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07. Juli 2014 20:19 Uhr

Sicherheitspanne

Panne in Leibstadt – Arbeiter bohren Löcher in Sicherheitshülle

Löcher, wo keine sein dürfen: Im schweizerischen Atomkraftwerk Leibstadt hat es erneut eine Panne gegeben. Beim Aufhängen von Feuerlöschern haben Arbeiter Löcher in die Sicherheitshülle gebohrt. Die Panne löst Irritationen auf deutscher Seite aus.

  1. Löcher in der Hülle – Landrat Bollacher schreibt an die Ensi. Foto: bz

Erst am Sonntag musste das Kernkraftwerk Leibstadt eine Reaktorschnellabschaltung melden, nur einen Tag später gibt’s die nächste Pannenmeldung: Beim Anbringen von Handfeuerlöschern wurde die mehrere Zentimeter dicke Containmentwand (Sicherheitshülle) durch Bohrlöcher beschädigt, meldet das Kernkraftwerk am Montag .

" Ich bin überrascht, dass ein derartiges Vorkommnis eintreten konnte" Tilman Bollacher
Das Ensi (Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat) wurde über den Vorfall bereits am 24. Juni informiert. Bis zum 18. Juli sollen die Löcher wieder repariert werden – ansonsten muss der Reaktor abgeschaltet werden. Die Ensi stufte den Vorfall als "störfallfest" ein, als Sicherheitsstufe eins.

Auf deutscher Seite hat diese Panne Irritationen ausgelöst. Landrat Tilman Bollacher hat sich in einem Schreiben an den Direktor der Ensi, Hans Wanner gewandt." Ich bin überrascht, dass ein derartiges Vorkommnis eintreten konnte, welches als Ereignis der Stufe 1 einzustufen ist", schreibt Bollacher. "Bisher sind wir, auch aufgrund der Feststellungen des Ensi, immer davon ausgegangen, dass der Sicherheitsstandard im Kernkraftwerk Leibstadt hoch ist und entsprechende Vorkommnisse eigentlich nicht eintreten können."

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Solche Fehler wiesen auf ein bedeutendes Defizit im organisatorischen Bereich hin. Pikant dabei: Aus der Pressemitteilung des Kernkraftwerkes geht nicht hervor, wann genau es zu dem Vorfall kam, und wann er letztlich vom Personal entdeckt wurde.

"Die grenznahen Kernanlagen in der Schweiz sind immer wieder Gegenstand von kritischen Erörterungen im Hinblick auf den Standort und den Betrieb", schreibt Bollacher weiter an Wanner. Passierten derartige Fehler, trage dies sicherlich nicht zur Beruhigung der Bevölkerung bei und werde die kritische Auseinandersetzung mit den Kernanlagen weiter forcieren, ist sich Bollacher sicher.

"Auch dieser Vorfall zeigt, dass trotz einer angestrebten hohen Sicherheitskultur immer wieder Vorkommnisse eintreten, die eigentlich unter Berücksichtigung der Sicherheitskultur so nicht auftreten dürften", so Landrat Tilman Bollacher weiter. Bollacher fordert Wanner in dem Schreiben auf, dass die Aufsichtsbehörde das "Menschenmögliche" dazu beitragen solle, dass die Sicherheitskultur weiter verbessert werde und derartige Fehler, auch wenn sie keine radiologischen und unmittelbaren Auswirkungen nach Ansicht der Ensi hatten, zukünftig nicht mehr eintreten.

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Autor: bz, sda