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16. Februar 2017

Neue Großbaustelle auf der A 5 bis Dezember

Regierungspräsidium erneuert 4,4 Kilometer Fahrbahn zwischen Ausfahrt Lahr und Rasthof Mahlberg / Bund investiert rund 25 Millionen Euro.

  1. Erfahrungen vom A5-Ausbau nördlich von Offenburg sollen bei den Arbeiten weiter südlich einfließen. Foto: Seller

ORTENAU (BZ). Das Regierungspräsidium (RP) saniert auf der Autobahn A 5 ein 4,4 Kilometer langes Teilstück zwischen der Anschlussstelle Lahr und der Tank- und Rastanlage Mahlberg. Die Sanierung soll am kommenden Montag, 20. Februar, beginnen und dauert bis voraussichtlich Anfang Dezember 2017, heißt es in einer Pressemitteilung der Behörde. Staugefahr besteht insbesondere zwischen dem 6. und 8. März in Richtung Karlsruhe sowie zwischen dem 9. und 11. März in Richtung Basel, wenn die Baustelle eingerichtet wird.

Wieso muss überhaupt saniert werden?
Bereits 1997 ist laut RP die Fahrbahndecke in diesem Abschnitt saniert worden. Damals wurde die bestehende Betonfahrbahn mit einer 20 Zentimeter starken Asphaltkonstruktion überbaut. Diese Sanierung wurde als Provisorium der vorhandenen Fahrbahn angesehen, da mit einem sechsstreifigen Ausbau der Autobahn zu rechnen war. Nun sind mittlerweile 20 Jahre vergangen, der Verkehr und insbesondere der Lkw-Anteil haben in dieser Zeit in hohem Maße zugenommen. Im nun gültigen Bundesverkehrswegeplan ist der Autobahnabschnitt zwischen Offenburg und Riegel im sogenannten "Weiteren Bedarf mit Planungsrecht (WB*)" eingestuft. Dies bedeutet, dass das RP zwar den sechsstreifigen Ausbau planen darf, aber die Baumaßnahme erst ab dem Jahr 2030 realisieren kann. Um einen Sanierungsstau zu vermeiden, hat sich deshalb das RP dazu entschlossen, die nun 20 Jahre alte Fahrbahndecke abschnittsweise von Offenburg bis Riegel schon jetzt zu sanieren.

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Wird ein späterer sechsspuriger Ausbau berücksichtigt?
Ja, sagt RP-Sprecher Markus Adler: Damit die Gelder für die Fahrbahndeckensanierung sinnvoll eingesetzt werden können, wurden vom RP bereits grundlegende Entscheidung für den sechsstreifigen Ausbau getroffen: Insbesondere wird die Höhenlage der zu sanierenden Fahrbahn, die Mitteltrennung im Mittelstreifen mit einer Betongleitwand und auch der Vollausbaubereich auf den zukünftigen Querschnitt abgestimmt. Somit müssen beim späteren Ausbau jeweils nur noch die zusätzliche Standspur je Fahrtrichtung erweitert werden. Dies bedeutet einen deutlich schnelleren Baufortschritt und die Gelder der jetzigen Fahrbahnsanierung werden bereits in den späteren Ausbau investiert. Zwischen Autobahnkilometer 715 und 719,4 wird auf der West- und Ostfahrbahn (vier Fahrstreifen und zwei Standspuren) die Decke saniert. Parallel zu den Erneuerungsarbeiten erfolgt eine Verbreiterung von jetzigen 11,30 Meter auf zwölf Meter (Ostfahrbahn) bzw. 12,25 Meter (Westfahrbahn), die sich im Wesentlichen auf den Mittelstreifen erstreckt. Das ermöglicht künftig eine bessere und sichere Verkehrsführung während der einzelnen Bauphasen.

Was wird gegen die erhöhten Unfallgefahren getan?
Die Westseite der Autobahn erhält eine 25 Zentimeter breitere Fahrbahn als die Ostfahrbahn. Erfahrungen aus dem A-Modell (sechsstreifiger Ausbau der A 5 zwischen Baden-Baden und Offenburg) machten diese Notwendigkeit deutlich. Zwischen 2010 und 2013 wurde dort die A 5 von vier auf sechs Fahrstreifen ausgebaut. Dabei stand für den sogenannten 4s+0 Verkehr (die beiden Fahrspuren je Fahrtrichtung wurden auf eine Autobahnseite verlegt, die andere Seite wurde vollgesperrt, dort wurden die Bauarbeiten ausgeführt) eine Fahrbahn mit knapp zwölf Metern Breite zur Verfügung. Auswertungen der Polizei zeigten, dass trotz darauf abgestimmter Verkehrsregelung (Überholverbot, versetzte Verkehrsführung, Tempo 80) und intensiver Verkehrsüberwachung die Unfallrate um das 2,5-fache anstieg. In der Folge kam es zu Unfällen am Stauende und zu massiven Verkehrsstörungen.

Was passiert mit dem anfallenden Asphalt und Beton?
Die vorhandene Asphaltkonstruktion mit der darunter liegenden Betonfahrbahn wird ausgebaut und zu einem Recyclingmaterial vor Ort aufbereitet. Dieses Material wird anschließend wieder als Frostschutzschicht eingebaut. Die neue 34 Zentimeter starke Asphaltkonstruktion besteht aus 22 Zentimeter Asphalttragschicht, acht Zentimeter Asphaltbinder- und vier Zentimeter Asphaltdeckschicht.

Insgesamt werden in diesem Abschnitt etwa 40 000 Tonnen Betonrecycling aufbereitet und knapp 90 000 Tonnen Asphalt eingebaut. Die in diesem Streckenabschnitt befindlichen drei Brücken werden ebenfalls saniert. Die Schutzplanken im Mittelstreifen und am Außenrand werden komplett umgerüstet und auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Dabei wird im Mittelstreifen die einfache Distanzschutzplanke durch eine zweifache Betongleitwand ersetzt, die auch einem Lkw-Durchbruch standhielte.

Wie wird der notwendige Naturschutz berücksichtigt?
Der gesamte Streckenabschnitt der Autobahn verläuft durch ein Waldstück, im dem die unter Naturschutz stehende Wildkatze nachweislich vorkommt. Erst Anfang Januar wurden wieder zwei Wildkatzen überfahren. Damit dies in Zukunft nicht mehr passieren kann, wird parallel zu den Sanierungsarbeiten ein Wildkatzenschutzzaun auf einem Betonfundament neu gebaut, den die Tiere auch nicht überklettern können. Die Zaunpfosten werden auf das Streifenfundament aufgedübelt und sind im Hinblick auf den späteren sechsstreifigen Ausbau der Autobahn demontierbar und wiederverwendbar. Der Zaun ist auf einer Gesamtlänge von 7,5 Kilometern beidseitig der Autobahn geplant – die ersten 4,4 Kilometer stehen nach dem Abschluss der Sanierung.

Wie sieht der Zeitplan aus, und wann ist besonders mit Staus zu rechnen?
Die Bauarbeiten beginnen am Montag, 20. Februar, mit der Herstellung von seitlichen Rettungszufahrten. Diese haben zunächst keine Auswirkung auf den laufenden Verkehr. Anschließend stehen die Bauarbeiten im Mittelstreifen an. Der Autobahnverkehr wird deshalb für die jeweilige Fahrtrichtung nach Basel beziehungsweise nach Karlsruhe nach außen verschwenkt. Somit wird der Mittelstreifen frei und die Bauarbeiten können zügig ausgeführt werden, diese Verkehrsführung nennt man 2s+2s.

Probleme werden laut Regierungspräsidium beim Aufbau dieser Bauphase erwartet, da hierzu Standspur und erste Fahrspur (Lkw-Spur) gesperrt werden müssen. Dadurch steht für den Verkehrsteilnehmer für kurze Zeit von wenigen Tagen Anfang März nur eine Fahrspur je Fahrtrichtung zur Verfügung. Das Regierungspräsidium rechnet mit Stauungen von bis zu zehn Kilometern Länge. Um diese Bauphase jedoch so kurz wie möglich zu halten, wird von der ausführenden Baufirma ein Zwei-Schichtbetrieb ausgeführt. Der Aufbau der Verkehrseinrichtungen in Fahrtrichtung Karlsruhe beginnt am 6. März und dauert voraussichtlich bis Mittwoch, 8. März.

Anschließend stehen dem Verkehr in Fahrtrichtung Karlsruhe wieder zwei Fahrspuren zur Verfügung. Ab Donnerstag, 9. März, wird mit dem Aufbau der Verkehrseinrichtungen in Fahrtrichtung Basel begonnen, diese Aufbauphase dauert ebenfalls wieder drei Arbeitstage, so dass ab 11. März für jede Fahrtrichtung wieder zwei Fahrspuren zur Verfügung stehen. Diese Bauphase mit der 2s+2s Verkehrsführung dauert voraussichtlich bis 25. März.

Ab dem 26. März werden die gesamten vier Fahrspuren auf den östlichen Teil der Autobahn verlegt, somit ist das Baufeld für die eigentlichen Deckensanierungsarbeiten auf der westlichen Seite der Autobahn frei. Diese Bauphase soll Ende Juli abgeschlossen sein, danach wird der östliche Teil der Autobahn grundhaft saniert. Die gesamten Bauarbeiten für das Sanierungsprojekt soll Anfang Dezember fertig gestellt sein.

Das Regierungspräsidium nimmt in diesem Jahr noch einen weiteren Abschnitt auf der A 5 zwischen Offenburg und Lahr in Angriff. Der Baubeginn ist auf Ende März, die Fertigstellung auf Anfang Dezember vorgesehen. Der Bund als Baulastträger der Autobahn investiert 2017 insgesamt rund 25 Millionen Euro in die beiden Abschnitte.

Autor: bz