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08. Februar 2012
Ein Flughafen im Probelauf
Vier Monate vor Betriebsbeginn testen Komparsen den Airport Berlin Brandenburg.
BERLIN. Die ersten Kunden des Hauptstadtflughafens kommen mit Helm, schließlich sieht hier alles noch nach Baustelle aus. Dieter Koch schiebt seinen Gepäckwagen vorbei an Monteuren und Gerüsten. Der Berliner ist einer der Freiwilligen, die den Flughafen am Dienstag testen. Ganz zufrieden ist der Biesdorfer nicht, die Gepäckaufgabe dauert zu lange: "Wenn das ernst gewesen wäre, hätte ich meinen Flieger verpasst."
Es war aber nicht ernst. Die Betreiber haben noch bis zum 3. Juni Zeit, an Berlins neuem Tor zur Welt zu feilen – 10 000 Komparsen helfen dabei. Die Erwartungen an den Neubau vor der Stadtgrenze in Schönefeld sind groß, die Länder Berlin und Brandenburg versprechen sich 40 000 Arbeitsplätze. Die Lufthansa legt sich ins Zeug und will am drittgrößten deutschen Flughafen den Billigfliegern den Kampf ansagen. Der boomende Berlin-Tourismus verspricht gute Geschäfte. Ein Fehlstart würde sich da schlecht machen. Mit Schulungen wollen die Betreiber Blamagen wie die Kofferpanne von London-Heathrow vermeiden – als dort 2008 der neue Terminal öffnete, versagte die Gepäckanlage.Werbung
Am Flughafen Berlin Brandenburg (Beiname:Willy Brandt) läuft am Dienstag zunächst alles reibungslos ab, wie Probebetriebsmanager Christoph Aumüller sagt. Die 260 Testpersonen fallen kaum auf zwischen den 5000 Bauarbeitern, die alles klar machen für den geplanten Umzug von den bisherigen Flughäfen Tegel und Schönefeld – die werden schließen.
Bohrmaschinen dröhnen, Sägen kreischen, Megafone ersetzen Lautsprecherdurchsagen. Vorbei an rot-weißen Absperrbändern geht es zur Handgepäck-Kontrolle. "Ich habe alles gut gefunden", sagt die Köpenickerin Anni Klichowicz. Wie mehr als 20 000 Berliner und Brandenburger hat sie sich freiwillig als Testerin gemeldet. Im Sommer will sie erstmals vom Großflughafen abheben, nach Salzburg. Heute steht München auf ihrerBordkarte – doch der Gang durch den Terminal endet am Gate im Erdgeschoss mit einer "kleinen Enttäuschung", wie Flughafenchef Rainer Schwarz vorab angekündigt hat: Fliegen darf man noch nicht. Auch die versprochene Busfahrt über das verschneite Vorfeld fällt aus – wegen der Kälte. Für die Test-Pioniere ist der Tag trotzdem ein Erlebnis. "Ich war neugierig, und besser kann man den neuen Flughafen nicht kennenlernen", sagt Dieter Koch. Sein Blick schweift vom 700 Meter langen Hauptflügel aufs Rollfeld des 2,5-Milliarden-Euro-Baus. "Die Hauptstadt kann nicht kleckern", meint er. "Sie muss klotzen."
Rolf Mauersberger ist nicht so begeistert: Über sein Haus in Berlin-Bohnsdorf werden die Flugzeuge hinwegdonnern. "Irgendwo müssen sie ja lang", sagt er schulterzuckend. Er hat sich einen Test für die Lufthansa-Beschäftigten ausgedacht, die im Parka hinter dem spanplattenbewehrten Check-In-Schalter sitzt: Er verlangt einen Platz am Gang. Die Frau muss stornieren, braucht Hilfe. Es dauert.
Probebetriebsmanager Aumüller hat am ersten von 30 Testtagen schon Schwachstellen entdeckt. "80 Prozent der Komparsen haben gesagt, dass hinter den Sicherheitskontrollen kein Platz zum Anziehen ist." Und fast niemand habe bei der Passkontrolle die Beamten hinter der Glasscheibe verstanden.
Kleine Fehler sind gewollt, verlorene Bordkarten etwa. Einem Fluggast fischen die Sicherheitsbeamten ein Taschenmesser aus der Jacke – und übersehen eine Saftflasche. Das lässt Bundespolizeisprecher Olaf Wiese ernst werden. Er gibt sich optimistisch: "Seien sie sicher, dass sich der Fehler am 3. Juni nicht wiederholt."
Autor: dpa
