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30. Januar 2014

ADAC

Erste außerordentliche Hauptversammlung nach 66 Jahren

ADAC beruft eine außerordentliche Hauptversammlung ein / Der Verein will sich noch in diesem Frühjahr reformieren / Weiterer Missbrauch der Luftrettung.

  1. Die Luftrettung des ADAC kommt nicht aus den Schlagzeilen. Foto: dpa

MÜNCHEN (AFP/dpa). Der in der Dauerkritik stehende ADAC will sich noch in diesem Jahr grundlegend reformieren. In diesem am Mittwoch von ADAC-Präsident Peter Meyer bekannt gegebenen Reformprozess sei auch eine personelle Neuaufstellung nicht ausgeschlossen, sagte ein Sprecher des Automobilclubs in München. Derweil wurden neue Fälle von Missbrauch der ADAC-Luftrettung bekannt: Ein Rettungshubschrauber trocknete einen Fußballplatz (siehe Box), ein Angehöriger flog mit einem ADAC-Jet nach Ägypten.

Um die Reform des mit rund 19 Millionen Mitgliedern größten Vereins Deutschlands zu beschließen, soll es in diesem Jahr die erste außerordentliche Hauptversammlung seit 66 Jahren geben. Der ADAC wolle einen Reformprozess einleiten, der "vorbehaltlos" die Struktur und Abläufe der Organisation auf den Prüfstand stelle, erklärte Meyer.

Ein ADAC-Sprecher sagte, das Präsidium wolle eine Reform mit allen Konsequenzen. Er könne nicht ausschließen, dass dies auch personelle Konsequenzen nach sich ziehe. Bislang hat die ADAC-Spitze trotz des Manipulationsskandals beim Autopreis gelber Engel Rücktritte ausgeschlossen.

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Meyer erklärte, "wir sind von den aktuellen Ereignissen tief betroffen und überzeugt, dass nur ein umfassendes Maßnahmenpaket die Glaubwürdigkeit des ADAC wieder herstellen kann". Das Reformpaket soll auf der außerordentlichen Hauptversammlung, die kurz nach der im Mai anstehenden regulären Hauptversammlung stattfinden soll, zur Umsetzung kommen.

Laut Meyer umfasst die geplante Reform eine Überprüfung der Führungsgremien, der Vereinsstruktur und wirtschaftlichen Aktivitäten, eine wesentliche Verbesserung der Transparenz und deutlich stärkere Einbindung der Mitglieder. Der Reformprozess solle von unabhängigen, externen Experten begleitet werden. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) kündigte an, mit dem ADAC reden zu wollen.

Derweil gibt es weitere Ungereimtheiten bei den Einsätzen der Luftrettung des ADAC. Der ADAC-Sprecher bestätigte Berichte der Bild-Zeitung und des Berliner Tagesspiegel (Mittwochsausgaben), wonach der Sohn einer ADAC-Geschäftsführerin sich zusammen mit einem Freund in einem Ambulanzflugzeug nach Ägypten fliegen ließ. Die beiden hatten zuvor ihren regulären Ferienflieger verpasst. Nach Bekanntwerden des Vorfalls unterschrieb die Frau dann im Februar vergangenen Jahres einen Auflösungsvertrag.

Die Enthüllungen über manipulierte Abstimmungen und Dienstflüge mit dem Rettungshubschrauber kratzen nach einer vom Magazin Stern veröffentlichten Forsa-Umfrage auch am Bild des ADAC. Inzwischen haben 47 Prozent der Deutschen demnach eher geringes (29 Prozent) oder sogar nur sehr geringes (17 Prozent) Vertrauen in den Club. Und sieben Prozent der Mitglieder überlegen, den Pannendienst zu verlassen – bei rund 19 Millionen Clubmitgliedern wären das etwa 1,3 Millionen Autofahrer.

Autor: dpa