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29. September 2011
Immer mehr Demenzkranke
Im Ortenaukreis gibt es 6100 an Demenz erkrankte Menschen / Fachkräftemangel unübersehbar.
ORTENAU. Im Ortenaukreis leben derzeit rund 6100 an Demenz erkrankte Menschen, Tendenz steigend. Diese Zahlen nannte jetzt Mirjam Schwab, Sozialplanerin beim Ortenaukreis, dem Sozialausschuss des Kreistags. Die meisten Demenzpatienten werden von Familienangehörigen betreut, die anderen sind in Pflegeeinrichtungen untergebracht. Was allmählich Sorgen bereitet: Bei den Fachkräften sei ein "beginnender Mangel" unübersehbar.
Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung veröffentlichte im März den aktuellen "Demenz-Report". Darin wird für Deutschland auf Landkreisebene die Anzahl der an Demenz erkrankten Personen dargestellt und eine Prognose fürs Jahr 2025 gewagt. Vor diesem Hintergrund forderte die Fraktion der Grünen im Kreistag die Kreisverwaltung auf, die aktuelle und künftige Versorgung demenzkranker Menschen sowie pflegebedürftiger Personen im Ortenaukreis darzustellen. Diese Zahlen nennt nun das von der Kreis-Sozialplanerin Mirjam Schwab erstellte Papier.Das Berlin-Institut bezieht sich auf das Jahr 2008. Damals errechnete es für den Ortenaukreis pro 100 000 Einwohner genau 1462 an Demenz erkrankte Frauen und Männer. Auf die Gesamtbevölkerung des Ortenaukreises – rund 417 000 Personen – bezogen, sind das 6105 Menschen, die an Demenz leiden, dieser fortschreitend-chronischen Erkrankung des Gehirns, die sich zunächst in Gedächtnisschwund, dann in psycho-sozialen Störungen äußert und bald eine dauernde Pflege erforderlich macht.
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Laut Mirjam Schwab habe auch das Statistische Landesamt Baden-Württemberg in Sachen Demenz Erhebungen gemacht: Die Landesbehörde geht davon aus, dass 6,8 Prozent der über 65-Jährigen an Demenz erkrankt sind, im Ortenaukreis wären dies dann, ebenfalls auf 2008 bezogen, 5508 Menschen. "Da manche Personen bereits vor dem 65. Lebensjahr an Demenz erkranken", so Mirjam Schwab, "ist die Zahl des Berlin-Instituts realistischer, so dass man von rund 6100 an Demenz erkrankten Personen im Ortenaukreis ausgehen kann." Die Zahl werde sich in den kommenden Jahren deutlich erhöhen: "Das Berlin-Institut prognostiziert fürs Jahr 2025 im Ortenaukreis hochgerechnet 8847 Demenzkranke."
Überhaupt wagt das Statistische Landesamt noch eine Zahl mit einer ganz anderen Dimension: Es hat die Anzahl der pflegebedürftigen Personen ab Pflegestufe 1 vorausberechnet und kommt zu dem Ergebnis, dass im Jahr 2020 im Ortenaukreis 12 780 eingestufte pflegebedürftige Personen leben werden. Da die Einstufung zum Erhalt von Leistungen der Pflegeversicherung vor allem bei körperlichen Einschränkungen erfolgt, bedeute dies laut Mirjam Schwab, "dass Personen mit Demenz häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium der Demenz in die Leistungsstufen der Pflegeversicherung einbezogen werden." Deshalb müsse man zu den 12 780 Pflegebedürftigen eine "gewisse" Zahl Demenzkranker hinzuzählen, die noch in keine Pflegestufe aufgenommen sind. Die genaue Zahl aber sei unbekannt, die Dokumentation der an Demenz erkrankten Personen erfolge über die Kranken- und Pflegekassen.
Zuletzt waren im Ortenaukreis 3555 Pflegebedürftige stationär untergebracht, 2455 Pflegebedürftige wurden zu Hause mit Hilfe ambulanter Dienste versorgt, und 4577 Pflegebedürftige wurden nur von Angehörigen, Nachbarn oder Freunden gepflegt. Aufgrund dieser Tatsache – starke Betreuung zu Hause – gebe es im Ortenaukreis einen "leichten Überschuss an stationären Pflegeplätzen".
Was eher bedenklich sei: dass die Pflege durch Familienangehörige aufgrund demografischer und sozialler Entwicklung abnehme und in der Pflege allmählich nicht mehr genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen.
Autor: Hubert Röderer
