Pächter auf Schloss Beuggen ist zahlungsunfähig

Boris Burkhardt

Von Boris Burkhardt

So, 13. Januar 2019

Rheinfelden

Der Sonntag Trotz des guten Umsatzes haben Hotel und Restaurant Insolvenz angemeldet; der Betrieb läuft vorerst weiter – Kritik am Eigentümer.

Der Traum vom "Europapark am Hochrhein" scheint vorerst ausgeträumt: Voller Elan hatte Gastronom und Hotelier Christian Herzog im Oktober 2016 seine Konzepte für die Nutzung von Schloss Beuggen vorgestellt, das von der Evangelischen Landeskirche zum 1. Januar 2017 verkauft wurde. Mehr regionale Tagungsgäste, Reisegruppen aus den Beneluxstaaten und Israel, anspruchsvolle Restaurantgäste, Rheinspaziergänger und Veloreisende hatte Herzog nach Schloss Beuggen bringen wollen, als er vor gut zweieinhalb Jahren zusammen mit dem neuen Inhaber Kai Flender an die Öffentlichkeit ging.

Eine wirtschaftlich so bedeutende und selbsterklärende Dachmarke wie der Europapark am Oberrhein hätte die Dachmarke Schlosshotel Beuggen am Hochrhein werden sollen. Und in vielerlei Hinsicht scheint sein Konzept aufzugehen; Herzog spricht gegenüber dem Sonntag von erfolgreichen Kulturveranstaltungen, zufriedenstellender Hotelauslastung und einem gut besuchten Restaurant. Der Betrieb wird auch in den kommenden Wochen weiterlaufen. Dennoch musste Herzog vor wenigen Tagen für seine Betriebs-GmbH vorläufige Insolvenz anmelden.

Um dieses scheinbare Paradoxon zu verstehen, musste sich Herzog in den vergangenen Tagen selbst erst vertieftes Wissen über Insolvenzen aneignen: "Ich habe in dieser Zeit mehr darüber gelernt, als ich mir je vorgestellt hätte." Trotz guten Umsatzes in Restaurant und Hotel habe der Betrieb kaum Gewinn erzielt, erklärt Herzog: "Der Kostenblock war zu hoch." Damit sei vor allem die Pacht gemeint; aber auch die schwachen Wintermonate habe er nicht ausgleichen können. Die 28 Zwei-Sterne-Zimmer im Gästehaus seien wegen der alten Gebäudestruktur nicht so gut angenommen worden wie die 27 Drei-Sterne-Zimmer im sanierten Haupthaus. Außerdem habe er anderthalb Jahre um eine Breitband-Internetanbindung kämpfen müssen; das habe ihn Seminargäste gekostet.

Zwischen den Zeilen lässt Herzog durchblicken, dass die Euphorie zwischen ihm und Eigentümer Flender abgekühlt sei: "Alleine schaffe ich es nicht, das Leuchtturmprojekt Beuggen zu entwickeln."

Das Potenzial gemeinsamer Werbung sei nicht ausgeschöpft worden. So sind nach Herzogs Meinung Flenders Internetauftritt schloss-beuggen.de und sein eigener schlosshotel-beuggen.de nicht ausreichend miteinander vernetzt: "Das Außenmarketing des Eigentümers hat gefehlt." Noch immer gebe es Menschen in der Region, die nicht wüssten, dass Schloss Beuggen verkauft sei.

Diese Beobachtung bestätigt unabhängig von Herzog der einstige "Freundeskreis Schloss Beuggen", der sich bis zuletzt gegen den Verkauf des Schlosses wehrte und 2018 den neuen Namen "Förderverein Schloss Beuggen" annahm: Auf seiner Homepage schreibt der Verein, die Internetseite schloss-beuggen.de sei seit Anfang 2018 nicht mehr aktualisiert worden. Weiter heißt es: "Die Evangelische Landeskirche war bei den Verkaufsverhandlungen davon ausgegangen, dass sich der neue Besitzer für eine attraktive Weiterentwicklung des Schlossensembles einsetzen würde. Natürlich ist der Förderverein mehr als betroffen von der aktuellen Entwicklung."

Auf Nachfrage des Sonntag geht Flender nicht konkret auf die Vorwürfe ein. In seiner schriftlichen Mitteilung verweist er auf die Jahrhunderte, in denen Schloss Beuggen alle möglichen Widrigkeiten überstanden hätte: "Erdbeben, Brand, Stürme, Seuchen, plündernde Bauern, Staatsorgane, Neider und habgierige Nachbarn." Alle Eigentümer hätten "überlegt, in Ruhe und in Strenge, für das Wohl dieses Anwesens" gesorgt. Und zuletzt: "Herr Herzog trägt mit dem Aufbau des Hotelbetriebs dazu bei, den Wandel in dieser Geschichte mit zu gestalten."

Herzog wird das kaum trösten. Die Insolvenz sei für ihn ein "Rückschlag", sagt er: "Es ist eine sehr schwere Zeit für mich." Vorläufige Insolvenz bedeutet, dass die Insolvenzkanzlei, die sich nun des Schlosses angenommen hat, in den kommenden Wochen prüfen wird, ob tatsächlich Zahlungsunfähigkeit vorliegt. Bei einem negativen Befund könne das Insolvenzverfahren noch abgebrochen werden, so Herzog.

Bis dahin führe er die operativen Geschäfte weiter. Die Jobs und Löhne der 22 Mitarbeiter seien vorerst über eine Insolvenzversicherung gesichert. Herzog wird sich wieder mehr im "Goldenen Knopf" in Bad Säckingen engagieren, den er seit zwölf Jahren betreibt.

Sein Konzept für Beuggen sieht er nicht als gescheitert an. Unabhängig davon, wie es weitergehe, habe das Schloss viel Potenzial. Einen Teil habe er abschöpfen können: "Wir waren immer um Verbesserungen bemüht. Wo die Nachfrage nicht bestand, haben wir sie geschaffen."Boris Burkhardt