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09. Februar 2012
Medikamentenrückstände
EU will Abwasser strenger überwachen
Ein Monitoring soll zeigen, wo sich Arzneimittelrückstände in der Natur sammeln.
BERLIN. Das Schmerzmittel Diclofenac findet sich in vielen deutschen Hausapotheken – 14 Millionen Mal wurde es laut AOK alleine 2010 verordnet. Aus Sicht des Umweltbundesamts (UBA) gehört es zu den Arzneimitteln, deren Vorkommen in der Natur mit einem sogenannten Monitoring strenger überwacht werden soll. Denn Arzneirückstände im Abwasser belasten die Umwelt.
Diclofenac könne bei Fischen Nierenschädigungen hervorrufen, erklärt das UBA. Es begrüßt deshalb die Entscheidung der Europäischen Kommission, dieses Mittel in die Liste der Arzneistoffe aufzunehmen, die strenger überwacht werden sollen. Dazu zählen zum Beispiel auch Östrogene aus Antibaby-Pillen.Durch die menschliche Ausscheidung gelangen täglich mehrere Tonnen Arzneiwirkstoffe ins Abwasser und damit in die Umwelt. Zudem werfen viele Bürger Medikamente, die sie nicht mehr brauchen, in die Spüle, ins Waschbecken oder ins WC. Das führt dazu, dass neben der unvermeidlichen Belastung der Umwelt durch die Ausscheidungen Jahr für Jahr mehrere hundert Tonnen Wirkstoffe zusätzlich im Abwasser landen.
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Die Kommission und das UBA wollen deshalb erreichen, dass künftig geprüft wird, wo sich besondere Konzentrationen von Rückständen in der Umwelt zeigen. "Eine bessere Überwachung soll helfen, Belastungsschwerpunkte und ökologische Auswirkungen von Medikamenten zu erkennen und die medizinische Versorgung umweltverträglicher zu gestalten", sagt UBA-Präsident Jochen Flasbarth.
Wo sich eine erhöhte Konzentration zeige, solle die örtliche Kläranlage so umgerüstet werden, dass Rückstände nicht in die Flüsse geraten. Über diese sogenannte vierte Reinigungsstufe wird schon seit geraumer Zeit in der Fachwelt diskutiert. Ob und wie stark sich damit Abwasser von Arzneistoffen reinigen lassen, ist allerdings nicht verlässlich geklärt. Was es kostet, die vierte Stufe in eine Anlage einzubauen, kann der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft nicht sagen.
Einen Hinweis liefern Erfahrungen aus München. Dort beschloss die Stadt vor einigen Jahren, die Isar zu einem ungetrübten Quell sommerlichen Badevergnügens zu machen. Deshalb wurden entlang des Flusses Kläranlagen mit einem Verfahren ausgerüstet, das der vierten Stufe entspricht. Nach Angaben der Stadt betragen die laufenden Kosten dieser Abwasserreinigung 1,5 Cent je Kubikmeter. Statt mit großem Aufwand und viel Geld das Abwasser zu reinigen, wäre es besser, Arzneien kämen erst gar nicht hinein. Die allermeisten Medikamente dürfen über den Hausmüll entsorgt werden, die meisten Apotheker nehmen sie ebenfalls zurück, wie Stefan Möbius von der Landesapothekerkammer sagt.
Doch selbst wenn niemand mehr Arzneien unsachgemäß entsorgte – wegen der unvermeidlichen Ausscheidungen lässt sich das Problem auf diese Weise nicht gänzlich lösen. Früher oder später steht eine politische Entscheidung an – die Entscheidung, ob die Bürger bereit sind, für den Schutz der Umwelt die Kosten zu bezahlen, die mit der vierten Reinigungsstufe verbunden sind.
Autor: Bernhard Walker


