Immer weniger Tageseltern

Christine Storck

Von Christine Storck

Do, 13. September 2018

Offenburg

Die Kreisverwaltung will den Job mit Zuschüssen zur Sozialversicherung attraktiver machen.

OFFENBURG. Im Kreis gibt es immer weniger Tageseltern. Zwischen 2011 und 2015 waren es noch stabile 260 bis 270. Im Jahr 2016 ging die Zahl auf 240, 2017 sogar auf 226 zurück. Neue Tageseltern zu gewinnen sei schwierig. Gründe dafür seien die frühere Rückkehr von Frauen nach der Elternzeit in den Beruf, die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch den Rechtsanspruch auf Kleinkinderbetreuung sowie die geringe Arbeitslosigkeit in der Region. Deshalb will der Kreis seine Unterstützung ausweiten.

Wer Tagesmutter oder Tagesvater werden möchte, muss zudem einen Kurs mit 160 Unterrichtseinheiten nachweisen. Die Landesregierung will die Stundenzahl offenbar auf 240 bis 300 anheben. Das erhöhe zwar die Qualität, könne sich aber die Gewinnung neuer Tagespflegepersonen auswirken. Die 226 Aktiven im Kreis betreuten 2017 insgesamt 767 Kinder, im Schnitt kümmert sich jede Einzelne um 3,39 Kinder. 2,2 Prozent aller betreuten Kinder unter drei Jahren sind in ihrer Obhut. Der Rückgang sei aber kein Ortenau-Problem, sondern betreffe ganz Baden-Württemberg. Vermutlich werde sich die Tendenz in Zukunft verschärfen, da ein großer Teil der Tageseltern – nämlich 46 Prozent – älter als 50 Jahre ist.

Um das Angebot im Kreis zu halten und möglichst noch auszubauen, will der Landkreis Tageseltern künftig die Hälfte ihrer Aufwendungen für die Kranken- und Pflegeversicherung erstatten. Und das unabhängig davon, ob die betreuten Kinder öffentlich gefördert werden. Außerdem soll es möglich werden, bis zu fünf Kinder unter drei Jahren gleichzeitig zu betreuen. Beidem stimmte zuletzt der Jugendhilfeausschuss des Kreises zwar einstimmig zu, äußerte jedoch Kritik am ausgeweiteten Betreuungsschlüssel, der sich auf ein Urteil des Freiburger Verwaltungsgerichts begründet. "Ich habe zwei gehabt und fand das schon stressig", sagte Renate Kohlund (Die Grünen). "Wir sind an das Gesetz gebunden", entgegnete Landrat Frank Scherer, aber natürlich werde der Einzelfall betrachtet. Es sei ja kein Neuland, anderswo funktioniere das auch, unterstrich Christoph Lipps (CDU).

Bedenklich fand auch Florence Wetzel (Ortenauer Liste) die Ausweitung auf fünf Kinder unter drei Jahren. Es sei wichtig, die Tagespflege zu unterstützen, meinte sie. Dennoch müsse das Signal an die Kommunen gehen, die Kinderbetreuung auszubauen. Nachzudenken sei zum Beispiel über Angebote für Kinder ab sechs Monaten und die Erweiterung von Öffnungszeiten. Wetzel regte weiter an, die beruflichen Perspektiven von Tageseltern durch eine begleitende Ausbildung zur Erzieherin zu verbessern.

"Wir sind bei der Erstattung der Kosten für die Sozialversicherungen und die Unfallversicherung schon jetzt großzügiger als andere Landkreise", betonte Sozialdezernent Georg Benz. Sobald die kommunalen Landesverbände sich mit dem Landesverband Kindertagespflege über eine Erhöhung der laufenden Geldleistungen geeinigt haben, was voraussichtlich im Herbst sein wird, und es aktuelle Empfehlungen dazu gibt, soll der Jugendhilfeausschuss einen Vorschlag zur Anpassung erhalten.