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07. Januar 2010

Ein Turm macht Werbung

In Bayern wird eines der letzten Projekte des Künstlers Hundertwasser eröffnet – für eine Brauerei.

  1. Der Hundertwasser-Turm in Abensberg: Rein kommt nur, wer auch die Brauerei des Bauherrn besichtigt. Foto: dpa

ABENSBERG (dpa). Er sieht aus wie ein Fantasiegebäude aus 1001 Nacht und soll eine der großen Touristenattraktionen Niederbayerns werden. Nach elfjähriger Planungs- und Bauzeit können von heute an Besucher den Hundertwasserturm in Abensberg besteigen. Der 35 Meter hohe Turm ist eines der letzten Projekte des im Jahr 2000 verstorbenen Künstlers Friedensreich Hundertwasser. Er soll vor allem das Aushängeschild einer Weißbierbrauerei werden.

Vom heutigen Donnerstag an will Bauherr Leonhard Salleck die ersten regulären Führungen durch den Märchenturm anbieten, Anfang März ist dann die offizielle Eröffnung geplant. Bis dahin war es für Salleck ein weiter Weg. Erst musste er Hundertwasser überzeugen, dann starb der weltberühmte Künstler mitten in der Planungsphase und schließlich hatten die Denkmalschützer wegen des benachbarten mittelalterlichen Stadtzentrums Einwände. Das auf dem Papier einst 70 Meter hohe Gebäude wurde auf die Hälfte gestutzt. Heute sagt Salleck, die damaligen Bedenken der Behörden seien nachträglich für ihn ein Glücksfall.   Ein 70-Meter-Turm hätte vermutlich alle Finanzkonzepte gesprengt und wäre kaum bezahlbar gewesen, glaubt Salleck heute.

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Die konkrete Investitionssumme für die realisierte 35-Meter-Variante nennt der Bauherr allerdings nicht, nachdem er in der Vergangenheit angefeindet wurde, weil er staatliche Zuschüsse für das Projekt bekommen hat. "Das ist das letzte Geheimnis des Turms", sagt Salleck über die Kosten.  

Der Hundertwasserturm soll in Zukunft in erster Linie als Marketinginstrument für Sallecks Weißbierbrauerei Kuchlbauer dienen. Der feinsinnige Brauereichef ist allerdings nicht nur ein Geschäftsmann, er begeistert sich schon lange auch für Kunst und erfüllt sich so mit dem neuen Abensberger Wahrzeichen auch einen Traum. Der 66-Jährige will den zentralen Bier-Kunst-Ort Bayerns schaffen.

Auf die Besucher wartet ein Gebäude, das so wirkt, als wäre es tatsächlich frisch einem Hundertwasser-Bild entsprungen. Ein bunter Märchenturm mit großen und kleinen Erkern und goldenen Dächern, in luftiger Höhe wuchern Bäume und Sträucher hervor. Oben thront eine vergoldete Kuppel, die – wie Salleck betont – tatsächlich eine gedrückte Kugel ist, unten sind selbst die Toiletten im Hundertwasser-Stil gekachelt. Im Turm können die Besucher eine Weißbierglas-Sammlung anschauen und etwas über die Braukunst lernen. Und: Hinein kommen nur Besucher, die auch eine Brauereiführung absolvieren. Für die anderen Gäste, die nur von unten schauen wollen, wird direkt an dem Turm ein Biergarten angelegt. "Es hat noch niemanden gegeben, der für einen Biergarten eine so attraktive Dekoration gemacht hat", scherzt Salleck. Abensbergs Bürgermeister Uwe Brandl (CSU) hofft nun auf einen Impuls für die Betriebe, Einzelhändler und Gastronomen in der Region.

Autor: dpa