, Jurorin und Fachredakteurin von "Agrarheute", auf den Punkt.

Gekürt wurde Anne Körkel bei der Galaveranstaltung "Nacht der Landwirtschaft" am Mittwoch in Berlin. Die Preisverleihung ist ein Branchentreff ersten Rangs, zu der die Veranstalter mehr als 350 Gäste begrüßten. Neben Bauernpräsident Joachim Rukwied und führenden Vertretern aus Handel und Industrie gab sich auch Bundesminister Christian Schmidt die Ehre.

Landwirtschaft sei vor allem eines: harte Arbeit, doch ebenso auch ein "schöner Beruf", bei dem Selbstständigkeit, Familienfreundlichkeit sowie Verantwortung für Natur und Tiere zusammenkämen: Damit traf Schmidt den Nerv der Gäste. Der Ceres-Award wurde 2014 erstmals verliehen und von Branchenvertretern als "höchste landwirtschaftliche Auszeichnung" eingestuft. Zahlreiche Fachorganisationen und Unternehmen unterstützen den vom Fachblatt "Agrarheute" initiierten Preis. Der Wettbewerb wird in mehreren Kategorien ausgelobt, welche die gesamte Vielfalt der Landwirtschaft widerspiegeln: von "Ackerbauer" über "Junglandwirt" und "Energielandwirt" bis "Biolandwirt". Alle weiteren Preisträger stammen nicht aus der Region. Namenspatin für den Ceres-Award ist Ceres, die römische Göttin des Ackerbaus, der Fruchtbarkeit, des Wachsens und Gedeihens.

Weitere Infos unter http://www.ceresaward.de und http://www.annes-hahnauer.de sowie der eigenen Facebookseite

Autor: bz