Pädophilenring zerschlagen

Missbrauchsfall im Raum Freiburg führte Ermittler zu weiteren Verbrechen

Joachim Röderer, bz

Von Joachim Röderer & BZ-Redaktion

Do, 11. Januar 2018 um 21:26 Uhr

Südwest

Das Landeskriminalamt spricht vom schwerwiegendsten Fall sexuellen Missbrauchs, den die Behörde je bearbeitet hat. Eine Mutter soll ihren Sohn seit 2015 gegen Geld Männern zur Vergewaltigung angeboten haben.

Polizei und Staatsanwaltschaft haben in Südbaden einen Pädophilenring zerschlagen. Acht Tatverdächtige sitzen nach Ermittlungen im In- und Ausland unter anderem wegen schweren sexuellen Missbrauchs in Untersuchungshaft. Darunter befindet sich eine 47 Jahre alte Mutter aus dem Raum Freiburg. Sie soll ihren neunjährigen Sohn seit 2015 gegen Geld Männern zur Vergewaltigung angeboten haben. Das Landeskriminalamt spricht vom schwerwiegendsten Fall sexuellen Missbrauchs, den die Behörde bislang bearbeitet hat.

Staatsanwaltschaft, Landeskriminalamt und Polizeipräsidium Freiburg haben den schockierenden Fall am Donnerstag per Pressemitteilung öffentlich gemacht. Danach war beim Bundeskriminalamt am 10. September 2017 der Hinweis eines anonymen Informanten eingegangen – das LKA und die Zentralstelle für Internetermittlungen der Generalbundesanwaltschaft Frankfurt machten sich sofort an die Arbeit.

Polizeisprecherin Laura Riske zum Fall



Die Ermittler kamen schnell auf die Spur einer 47-jährigen Mutter, die aus der Region Freiburg stammt, und deren zehn Jahre jüngeren Lebensgefährten. Dieser ist laut Polizei einschlägig vorbestraft. Das Paar soll zwei Jahre lang den neun Jahre alten Sohn der Frau verschiedenen Männern gegen Geld angeboten haben. Die Tatorte liegen zwischen der südlichen Ortenau und im Breisgau südlich von Freiburg, wo die Mutter und ihr Freund zuletzt lebten. Kripo und Staatsanwaltschaft sprechen von einer Vielzahl von Fällen. Das Kind sei mehrfach missbraucht und vergewaltigt worden.

Mutter und Freund waren teilweise direkt beteiligt

Teilweise seien die Mutter und ihr Freund sogar direkt beteiligt gewesen und hätten die Straftaten gemeinsam mit anderen begangen. Auch seien sie gewalttätig gegen den Neunjährigen geworden und hätten diesen bedroht. Die ans Licht gekommenen Details und die Dimension der Taten setzten auch den Ermittlern zu: "Die Arbeit war sehr belastend", sagte Oberstaatsanwalt
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Michael Mächtel am Donnerstag der BZ. Bereits fünf Tage nach dem anonymen Hinweis konnten die Fahnder Mitte September das Martyrium des Kindes beenden und den Jungen in staatliche Obhut geben. Die Mutter und ihr Freund kamen in U-Haft, ebenso ein ebenfalls tatverdächtiger 40 Jahre alter Mann aus dem Raum Freiburg.

Festnahmen auch in Spanien und Österreich

Der Fall zog auch international Kreise. In Haft sitzt seit Oktober ein 49 Jahre alter Deutscher, der als Soldat beim 291. Jägerbataillon der Deutsch-Französischen Brigade in Illkirch-Grafenstaden im Elsass stationiert war. Ein 32 Jahre alter Spanier wurde in seinem Heimatland festgenommen. Bei einem 37-jährigen Schweizer klickten die Handschellen in Österreich, wo er ausfindig gemacht wurde. Die beiden ausländischen Tatverdächtigen sind vor wenigen Tagen nach Deutschland überstellt worden.

Der Fall dehnte sich jedoch noch aus und führte die Ermittler zu weiteren Verbrechen. Es folgten zwei weitere Festnahmen. Ein Tatverdächtiger wurde bereits am 3. Oktober nach vorangegangenen verdeckten Ermittlungen des LKA in Karlsruhe von Spezialkräften festgenommen.
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Ein 43 Jahre alter Mann aus Schleswig-Holstein war eigens nach Karlsruhe gereist, wo er den neun Jahre alten Jungen aus dem Raum Freiburg sexuell missbrauchen wollte. Nach Erkenntnissen der Ermittler soll der Verdächtige zuvor Tötungsfantasien im Zusammenhang mit einem Kindesmissbrauch geäußert haben. Bei seiner Festnahme hatte der Mann einen Rucksack mit Fesselutensilien dabei, so das LKA.

Bei den weiteren Ermittlungen des Landeskriminalamts konnte auch Filmmaterial sichergestellt werden, das den sexuellen Missbrauch eines Mädchens zeigt. Als mutmaßlichen Täter haben die Ermittler den Vater des Opfers identifiziert. Es handelt sich um einen 32 Jahre alten Mann aus Schleswig-Holstein. Auch dieser Verdächtige sitzt seit 3. November in Untersuchungshaft. Der Mann wurde an seinem Wohnort festgenommen.

Die Ermittlungen laufen weiter. So werden auch die Computer der Festgenommenen untersucht. Im Moment, so Oberstaatsanwalt Mächtel, deute nichts daraufhin, dass es noch weitere Tatverdächtige gibt.
Breisgauer Pädophilenring

  • die 47 Jahre alte Mutter des missbrauchten Kindes, deutsche Staatsangehörige
  • der 39 Jahre alte Lebensgefährte der Mutter, deutscher Staatsangehöriger
  • ein 40-jähriger Deutscher aus dem Großraum Freiburg
  • ein 37 Jahre alter Schweizer, der in Österreich verhaftet wurde
  • ein 32-jähriger Spanier, der in seinem Heimatland gefasst wurde
  • ein 49 Jahre alter deutscher Soldat, der in seiner Kaserne der deutsch-französischen Brigade im Elsass festgenommen wurde
  • ein 43-Jähriger aus Schleswig-Holstein, der den Jungen aus Staufen missbrauchen und foltern wollte und im Oktober in Karlsruhe verhaftet wurde
  • ein 32-Jähriger aus Schleswig-Holstein, der seine eigene Tochter missbraucht haben soll