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22. Februar 2012 00:01 Uhr

Aschermittwoch

Beginn der Fastenzeit: Kein Bier, keine Torte, kein Facebook

Adieu Schokolade, Bier oder auch Facebook – willkommen 40 Tage Abstinenz. Nach den närrischen Tagen auf liebgewonnene Laster und Gewohnheiten zu verzichten, liegt im Trend.

  1. Karges Mahl zur Fastenzeit. Foto: Franz Dannecker

Die Kirchen, Zeitschriften und Internet-Portale wollen davon überzeugen, dass man Verzicht üben und sich selbst damit etwas Gutes tun kann.

Glaubt man einer neuen Emnid-Umfrage, wollen 16 Prozent der Bundesbürger zwischen Karneval und Ostern fasten. Auch eine neue Forsa-Umfrage ergibt eine recht große Fastenbereitschaft: Ihr zufolge haben 51 Prozent der Deutschen schon mindestens ein Mal für mehrere Wochen bewusst auf Genussmittel oder Konsumgüter verzichtet. "Die Beteiligung an einer Fastenzeit ist in Bayern und Baden-Württemberg mit 56 beziehungsweise 54 Prozent besonders hoch", erklärte ein Sprecher. "In den ostdeutschen Bundesländern liegt der Anteil bei 42 Prozent." 36 Prozent der Befragten aber haben noch nie gefastet und wollen das auch künftig nicht.

"Tasten fasten" – ein Angebot für die Jugend

Fasten – das klingt nach Diät. Doch die Kirchen fassen den Verzicht während der 40 Tage vor Ostern viel weiter. Ziel der Fastenzeit sei es, freier zu werden und sich selbst von unbemerkten Abhängigkeiten zu lösen, betonen die katholischen Bischöfe. Verzichten könne man etwa auf den unkontrollierten Gebrauch der Medien sowie auf Partys und ähnliche Vergnügungen.

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Dem Ideenreichtum werden keine Grenzen gesetzt. Zum 15. Mal etwa laden Kirchen im Südwesten sowie in Luxemburg zum "Autofasten" ein. Bei der Klimaschutz-Aktion, an der sich Bistümer in Rheinland-Pfalz, Hessen und der Rat christlicher Kirchen in Luxemburg beteiligen, geht es darum, das Auto möglichst oft stehen zu lassen.

Im 21. Jahrhundert kann man natürlich auch virtuell fasten. "Tasten fasten – wag echte Begegnungen", so nennt sich die vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und dem katholischen Entwicklungshilfswerk Misereor initiierte "Jugendaktion 2.012" einen ihrer sieben Impulse für die 40 Tage bis Ostern.

Gerade unter Jugendlichen passiere kaum noch etwas von Angesicht zu Angesicht, erläutert Misereor-Redakteur Jörg Nottebaum die Motivation. Statt miteinander zu sprechen, klickten viele Jugendliche verstärkt auf "Gefällt mir"-Buttons und schickten sich SMS. "Wir verlernen langsam, wie viel Spaß es macht, Freude im Gesicht des anderen zu sehen, wenn wir ihn loben oder zu einer Party einladen", meint Nottebaum. Schon eine Woche "ohne Tasten" könne helfen, den Wert des Miteinanders neu zu erfahren.

Dass die Kirchen den neuen Medien trotzdem aufgeschlossen sind, wird beim Thema Fastenaktionen ebenfalls deutlich. So bietet die katholische Kirche wieder ein "SMS-Fasten" an: Handynutzer erhalten nach Anmeldung ab Aschermittwoch in den 40 Tagen bis Ostern täglich einen kurzen Bibelvers als SMS. Ziel sei, mit den biblischen Botschaften den Alltag zu unterbrechen und sich auf Gott zu besinnen. Anmeldungen sind unter http://www.sms-fasten.de oder per SMS mit dem Begriff "Fasten" an die Nummer 31000 möglich.

Auch das Portal "katholisch.de" bietet Fasten-Exerzitien an. User erhalten jeden Tag einen Fastenimpuls von Pater Erich Purk. Der Kapuziner lädt 2012 dazu ein, sich mit dem Thema Vertrauen auseinanderzusetzen. Der Schauspieler Michael Mendl hat die Impulse eingesprochen, so dass die Texte auch als Audio abgerufen werden können. Wer intensivere Begleitung sucht, kann unter mehr als 30 erfahrenen Seelsorgern seinen Mailpartner aussuchen. Beim Kölner "domradio.de" wird der Benediktiner Anselm Grün tägliche Impulse geben.

Protestanten rücken falschen Ehrgeiz in den Blick

Die Fastenaktion der evangelischen Kirche stellt dieses Jahr den Leistungsdruck in den Mittelpunkt ihrer Aktion "Gut genug! Sieben Wochen ohne falschen Ehrgeiz". Die Protestanten wollen damit Zufriedenheit statt Optimierung fördern. Die Fastenden sollen es "einfach mal gut sein lassen" und den Blick schulen für "den Punkt, wo’s reicht", heißt es auf der Homepage. In diese Richtung geht auch die Anregung der DAK-Gesundheit, die die Fasten-Umfrage der Forsa in Auftrag gegeben hatte: "Wer seinem Körper oder seiner Psyche helfen möchte, sollte nicht nur an Verzicht und Verbote denken", erklärte Sprecherin Silke Willms. "Als Alternative bietet sich an, sieben Wochen lang bewusst etwas Gutes für sich zu tun. Das kann gesunde Ernährung sein oder gezielte Entspannung."
Auf was würden Sie Am EHESTEN verzichten?
Das Meinungsinstitut Forsa erhob, worauf die Deutschen am ehesten verzichten würden: Ganz oben stand der Alkohol (67 Prozent), auch Süßigkeiten (60 Prozent) und Fleisch (41 Prozent) können viele entbehren. Was die Konsumgüter anbelangt, steht der Fernseher mit 34 Prozent vorne. Unverzichtbar für die meisten: das Auto. Nur 13 Prozent der Befragten können sich vorstellen, ihren Wagen zur Fastenzeit stehen zu lassen. Fasten finden mehr Frauen (56 Prozent) sinnvoll als Männer (49 Prozent).

Autor: KNA/dpa/kam