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27. September 2009 23:54 Uhr

Bundestagswahl

Offenburg: Schäuble und dann lange nichts

Seit 37 Jahren sitzt Wolfgang Schäuble im Bundestag – und auch am Sonntag hat er das Direktmandat im Wahlkreis Offenburg gewonnen.

  1. Wolfgang Schäuble. Foto: dpa

OFFENBURG. 1972 wurde Wolfgang Schäuble erstmals in den Bundestag gewählt. Seither verteidigt der Jurist, der vergangene Woche 67 Jahre alt geworden ist, den Wahlkreis Offenburg mit schöner Regelmäßigkeit. Auch gestern bescherten ihm die Wählerinnen und Wähler einen großen Sieg. Mit 47,17 Prozent der abgegeben gültigen Stimmen verlor er gegenüber der Wahl 2005 zwar gut drei Prozentpunkte, doch der Abstand zur nächstplatzierten Mitbewerberin ist deutlich gestiegen: Elvira Drobinski-Weiß, vor vier Jahren noch bei stattlichen 31,2 Prozent, rutschte unter die 20-Punkte-Marke ab – ein verheerendes Ergebnis für die Sozialdemokratin, frühere Rektorin in Waldkirch-Kollnau und SPD-Kreisvorsitzende.

Im Mai 2004 war sie als Nachrückerin erstmals in den Bundestag eingezogen und hatte es 2005 über die Landesliste erneut dorthin geschafft. Das Zweitstimmenergebnis für die SPD lag gestern mit 17,79 Prozent sogar noch unter dem Erststimmenresultat – und wurde noch vom FDP-Ergebnis getoppt. Die Liberalen haben somit erstmals die Sozialdemokraten im Wahlkreis überholt. Auffällig indes, dass Sibylle Laurischk, drittes amtierendes Bundestagsmitglied aus dem Wahlkreis Offenburg, zudem Stadträtin in Offenburg und Kreisvorsitzende, mit dem Erststimmenergebnis von 11,15 Prozent deutlich unter dem FDP-Zweitstimmenergebnis lag. Herausragend immerhin ihre 21 Prozent im Schwarzwalddorf Nordrach, der Heimat des früheren Bundestagsabgeordneten Kurt Spitzmüller.

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Allen Grund, mit seinem Erststimmenergebnis zufrieden zu sein, hat der Offenburger Grünen-Stadtrat Thomas Marwein. Er kam, nach seiner Erstkandidatur 2005, als er lediglich sieben Prozent schaffte, diesmal auf 12,6 Prozent und lag damit fast gleichauf (13,16) mit dem Zweitstimmenresultat für die Grünen.

Andreas Kirchgeßner, der Kandidat der Linken, kam auf 7,31 Prozent (Zweitstimmen: 7,75). Lediglich in der Stadt Kehl knackte er die zweistellige Hürde.

Wolfgang Schäuble, der gebürtige Freiburger, der in Hornberg aufgewachsen ist und in Offenburg Rechtsanwalt war, dürfte dem Bundestag noch ein gutes Weilchen erhalten bleiben. Gerüchten, wonach der Mann, der schon CDU-Fraktionschef im Bundestag, Kanzleramtsminister und Architekt des Einheitsvertrages von 1990 war, seine politische Zukunft bei der EU haben werde, erteilte er längst eine klare Absage: "Wenn ich wiedergewählt werde, werde ich den Wählerauftrag erfüllen."

Die Wahlbeteiligung im Wahlkreis Offenburg, zu dem 29 Kommunen zählen, ist mit 69,22 Prozent erstmals unter die 70-Prozent-Hürde gefallen. Vor vier Jahren lag sie noch bei immerhin 75,4 Prozent. Und bei der Bundestagswahl davor gingen in und um Offenburg sogar noch 78,8 Prozent wählen.

Autor: Hubert Röderer