20 Millionen Sterne im Blick

dpa

Von dpa

Mo, 16. April 2018

Panorama

Stabübergabe im All: Weltraumteleskop Tess soll Planeten im All finden – Raumfahrtfirma SpaceX übernimmt den Transport.

WASHINGTON (dpa). Tausende mögliche Exoplaneten hat das Weltraumteleskop Kepler in rund neun Jahren im All entdeckt. Jetzt geht ihm der Sprit aus. Doch die Nasa hat schon einen Nachfolger: Das Weltraumteleskop Tess soll die Planetensuche übernehmen.

Wenige Monate geben die Experten der US-Raumfahrtbehörde Nasa dem Weltraumteleskop Kepler noch, dann ist wohl
endgültig der Tank
leer. Rund neun Jahre hat der nach dem deutschen Astronomen Johannes Kepler (1571 – 1630) benannte Planetenjäger bereits im All verbracht, dabei Hinweise auf tausende mögliche Planeten außerhalb unseres Sonnensystems gefunden – und Wissenschaftler weltweit begeistert.

Damit die Suche nach Exoplaneten ohne Pause weitergehen kann, hat die Nasa schon einen Nachfolger für Kepler in den Startlöchern: In der Nacht zum Dienstag (Mitteleuropäischer Zeit) soll das Teleskop "Transiting Exoplanet Survey Satellite" kurz Tess vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida an Bord einer Falcon-9-Rakete starten. Es ist das erste Mal, dass die Nasa die Dienste der privaten Raumfahrtfirma SpaceX für eine wissenschaftliche Mission in Anspruch nimmt. Bislang hatte SpaceX in erster Linie mit seinem Dragon-Frachter im Auftrag der Nasa Nachschub zur Internationalen Raumstation ISS geschickt.

Die rund 200 Millionen Dollar teure Tess-Mission ist zunächst auf etwa zwei Jahre angelegt. Das Teleskop ist ungefähr so groß wie ein Kühlschrank und hat vier Kameras. "In der Falcon-9-Rakete sieht es aus wie ein Spielzeug", sagt Missionschef George Ricker. Nach dem Start soll es noch rund zwei Monate dauern, bis Tess in der geplanten Umlaufbahn ist und mit dem Sammeln von Daten beginnen kann. Wie Kepler soll Tess dann das Licht bestimmter Sterne beobachten. Wenn es kurz nachlässt, könnte das bedeuten, dass ein Planet vorbeigezogen ist. Tess könnte sowohl kleine steinige Planeten als auch riesige Himmelskörper finden – und soll insgesamt ein deutlich größeres Gebiet abdecken als Kepler.

"Tess wird uns viel Spaß bringen", sagt Ricker. "Es gibt 20 Millionen Sterne, die wir uns anschauen können." Während Kepler viele sehr weit entfernte Planeten entdeckt habe, werde Tess hoffentlich auch einige bei näheren Sternen finden, möglicherweise etwa 500 erdgroße innerhalb einer Entfernung von 300 Lichtjahren. "Ich freue mich darauf, endlich Daten zu sehen."

Die Planetenjagd hat sich inzwischen zur Aufgabe für eine ganze Flotte entwickelt. So sind die bereits vor Jahrzehnten gestarteten Nasa-Teleskope Spitzer und Hubble noch im Weltall unterwegs, auch wenn ihre Daten nur eingeschränkt brauchbar sind. Die Europäische Raumfahrtagentur Esa will ihren Satelliten Cheops, der ebenfalls nach Exoplaneten suchen soll, noch in diesem Jahr auf den Weg zum Start bringen.

Nur der Star der Flotte schwächelt: Den eigentlich schon für dieses Jahr geplanten Start des James-Webb-Teleskops hat die Nasa gerade auf "frühestens Mai 2020" verschoben. Weitere Tests seien notwendig. Das James-Webb-Weltraumteleskop, benannt nach dem zweiten Nasa-Geschäftsführer, soll 1,5 Millionen Kilometer weit ins All fliegen und unter anderem mit Hilfe eines 25 Quadratmeter großen Spiegels neue Bilder aus dem frühen Universums liefern.