Früherer "Pirat" jetzt grüner Kandidat in Kehl

tor

Von tor

Di, 21. April 2015

Ortenaukreis

Die Grünen haben ihren Landtagskandidaten nominiert / Knapper Wahlausgang / Manuela Bijanfar unterliegt knapp.

ORTENAU (tor). Die Ortenauer Grünen im Wahlkreis Kehl haben ihren Landtagskandidaten bestimmt. Der 25-jährige Norbert Hense, Sprecher der Grünen Jugend Ortenau, wird bei der Landtagswahl 2016 für die Partei ins Rennen gehen. Die unterlegene Oberkircher Stadträtin Manuela Bijanfar stellte sich bei der Wahlveranstaltung am vergangenen Freitag als Ersatzkandidatin zur Verfügung.

Mit zehn Stimmen haben die anwesenden Mitglieder der Ortsverbände Kehl-Hanauerland und Nördliche Ortenau Norbert Hense als Kandidaten für die Landtagswahl 2016 gewählt, die Glasmalermeisterin Manuela Bijanfar bekam acht. Bis zur letzten Kommunalwahl gehörte sie noch der Fraktion der Freien Wähler an. Damit setzte sich der erst seit einem Jahr bei den Grünen aktive Nachwuchspolitiker gegen die 52-Jährige durch.

Der Kehler Norbert Hense studiert in Freiburg Politik und Geschichte und war von 2009 bis 2014 in der Piratenpartei aktiv, zuletzt als stellvertretender Landesvorsitzender. Für die Piraten war er bereits mehrfach bei Bundes- und Landtagswahlen angetreten. Noch bis ins Frühjahr 2014 hinein war er einer von vier Bundessprechern der Jungen Piraten, der Jugendorganisation der Partei. "Ich bin kein unbeschriebenes Blatt", sagte er selbstbewusst, obwohl ihn bei der Wahlversammlung am vergangenen Freitag einige Mitglieder zunächst "zwar überzeugend, aber noch zu jung" für die Aufgabe eines Landtagskandidaten hielten.

"Es gibt halt keine jungen Leute, die schon 20 Jahre Berufserfahrung mitbringen", konterte Hense. "Wenn man sich für die Menschen und ihre Themen interessiert, kann man mit 25 auch Ältere im Wahlkampf überzeugen." Aber er kritisierte in seiner Vorstellungsrede auch, dass viele Parteien keine Politik für junge Leute machen. Deshalb würde er zum Beispiel ein Semesterticket innerhalb der TGO oder, nach dem Vorbild anderer Länder, freies WLAN in Regionalzügen befürworten. Das Bildungszeitgesetz ist für Hense ebenfalls wichtig, dadurch erhoffe er sich eine Stärkung des Ehrenamtes. "Aber warum gilt es eigentlich nicht für Azubis?", fragte er in die Runde. Weitere Themen, für die der frisch nominierte Landtagskandidat einstehen möchte, sind die Unterstützung des Nationalparks, Barrierefreiheit in Bus und Bahnen sowie Mobilität allgemein, zum Beispiel in Form von neuen Car-Sharing-Konzepten. Familie ist für den 25-Jährigen "mehr als Vater, Mutter, Kind, sondern was man draus macht", aber er gab zu, dass dieser Bereich noch nicht zu seinem Steckenpferd gehört. Jetzt will er erst mal den Wahlkreis kennenlernen, vor allem mit Hilfe der "Kommunalos", die am dichtesten an den Menschen dran seien. "Kehl ist viel grüner als es scheint", ist Hense überzeugt.

Familienpolitik ist dagegen ein Schwerpunkt von Ersatzkandidatin Manuela Bijanfar. Die Oberkircher Stadträtin und dortige Fraktionsvorsitzende der Grünen ist Gründungsmitglied des Ortsverbandes Oberkirch-Renchtal und setzt als alleinerziehende Mutter einer Tochter auf "gelebte Toleranz", einen erweiterten Familienbegriff, aber auch darauf, Kunst und Kultur entsprechend zu fördern.

Grünen-Kreisvorstand Alfred Baum wies darauf hin, mit realistischen Vorstellungen in einen Wahlkampf zu gehen: "Wir müssen uns auf die Themen konzentrieren, die funktionieren, und nicht nur herumstänkern. Es wird ein schwieriges Unterfangen, noch einmal zweitstärkste Fraktion zu werden."