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29. März 2011
Starkes Konzept noch ohne Nachahmer
Von der Müllmenge, die in Ringsheim verarbeitet wird, bleiben nur zwei Prozent unverwertet.
RINGSHEIM. Aus der ehemaligen Deponie Kahlenberg ist ein moderner Rohstoffproduzent geworden, der den Müll aus der grauen Tonne wieder in Wert setzt. Kürzlich haben die Mitglieder des ehemaligen "Müllforums" der Bürgerinitiative Umweltschutz Offenburg (BUO) die Anlage besucht. Die Gruppe hatte sich in den 1980er und 1990er Jahren dafür eingesetzt, dass der Restmüll im Ortenaukreis nicht in dem damals propagierten Thermoselectverfahren unter hohen Temperaturen und Kosten verbrannt wird.
Der Kreistag hat 1998 beschlossen, den Restmüll, inklusive Bioabfälle, mit einer vom Zweckverband Kahlenberg entwickelten mechanisch-biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) so aufzubereiten, dass daraus wiederverwertbare Stoffe entstehen. Das patentrechtlich geschützte Verfahren, das maßgeblich vom Leiter der Deponie, Georg Gibis, entwickelt worden ist, trägt heute den Namen Maximum Yield Technology (Technologie des größtmöglichen Ertrags).
In fünf Anlageblöcken werden jährlich über 100 000 Tonnen Abfall aus den beiden Landkreisen Emmendingen und Ortenau, wobei letzterer etwa drei Viertel liefert, so behandelt, dass jeweils 38 Prozent Brennstoffe und Wasser entstehen. Die Brennstoffe werden an die Industrie geliefert, etwa ein Drittel an die Papierfabrik Köhler in Oberkirch. Das Wasser wird gereinigt und abgeleitet. Zehn Prozent des Abfalls werden als Mineralstoffe von der Bauwirtschaft abgenommen, fünf Prozent vergären zu Biogas, wovon 120 Haushalte in Ringsheim beliefert werden, und zwei Prozent des Abfalls sind Metalle, die recycelt werden. Bleiben sieben Prozent, von denen fünf so genannte "Verluste" sind, etwa Kohlendioxid aus der Trocknung, das über Filter an die Außenluft abgegeben wird. Nur zwei Prozent der gesamten Müllmenge sind nicht mehr verwertbare Feststoffe. Diese werden im Gewerbepark Breisgau, südlich von Freiburg, verbrannt.
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Zurück nach Ringsheim: Dort arbeiten die Ingenieure seit 1996 an der neuen Technologie, die permanent optimiert wird. Die Anlage läuft seit ihrem Betriebsstart im Jahr 2006 ohne größere Schwierigkeiten, sagt der Betreiber. Weil laut Gesetz aber bereits seit 2005 keine Abfälle mehr deponiert werden dürfen, mussten die beiden Landkreise ein Jahr lang ihre Abfälle von anderen Abnehmern entsorgen lassen, sagte Abfallberater Johann-Georg Kathan, der die BUO-Gruppe führte. In einer kleinen Pilotanlage wurde die MBA mit einem Durchlauf von etwa 5000 Tonnen getestet. Seit 2006 aber wird der Inhalt der grauen Tonne, zwanzigmal so viel, komplett nach Ringsheim geschafft und dort verarbeitet. 48 Millionen Euro wurden in den Bau der Anlage gesteckt, die komplett eingehaust ist und so für die Bewohner von Ringsheim auch keine Geruchsbelästigung mehr ist. Lediglich beim Anliefern und ganz in der Nähe der Hallen rümpfen die Besucher noch die Nasen.
Die Deponie ist vorbildlich gepflegt. Nirgends sieht man Müll. Große Teile der ehemaligen Deponie sind inzwischen Naturschutzgebiet und bieten seltenen Tiere und Pflanzen Lebensraum. Im neuen Besucherzentrum werden interessierte Fachleute und Laien über das Verfahren aufgeklärt. "Die MBA ist einzigartig", sagt Johann-Georg Kathan. Der Grund, warum es für diese Technologie, die so effizient sein soll, noch keine Nachahmer gibt, liege an der Langfristigkeit solcher Planungen, die mehrere Jahrzehnte dauerten, so die Meinung des Abfallexperten. In Deutschland hätten sich Verbrennungsanlagen durchgesetzt. Und im Ausland fehle oft die entsprechende Abfall-Logistik, für die glücklicherweise im Ortenaukreis die Grundlagen vorhanden seien. Zur Verfügung standen auch die Mittel von knapp 50 Millionen Euro.
Die habe man aus Rückstellungen entnommen, die der Kreis für die Deponie--Nachsorge auf die Seite gelegt hatte, sagt Geschäftsführer Martin Roll. Für die Anlage würden in absehbarer Zeit keine neuen Investitionen fällig, und vielleicht gebe es in naher Zukunft auch einmal Erträge aus den Wertstoffen, für die derzeit noch Geld bezahlt werde, um sie zu entsorgen. Roll: "Der Markt ist in Bewegung."
Autor: Erika Sieberts
