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20. Oktober 2010

Grüne Logistik ist mehr als ökologischer Ablasshandel

Kunden, die den Aufpreis für umweltschonende Transportweise bezahlen, und Anbieter sind noch rar in der Ortenau.

  1. Gerd Wildt (links) Gerold Weber (rechts) Foto: mga

ACHERN/ETTENHEIM. Ökologische Transporte auf der Straße, geht das? Die Deutsche Post und DHL sagen ja. Mit "Go Green" versprechen sie, Briefe und Pakete klimafreundlich zu versenden, indem sie Klimaschutzprojekte unterstützen. Etwas Ähnliches gibt es jetzt auch im Kleinen. Kürzlich bekam die Gerold Weber Solartechnik Achern einen Pufferspeicher und Solarmodule aus der Schweiz geliefert und glich erstmals die dabei entstandenen klimaschädlichen Gase mit dem Erwerb eines Klimazertifikats aus.

300 Kilometer Transportstrecke bedeuten etwa sechs Euro, die an ein vom WWF empfohlenes Klimaschutzprojekt gehen. "Das ist ein Schritt mehr auf dem Weg zur Nachhaltigkeit", ist Gerold Weber überzeugt. Sein Betrieb sei darauf ausgerichtet, die Umwelt zu schonen. Deshalb sei er auf das Angebot der Ettenheimer Spedition Wildt eingegangen.

"Das ist der erste Kunde, der mitmacht", erklärt Gerd Wildt, Prokurist der mittelständischen Spedition. Sein Transportunternehmen setzt auf CO 2-Verringerung und jetzt auch auf die Kompensation. Eine vom TÜV Süd zertifizierte Software versetzt es in die Lage, für jeden konkreten Transport die genauen Emissionen zu ermitteln und sie auf Wunsch des Kunden auszugleichen.

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Gerd Wildt fühlt sich auf dem Gebiet wie ein Pionier. Die Reaktionen der Speditionskunden reichten von Euphorie bis zum Desinteresse, berichtet er. "Das Thema ist eben erklärungsbedürftig. Finanziell bringt es uns nichts, weil die Mehrkosten für die Kompensation 1:1 an Klimaschutzprojekte weitergegeben werden. Unser Nutzen besteht darin, unseren Kunden einen Mehrwert anbieten zu können, der momentan in dieser Form noch einmalig ist." Das scheint gelungen. "Wildt ist ein Vorreiter und schon ein Stück weiter als andere", meint auch Stephan Ruppert, Produktmanager für die Routensoftware Map & Guide bei der Firma PTV in Karlsruhe, die die Grundlage für die Berechnung der Emissionen bildet. Das Programm sei bei bis zu 5000 Unternehmen im Einsatz, doch die meisten berechnen die Emissionen nur und liefern dem Kunden die Zahlen mit. Bei großen Ausschreibungen sei inzwischen meistens gefordert, eine Ökobilanz zu erstellen. Von einem echten "grünen Transport" könne man aber erst sprechen, wenn die Bewusstseinsänderung im ganzen Unternehmen stattgefunden habe.

"Die Branche will Nachhaltigkeit erreichen und das wird vorangetrieben werden", glaubt Gerd Wildt. Deshalb seien die Fahrer seiner Spedition auf spritsparende Fahrweise getrimmt. Seine Flotte werde permanent auf abgasoptimierte Motoren umgestellt und sei teilweise schon besser als die Euro-5-Norm.

"Die Kunden, die bereit sind, höhere Preise zu bezahlen, sind rar"

So weit kann auch Werner Bürk von der Acherner Spedition Bürk mitgehen. "Die Einhaltung der Euro-5, das ist unser Beitrag", sagt er. Andere Möglichkeiten, "grüne Logistik" anzubieten, sehe er nicht. Die Wirtschaftlichkeit sei der Hauptgrund für Transportunternehmen, umweltfreundlicher zu fahren, glaubt auch Achim Benz, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Spedition Decker. Denn je älter der Motor, desto höher liege die Maut. Bei Decker nehme man wegen einer Reihe von Spritsparmaßnahmen das Wort "grüne Logistik" nicht in den Mund. "Das wäre Schaumschlägerei", so Spezialist für Marketing und Vertrieb. Der Vorstoß von Wildt nötigt ihm einen gewissen Respekt ab. An den Erfolg des Modells glaubt er aber nicht wirklich: "Ich kenne keinen Kunden, der bereit wäre, freiwillig mehr zu bezahlen."

Das sieht man auch beim Bundesverband des Verkehrsgewerbes noch so. "Die Kunden, die bereit sind, höhere Preise zu bezahlen, sind rar", weiß Adolf Zobel, stellvertretender Hauptgeschäftsführer. Die Emissionen über Klimazertifikate auszugleichen, sei ein tolles Modell, das aber nur gemeinsam mit dem Kunden umsetzbar werde.

GRÜNE LOGISTIK

Grüne Logistik meint den ökologisch nachhaltigen Transport von Gütern. Dazu gehören neben der Reduzierung von klimaschädlichen Abgasen durch eine spritsparende Fahrweise mit modernsten Motoren auch die Einsparung von Wasser und Strom. Leerfahrten zu vermeiden und eine optimale Routenplanung helfen nicht nur den Transportunternehmen in punkto Wirtschaftlichkeit, sondern auch der Umwelt. Den unvermeidlichen Teil der CO2-Emis-

sionen am Ende auch auszugleichen, wird bei großen Konzernen bereits pauschal über Ökobilanzen praktiziert. Möglichkeiten des Ausgleichs bestehen auch für Privatpersonen, die zum Beispiel eine Flugreise kompensieren wollen. Dabei wird berechnet, wie viel es kostet, die verursachte Menge CO2 in einem Klimaschutzprojekt einzusparen.

Mehr Infos im Internet unter: http://www.verbraucherfuersklima.de
 

Autor: mga

Autor: Michaela Gabriel