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13. Oktober 2017

"Landwirtschaft und Weinbau werden nicht einfacher"

JUNGE WEINSZENE IM ORTENAUKREIS (47): Der gelernte Winzermeister Andreas Laible ist häufig auch als Betriebshelfer tätig.

  1. Andreas Laible Foto: Röderer

ORTENAU/BREISGAU (hrö). Im Ortenaukreis stoßen zwei badische Weinbaugebiete aufeinander: vom Norden her die Ortenau, sie reicht von Baden-Baden bis Diersburg/Gengenbach; vom Süden her der Breisgau, er zieht sich von Oberschopfheim bis vor die Tore Freiburgs. Viele junge und nicht mehr ganz so junge Winzerinnen und Winzer haben zuletzt Verantwortung übernommen. Wir stellen sie vor. Heute: Andreas "Andy" Laible, Winzermeister und Betriebshelfer aus Durbach.

BZ: Haben Sie jemals im Handel eine Flasche Wein gekauft, die mehr als 15 Euro kostet – und war sie es wert?
Laible: Ja, habe ich. Es war ein Durbacher Rotwein vom Steinberg von der WG. Sie kostete 18 Euro – und sie war den Preis definitiv wert.

BZ: Und haben Sie jemals in einem Restaurant eine Flasche Wein bestellt, die mehr als 35 Euro kostet?
Laible: Ja, am ersten Hochzeitstag haben meine Frau und ich uns einen sehr guten Tropfen gegönnt.

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BZ: Mit welchen Weinen kann man sich als Winzer im Anbaugebiet Ortenau am besten profilieren – und warum?
Laible: Mit einem Clevner (Traminer). Die Rebsorte ist eine sehr seltene und aber auch sehr alte traditionelle Sorte, die nur in der zentralen Ortenau, in Durbach, Clevner genannt werden darf. Der Wein ist zum einen als Sommerwein wie in höherer Qualitätsstufe auch als Aperitif sowie als Digestif sehr zu empfehlen.

BZ: Welche Eigenschaften hat ein großer Wein?
Laible: Er ist länger haltbar. Man kann den Wein auch nach vier bis fünf Jahren noch trinken. Er hat eine ausgeprägte Fruchtnote. Er ist von der Qualitätsstufe ganz oben anzusiedeln. Ein großer Wein muss mindestens 15 Euro die Flasche kosten!

BZ: Ist die Ortenau ohne Steillagenweinbau denkbar?
Laible: Nein, die Ortenau lebt von der Steillage. Der Tourist kauft den Wein, genießt die Landschaft und bringt dem Fremdenverkehr Geld. Außerdem ist die Sonneneinstrahlung im Steilhang höher, das heißt, die Böden erwärmen sich schneller. Durch die Kaltluft, die am Abend die Hänge nach unten fließt, ist die Säureerhaltung in der Reife der Trauben besser gewährleistet. Das bringt säurereiche, schlanke und fruchtige Weine.

BZ: An welcher Stelle bundesweit steht qualitativ das Weinanbaugebiet Ortenau?
Laible: Ich würde sagen, durch die Dichte der vielen guten und hochprämierten Winzergenossenschaften und Weingüter steht die Ortenau sehr weit vorne in Deutschland, wenn nicht gar auf Platz 1 der Weinbereiche.

BZ: Wo in der Welt wird der beste Wein gemacht?
Laible: Den besten Wein gibt es nicht. Es gibt unterschiedliche Geschmäcker, was Wein angeht. Somit gibt es keine richtige Antwort auf die Frage.

BZ: Wie ist es zu erklären, dass die Februar-Weinmesse in Straßburg von 50 000 Menschen besucht wird, die Badische Weinmesse im Mai in Offenburg aber nur von 5000?
Laible: Schwere Frage. Ich denke, im Februar, ist generell schlechteres Wetter, und somit kommen mehr Leute zu einer Messe. In Straßburg können die Leute die Weine, die einem schmecken, auch gleich kaufen, was sicherlich ein Riesenvorteil ist. Zu guter Letzt sind die Franzosen bekanntlich Genießer. Dort steht der Wein in der Wertschätzung weiter oben, somit begeistern sich auch viel mehr Leute für Weine.

BZ: Macht es Sinn, sich beim Weinkauf an Gold- und Silbermedaillen des Badischen Weinbauverbandes zu orientieren?
Laible: Ja! Denn alle Weine werden blind verkostet und somit von sehr vielen Prüfern als gut oder schlecht empfunden. Wenn ein Wein eine Goldene Medaille bekommt, ist es auch sicherlich verdient und spiegelt den Qualitätsstand wider.

BZ: Wie kann man erreichen, dass in Deutschland mehr badischer Wein getrunken wird, als das bisher der Fall ist?
Laible: Wenn ich darauf eine Antwort wüsste, wäre ich beim Verband als Vermarktungschef angestellt.

BZ: Wie viele Hektar Rebfläche braucht ein Winzer unbedingt, um ein Weingut gründen zu können?
Laible: Es kommt immer darauf an, in welcher Preiskategorie man die Weine verkaufen will und auch kann. Mit einem Durchschnittserlös von zehn Euro die Flasche braucht man vielleicht vier bis fünf Hektar. Wenn man für drei bis fünf Euro die Flasche verkauft, zehn bis 15 Hektar.

BZ: Weinprinzessin und Dirndl: Ist diese Kombination wirklich noch zeitgemäß?
Laible: Das ist schon noch zeitgemäß. Der Brauch ist alt, und es ist doch nett, die Mädchen im Dirndl zu sehen. Zum anderen ziehen viele, die auf Bierfeste gehen, ja auch freiwillig ein Dirndl an. Und das kommt doch gut an – oder nicht?

BZ: Sie gewinnen im Lotto zwei Millionen Euro. In welches Wein-Projekt stecken Sie das Geld?
Laible: Nach den Spätfrösten im Frühjahr bin ich mir nicht sicher, ob ich das Geld in unseren Betrieb stecken oder ein Mehrfamilienhaus erstellen würde, um es zu vermieten. Das Geschäft mit der Landwirtschaft wird nicht einfacher, Wetterextreme nehmen zu, Pflanzenschutzmittel und Herbizide werden nicht mehr zugelassen. Als junger Kerl mit Familie muss man sich echt Gedanken machen, was noch realisierbar ist und was nicht.

Andreas Laible, 33, verheiratet, ein Kind.
Abitur, Winzermeister. Betriebshelfer beim Betriebshelferdienst Sankt Ullrich. Außerdem bewirtschaftet er mit den Eltern einen Vollerwerbsbetrieb in Durbach, mit Traubenablieferung an die örtliche WG. Größe des Betriebes: 4,7 Hektar Weinbau, drei Hektar Obstbau für Brennerei und 8,5 Hektar Wald.

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Autor: bz