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23. Februar 2012 00:05 Uhr
Idee
Dänemark: Grabstein mit Handycode
Dänische Steinmetze verzieren Grabsteine mit sogenannten QR-Codes. Die können mit einem Internet-Handy eingescannt werden und führen direkt zu einer Gedenkseite im Internet.
Joan Hansen starb am Tag vor ihrem 60. Geburtstag. Für ihren Mann blieb sie lebendig. "Sie hatte so viel zu geben, sie war ein offener Mensch", sagt Witwer Kaj. Davon können sich jetzt alle ein Bild machen, die ihr Grab besuchen: Der Grabstein ist nicht nur mit Schmetterlingen und dem gemeißelten Liebesschwur "Höchst geliebt – zu tiefst vermisst" verziert, sondern auch mit einem QR-Code.
Die Abkürzung steht für quick response (rasche Antwort). QR-Codes sind Mini-Quadrate mit kryptisch aussehenden Mustern, die immer häufiger in Anzeigen, auf Plakaten, in Zeitungen und Magazinen zu sehen sind. Mit einem Smartphone kann der Betrachter den Code scannen und die dazugehörige Website aufrufen. Eine Wohnungsannonce? Klick! Schon tauchen die Fotos der guten Stube auf dem Monitor auf. Ein Wahlplakat? Ein Klick, und das Facebook-Profil der Kandidatin erscheint.
Diese Technik nutzen nun auch die dänischen Steinmetze Gitte und Michael Røntved. Sie fügen eine drei mal drei Zentimeter große Steingutplatte mit dem QR-Code in den Granitstein ein. Die Hinterbliebenen können so die Erinnerungsseite des Verstorbenen aufrufen. Der Code an Joans Grab führt zu einer Webseite mit ihrer Todesanzeige, mit Gedenkworten von Familienangehörigen und Freunden, mit Fotos aus dem Leben der Toten. "Ich bin froh, dass ich mich dazu entschlossen habe. Das passt zu ihr", sagt Witwer Kaj Hansen.
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"In zehn Jahren werden Grabsteine ohne Code die Ausnahme sein", sagt Michael Røntved. Unklar ist, wem diese Erfindung nützen soll: Ein Witwer muss nicht ans Grab kommen, um Fotos seiner Liebsten zu sehen. Und will man, dass Wildfremde über die Friedhöfe streifen, um im Nachlass unbekannter Toter zu stöbern? "Die Begräbnissitten der Dänen streben in alle Richtungen", sagt die Anthropologin Naja Genet May.
Den Trend zur anonymen Bestattung gebe es ebenso wie den Wunsch, Tod und Gedenken zu inszenieren. "Die Vorstellung vom Leben nach dem Tod bekommt eine neue Dimension, wenn man auch nach dem Sterben noch seine Geschichte erzählen kann", sagt May. Die QR-Codes seien ein Spiegel des "modernen und mobilen Lebens". Wer sich zu Lebzeiten nicht scheue, private Dinge im Internet auszubreiten, nehme es wohl auch mit der letzten Ruhe nicht so ernst: Tot ist nur, wer keine Webseite hat.
Autor: Hannes Gamillscheg


