Großes Beulenzählen bei den Versicherern

Laura Büchele

Von Laura Büchele

Mo, 12. September 2011

Ortenaukreis

Nach den beiden Hagelunwettern vom 24. und 26. August in der mittleren Ortenau haben die Versicherungsgesellschaften alle Hände voll zu tun.

OFFENBURG. "Autos, Rasenmäher oder Motorräder. Bei unseren Sammelaktionen haben wir schon die verschiedensten Fahrzeuge mit Hagelschäden begutachtet", erzählt Robert Brugger, Stellvertretender Leiter Schadenaußendienst eines großen Versicherers. Die Hagel-Unwetter der vergangenen zwei Wochen haben in der Ortenau tausende Autos beschädigt. Um den Betroffenen schnellstmöglich zu helfen, hat das Unternehmen jetzt einen Teil des Offenburger Messegeländes zu einer Gutachter-Werkstatt umfunktioniert.

Nach und nach fahren nasse Autos in das Sammelzentrum, die erst einmal trocken gerieben werden müssen. "Diese Halle ist notwendig, da das Wetter im Moment zu wechselhaft ist. Hier haben wir das richtige Licht und es ist trocken", so Brugger. Bis zu acht Sachverständige aus dem Gebiet zwischen Stuttgart, Karlsruhe und Freiburg sind täglich mit etwa 100 Fahrzeugen beschäftigt. Dabei dauert ein Gutachten im Schnitt 30 Minuten.

"Wir haben mit unseren Kunden Termine vereinbart. So gibt es keine Wartezeiten", erklärt Brugger. "Nach einer halben Stunde hat der Fahrzeughalter sein Gutachten in der Hand und kann in die Werkstatt seines Vertrauens." Der bisher höchste Hagelschaden belief sich auf rund 6000 Euro. Die Höhe des Schadens hängt aber vor allem vom Automodell ab. "Ein großes Auto bietet natürlich mehr Platz für Schäden als ein Kleinwagen", erklärt Brugger und fügt hinzu, dass sich die Mehrheit aber in einem Rahmen zwischen 1500 und 3500 Euro bewege.

In den vergangenen Tagen meldeten mehr als 1000 Betroffene aus dem Raum Offenburg/Ortenau Hagelschäden an ihren Autos bei den Agenturen der Versicherung. Kommende Woche wird das Begutachtungszentrum nach Bühl verlegt. "In der Region Bühl/Baden-Baden haben wir auch nochmal etwa 800 gemeldete Fahrzeuge zum Begutachten", so Brugger.

Gerd Schemel aus Hornberg muss sein Auto dieses Jahr schon zum zweiten Mal zur Inspektion geben. "Mein Peugeot hatte schon Anfang Juli einen Hagelschaden. Jetzt kam der Zweite gerade hinterher." Mithilfe eines Hagelsegels zählt nun Sachverständiger Peter Bechtel aus Triberg die Dellen. "Seit dem letzten Mal sind nochmal einige dazu gekommen. Der Schaden hat sich um 800 Euro erhöht."

Sind zu viele Dellen im Blech, werden Teile auch erneuert

Auch Walter Braun aus Oberkirch-Hesselbach hatte mit den Hagelbrocken zu kämpfen. "Ich sah, dass was vom Himmel kommt und habe mein Auto noch mit Tüchern abgedeckt. Aber das hat leider nicht viel geholfen." Christian Breitling, Sachverständiger aus Stuttgart, stellt ein Gutachten mit einem Schadensbetrag von über 2200 Euro aus. "Wir wählen die Reparaturmethode nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten", erklärt Breitling. "Die erste Wahl ist immer "Drücken" und "Ziehen/Kleben". Das ist die sanfte Instandhaltung, die lackierfrei auskommt." Sind jedoch zu viele Dellen im Blech, werden bestimmte Teile auch erneuert.

"Lauter Beulen am Auto. Das kann ich nicht ertragen. Die müssen so schnell wie möglich weg", hört man eine Frau bei einem weiteren Sachverständigen sagen. Breitling kennt solche Aussagen und erklärt: "Es gibt zwei Typen von Menschen. Die einen lassen die Dellen sofort reparieren und die Anderen nehmen lieber das Geld und fahren damit in Urlaub." Für Walter Braun ist die Angelegenheit klar: "Ich lasse das reparieren."

Andere Versicherungen sind derzeit noch beim Erfassen der Hagelschäden. Auch andere Versicherungskonzerne planen Aktionen für die massenhafte Begutachtung. Sie erfolgt dann je nach Aufkommen bei den Sachverständigenorganisationen, in den eigenen Hallen oder in angemieteten Großraumhallen.