Glosse

Mädchen sollen mit Barbie Technik erlernen – Waschmaschinen

Ines Alender

Von Ines Alender

Do, 19. April 2018 um 14:32 Uhr

Panorama

Gleichberechtigung und Geschlechtergerechtigkeit sind 2018 auf dem Höhepunkt angelangt. Jetzt darf auch die Barbie handwerkern. In plüschigem Rosa natürlich.

Da waren wir schon so weit gekommen. Die meisten Männer können eine Waschmaschine bedienen, immer mehr teilen sich die Erziehungsaufgaben mit ihrer Partnerin. Frauen arbeiten, auch wenn sie Kinder haben, manche interessieren sich für Fußball. So ist das 2018. Der Kampf um die Gleichberechtigung trägt Früchte, aber nicht überall. So ist es mühsam, Kinderklamotten in geschlechtsneutralen Farben zu finden. Gefühlt 95 Prozent aller Hemdchen, Bodys und Hosen schimmern in zarten Rosa- und Blautönen. Grün? Gelb? Rot? Fehlanzeige.

Weiter geht es beim Spielzeug. Wer Spielzeugkataloge wälzt (beispielsweise den von Jakoo), kommt ins Staunen. Da gibt es ganze Seiten nur für Jungs, andere nur für Mädchen. Für die Jungs wird eine Werkbank angepriesen, für Mädchen Bastel- und Nähutensilien. Manche Hersteller haben gar getrennte Produktlinien – wie Sigikid "Papa & me". Darunter fällt zum Beispiel eine Plüschbohrmaschine.

Noch schöner: der Barbie-Experimentierkasten des Kosmos-Verlags. Mädchen sollen damit an die MINT-Themen herangeführt werden, an Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Netter Versuch, aber leider nicht zu Ende gedacht. Denn: Zusammenbauen dürfen die handwerklich geschickten Mädels einen drehbaren Kleiderständer, ein rotierendes Schuhregal und eine Waschmaschine.

Da läuft selbst die der Genderdebatte entspannt gegenüberstehende Mutter rosa an. Und die Jury des Goldenen Zaunpfahls, die mit ihrem Negativpreis auf Geschlechterklischees in der Werbung hinweisen will, konnte nicht anders. Der Kasten sei in dieser Hinsicht preiswürdig, teilten sie mit, weil er unter dem Deckmantel der Gleichstellung daherkomme, aber "mal wieder Schönheit, Konsum und Mode als weibliche (Haupt-)Interessen in den Vordergrund" stelle. Mit dem Produkt werde unterstellt, dass sich Mädchen nur für Technik interessieren, wenn sie rosa verpackt werde. Der Hersteller erklärte, man habe die Fans nur in "ihrer bekannten Spielwelt" abholen wollen.