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11. Mai 2017 00:01 Uhr

Hanford

In einer US-Nuklearanlage brach ein Stollen zusammen

Sicherheitsalarm: Das Loch war ganze sechs mal sechs Meter groß aber wurde trotzdem nur durch Zufall entdeckt – und dadurch wurde vielleicht eine Katastrophe verhindert.

  1. Schild am Rande des Atommülllagers Hanford Site Foto: dpa

In einer Lagerstätte für hochgiftigen Atommüll im US-Bundesstaat Washington brach am Dienstag ein Stollen ein. Die marode Anlage steht bereits seit Jahren unter Beobachtung.

Der Einsturz löste hat einen großen Sicherheitsalarm aus. Zum Zeitpunkt des Unglücks in der stillgelegten Nuklearanlage Hanford Site befanden sich am Dienstag fast 5000 Mitarbeiter auf dem Gelände. Laut Behörden gab es keine Hinweise, dass in dem Lager, der größten Atommülldeponie auf dem amerikanischen Kontinent, Strahlung ausgetreten sei.

In Hanford wurde im Zweiten Weltkrieg das Plutonium für die Atombombe hergestellt, die von den USA kurz vor Kriegsende über der japanischen Stadt Nagasaki abgeworfen wurde. Das frühere Akw befindet sich 275 Kilometer südöstlich der Metropole Seattle am Fluss Columbia.

In dem etwa hundert Meter langen Stollen, der teilweise eingestürzt sei, befänden sich acht Waggons mit radioaktiv verseuchtem Material, erklärte das zuständige Ministerium. Der Tunnel führt demnach zu einem zweiten, längeren Tunnel mit 28 solcher Waggons. Das Loch muss nun schnell mit nicht kontaminiertem Erdreich geschlossen werden.

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Tausende Beschäftigte wurden angewiesen, das Gelände umgehend zu verlassen, wie eine Sprecherin des Ministeriums mitteilte. In direkter Nähe des eingestürzten Stollens hätten sich zu diesem Zeitpunkt aber nur weniger als ein Dutzend Mitarbeiter aufgehalten, erklärte die Ministeriumssprecherin weiter.

Möglicherweise sei der Erdeinbruch auf Vibrationen durch Straßenarbeiten in der Nähe zurückzuführen. Die Luft über dem Gelände werde mit Hilfe von Robotern auf Radioaktivität überprüft. Angestellte in weiter vom Unglücksort entfernten Einrichtungen wurden angewiesen, nicht nach draußen zu gehen, Lüftungsanlagen dicht zu machen und vorerst nichts zu trinken oder zu essen. Am frühen Nachmittag wurde ein Großteil der Beschäftigten nach Hause geschickt.

Das Atomkraftwerk in Hanford wurde 1987 stillgelegt. Die Dekontamination und Entsorgungsarbeiten sollen im Jahr 2060 abgeschlossen sein, die Kosten werden sich bis dahin auf mehr als 100 Milliarden Dollar (92 Milliarden Euro) belaufen.

Es ist nicht der erste Vorfall auf dem Gelände: Im Februar 2013 waren undichte Stellen an mindestens sechs unterirdischen Behältern für radioaktiven Müll entdeckt worden. Im vergangenen Jahr dann hatte ein riesiges Becken mit radioaktivem Müll ein Leck, das ein früherer Mitarbeiter als "katastrophal" bezeichnete. Das Energieministerium hatte eine weniger dramatische Einschätzung abgegeben: Das Leck sei "erwartet" worden, die Bemühungen zur Leerung des Behälters gingen voran, hieß es damals.

Wie die Seattle Times berichtet, forderten bereits im Januar die Abgeordneten des Bundesstaats Washington im US-Kongress von dem damals noch designierten US-Präsidenten Donald Trump in einem Brief, die Dekontaminierung des Geländes zur Chefsache zu machen und weitere Gelder für die laufenden Arbeiten zur Verfügung zu stellen.

Autor: AFP/msr