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21. Januar 2012

In Alaska ist er längst ein Volksheld

Ein Leben in der Wildnis / Sepple Herrmann ist nach vielen Jahren mal wieder in seiner Heimat / Vortrag am Dienstag in Elzach.

  1. Minus 40 Grad sind in Alaska keine Seltenheit. Foto: privat

  2. So begann vor 30 Jahren alles: Sepp Herrmann als Tramper auf dem Dalton Highway in Alaska. Das weite, kalte Land im Norden ließ ihn nicht mehr los. Foto: Privat

  3. Sepp Herrmann, gebürtiger Unterharmersbacher, lebt seit 30 Jahren als Trapper in Alaska und ist dort ein Volksheld. Foto: privat

  4. Sommer 2011: Sepp Herrmann auf der Jagd Foto: Privat

UNTERHARMERSBACH/ELZACH. Er ist nach neun Jahren erstmals wieder zuhause im Schwarzwald: Sepp Herrmann, der legendäre Trapper und Volksheld aus Unterharmersbach, der seit 30 Jahren in der Wildnis von Alaska lebt. Jetzt kommt er am nächsten Dienstag,24. Januar, nach Elzach. Um 20 Uhr (Einlass 19.30 Uhr) lädt er ins Haus des Gastes zu seinem neuen Diavortrag über sein Abenteuerleben in Alaska und den Kampf mit der Wildnis ein.

Im November 2011 war Sepp Hermann zum 90.Geburtstag seiner Mutter heim nach Unterharmersbach gekommen – mit sensationellen Bildern über Alaska im Gepäck. In den letzten Wochen hat er nun einen Vortrag über sein Leben in Alaska mit komplett neuen Bildern zusammengestellt, die bisher noch niemand gesehen hat. Dieses Mal wird Sepp Herrmann sein einsames Leben in der Wildnis, seinen täglichen Kampf mit den Gewalten der Natur, aber auch die in weiten Teilen noch unberührte Schönheit Alaskas in beeindruckenden, einmaligen Bildern zeigen und schildern. Überall in der Ortenau, wo er seinen Vortrag bisher gehalten hat, in Haslach, Oberwolfach, Ödsbach, Oberharmersbach, Berghaupten und Offenburg waren die Hallen und Säle überfüllt. Viele mussten umkehren, weil sie keinen Platz mehr bekamen.

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Er ist wieder hier: Sepp "Sepple" Herrmann, legendärer Trapper und Volksheld in Alaska und in der Bunte als "Robinson modern" in einem Zug mit Arved Fuchs und Reinhold Messner genannt. Seit 30 Jahren lebt der Metzgerssohn aus Unternarmersbach nun in der Wildnis von Alaska als Jäger und Sammler. Als Schlittenhundeführer (Musher) hat der Kinzigtäler in Alaska längst einen legendären Ruf.

In seinem Vortrag erzählt er aus seinem abenteuerlichen Leben. In den letzten Wochen hatte er in seinem Buch über sein Leben in der Wildnis gearbeitet, das demnächst erscheinen soll. Außerdem hat er mit ganz neuen Fotos einen Dia-Vortrag "Mein Leben jetzt als Jäger und Sammler" zusammengestellt.

Doch jetzt hat er erstmals wieder zu Hause Weihnachten gefeiert. 2010 hatte er wie all die Jahre zuvor den Heiligen Abend und Weihnachten mutterseelenallein mit seinen Schlittenhunden Sander, Raschda und Arwin in seiner Hütte in den Brooke Ranges, der nördlichsten Gebirgskette der Welt, verbracht. Hier, 120 Kilometer vom nächsten Dorf entfernt, verbringt er üblicherweise die Zeit zwischen November und Mai mit Jagen und Fallenstellen.

Bei Minus 40 Grad einen Zeh verloren

Am Vormittag von Heiligabend hatte er damals Brot und Schneckennudeln gebacken. Abends bereitete er sich ein Karibu-Steak mit Heidelbeeren zu. Und für seine Schlittenhunde gab es einen feinen Rentierknochen. Danach hörte er den Alaska-Rundfunksender Kjnpna, die einzige Verbindung für rund sechs Monate zur Außenwelt. Und groß war seine Freude, als ihm sein Sohn Atigun über den Sender frohe Weihnachten wünschte.

Bereits vor 30 Jahren entdeckte Sepp Herrmann, gebürtiger Metzgersohn und gelernter Industriemechaniker, vom Fernweh getrieben, "sein" Tal in den Brooke Ranges. Er baute sich eine Blockhütte und verdiente sich seinen Lebensunterhalt mit der Jagd, mit Fallenstellen, dem Herstellen und Nähen von Pelzen sowie mit Beerensammeln. Auf dem Markt in der Stadt Fairbanks verkaufte er im vergangenen Jahr 1200 Pfund Heidelbeeren. Berühmt wurde er in Alaska, als er sich mit der Axt fast den großen Zeh abschlug und ihn selbst mit Faden und Nadel zusammennähte.

Auch eine andere Geschichte machte Schlagzeilen: Als er bei Temperaturen von minus 40 Grad Celsius sich einen Zeh erfror. Daraus entwickelte sich nach Monaten eine lebensbedrohliche Infektion: Wundbrand. Als er erstmals nach drei Monaten ein Flugzeug hörte, legte er sich mit ausgebreiteten Armen vor der Hütte in den Schnee. Das war das Signal, dass er dringend medizinische Hilfe brauche. Er hatte Glück: Der Buschpilot entdeckte ihn, landete und brachte ihn ins Krankenhaus. Ganz Alaska nahm damals Anteil am Schicksal des mutigen Trappers aus Deutschland.

Seit Sepp Herrmann in Alaska wohnt, hat er Schlittenhunde. Inzwischen zählt er zu den erfahrensten "Mushern" in Alaska, sein Ruf ist legendär. Bereits 1991 nahm er am längsten Hundeschlittenrennen teil, dem Iditarod. Dann galt seine Arbeit der Teilnahme am Yukon Quest, dem härtesten Rennen der Welt über 1600 Kilometer durch unbezähmbare Wildnis. Mit seinem Hundeteam aus eigener Zucht rechnete er sich gute Chancen auf einen der ersten zehn Plätze aus. Doch dann, beim Training, attackierte ihn ein alter ausgehungerter Grizzly-Bär. Sepp Herrmann stellte sich unbewaffnet dem Bär, um seine Hunde zu schützen, und das Riesentier griff ihn sofort an. Der Bär ließ erst von Sepp Herrmann ab, als ihn ein Hund von hinten in den Rücken biss. Diesen Moment nutzte Sepp Herrmann zur Flucht. Nur Zula, seine Lieblingshündin, blieb als einzige von neun Hunden schwerverletzt am Leben.

Eine Hilfewelle aus ganz Alaska, den USA und aus Deutschland half Sepp Herrmann in dieser schwierigen Zeit. Schlittenhundeführer Alaskas stellten ihm Hunde für den Yukon Quest zur Verfügung, die größte Rockgruppe Alaskas machte für ihn in Fairbanks ein Benefizkonzert und Freunde aus der Ortenau starteten eine Spendenaktion, um seine Teilnahme zu finanzieren. Beim Yukon Quest schaffte Sepp Herrmann – mit 15 Linzertorten seiner Mutter im Proviantgepäck – den vielumjubelten Platz 15. Und er erhielt beim Bankett aller Musher den Ehrenpreis der kanadischen Tierärzte-Vereinigung, weil sich keiner liebevoller um seine Hunde gekümmert hatte.

Damit er seinen Sohn Atigun, der bei der Mutter lebt, so oft wie möglich sehen kann, lebt er im Sommer bei Fairbanks, im Goldstreamvalley, 25 Hektar Land hat er erworben. Hier baut er fernab von Strom und Straße eine neue Hütte. Eigentlich wollte er hier mit seiner damaligen Lebensgefährtin Maria und seinem Sohn leben. Doch seine Partnerin konnte das Leben in der Wildnis nicht mehr ertragen, ein dramatisches Erlebnis hatte in ihr ein schlimmes Trauma hervorgerufen, unter dem sie heute noch leidet: Vor der Hütte in den Brooke Ranges war sie von einem Bär angefallen worden. Mit Warnschüssen in die Luft gelang es Sepp Herrmann, den Bär im letzten Moment zu vertreiben. Doch noch immer sieht man bei Maria die Bissspuren.

Weitere Vorträge von Sepp Herrmann in der Region finden am 1.März in Herbolzheim-Tuschfelden um 20 Uhr in der Bürgerhalle und am 2. März um 20 Uhr in der Steinhalle Emmendingen statt.

Autor: Hans-Peter Wagner