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04. August 2008 15:55 Uhr
Imker aus Achern sorgt für Nachschub
Peter Huber ist der Königinnenmacher
Die Königin ist tot – es lebe die Königin. Der Vorsitzende des Imkervereins Achern, Peter Huber, ist Königinnenzüchter. Seine Königinnen werden mit dazu beitragen, dass nach dem massenhaften Bienensterben der Bestand wieder ansteigt.
Die Königin ist tot – es lebe die Königin. So geht es bei den Honig produzierenden Bienenvölkern alle zwei bis vier Jahre. Denn so lange lebt die ständig Eier legende Übermutter der Bienen in der Regel, bevor sie entthront wird. Der Vorsitzende des Imkervereins Achern, Peter Huber, ist Königinnenzüchter. Seine Königinnen werden mit dazu beitragen, dass nach dem massenhaften Bienensterben in der Ortenau durch das Gift Clothianidin der Bestand wieder ansteigt.
Die landwirtschaftliche Beratungsstelle im Landratsamt schätzt, dass der Wiederaufbau des Bestands auch angesichts teils dahinsiechender Völker nur über einen harten Schnitt mit neuen Bienenvölkern und starken Königinnen zu erreichen ist. Die Königinnenzucht ist eine faszinierende Wissenschaft für sich, die Spezialkenntnisse und Fingerspitzengefühl erfordert.
"Die Königin kann bis zu 2000 Eier am Tag legen und wird von ihrem Volk total umsorgt", erklärt Huber und deutet auf die Biene mit der roten Nummer 51 auf dem Rücken. Sonst wäre sie im Gewusel der Bienen im Stock kaum zu unterscheiden. Eigentlich war sie einmal eine von vielen. Bis der Imker sie erwählte. "Sie ist aus dem selben Ei wie eine Arbeiterin", als Larve kommt sie jedoch in eine Königszelle im sogenannten Zuchtrahmen.
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Ein Trick verleitet die fleißigen Bienen dann dazu, sie zur Königin zu machen, denn an sich ist die amtierende ja noch tadellos im Einsatz. Peter Huber verknappt den Platz zum Eierlegen, was dem Volk fälschlich nahe legt: Die Königin (in der Fachsprache auch Weisel genannt) ist schwach, die Eierproduktion lässt nach, die arbeitswilligen Pflegebienen bekommen Futtersaftstau. Quasi per Bienenvolksentscheid fällt das Urteil: Wir brauchen eine neue Königin. Obwohl "die Alte eigentlich noch kann".
Huber bringt einen Vorbrüter-Kasten mit Wasser und Futterwabe zum Einsatz. "Die Pflegebienen füttern dann mit dem hochwertigen königlichen Futtersaft – dem Gelee Royale." Das reichhaltige Kopfdrüsensekret enthält unter anderem Kohlenhydrate, Eiweiß, B-Vitamine und Spurenelemente. Nach 16 Tagen ist die Königin schlupfreif und voll entwickelt. "Dann nagt sie sich aus der Königinnenzelle raus", die von den Bienen bereits am neunten Tag gedeckelt wurde. Dieses Spiel läuft im eingesetzten Zuchtrahmen nicht nur mit einer Königin ab. Zehn bis zwölf Herrscherinnen werden gleichzeitig gezüchtet.
Und sobald sie schlüpfen, müssen die Jungköniginnen getrennt werden, sonst gibt es Mord und Totschlag. "Die erste würde alle anderen umbringen", weiß Huber. Einsatzbereit sind die Königinnen aber erst, wenn sie begattet sind. Da Bienen dies nur im Fliegen tun, werden die inzwischen mit aufgeklebtem "Nummernschild" versehenen Thronfolgerinnen ins Gebirge zur Belegstelle Hornisgrinde gebracht. In dem fast bienenfreien Raum sind dann Drohnenvölker – also männliche Honigbienen – platziert. So sei die Reinpaarung gewährleistet. Bis zu 14 Drohnen begatten die Königin und sterben anschließend. "Die Samenpakete reichen der Königin ein Leben lang" – die Eierproduktion kann beginnen. Zurück zu ihrem Bienenstock findet sie allein.
Bei einem natürlichen Wechsel wegen Altersschwäche der bisherigen Königin, die irgendwann immer weniger befruchtete Eier legt, "schleicht die Alte noch im Stock rum", berichtet Huber. Sie bekommt dann "entweder Altersrente oder wird rausgeschmissen". Die Preise für Bienenköniginnen variieren je nach Stadium: Etwa fünf Euro kostet eine Königinnenzelle, acht oder neun eine geschlüpfte Königin, 16 bis 18 wenn sie schon Eier legt und 26 Euro für eine Reinzuchtkönigin von der Belegstelle auf der Hornisgrinde. Für sogenannte Inselköniginnen, die in Ostfriesland unter optimalen Bedingungen befruchtet sind, kann es noch teurer werden. "Mit einer Feld-, Wald- und Wiesenmischung hat man oft keine Freude", weiß Huber. Reinzucht hingegen gewährleiste einen gleichmäßigen Honigertrag. Im Schnitt könnten Imker zwölf Kilogramm im Jahr gewinnen.
"Man macht es aber nicht allein wegen des Honigs – Imker sind Idealisten." Die Entwicklung der Völker, wie die Bienen schlüpfen und im Stock herumlaufen, das habe es ihm angetan. Aus Huber spricht ein reinrassiger Bienenvater. Deshalb sei der Schmerz über das Bienensterben vielleicht auch für viele schwer nachvollziehbar. Er und die meisten seiner Kollegen "wollen aber wieder auf den Stand an Völkern kommen, denn wir mal hatten".
Autor: obe


