Opulente Tradition, dezente Politik

Matthias Röder (dpa)

Von Matthias Röder (dpa)

Sa, 10. Februar 2018

Panorama

Schwuler Ministerpräsident und Menschenrechtsaktivistin setzen Akzente auf Wiener Opernball.

WIEN. Zwei junge Regierungschefs im Publikum, eine halbnackte Demonstrantin und ein zufriedener Hollywood-Star: Der 62. Wiener Opernball war eine prunkvolle Party mit mal dezenten, mal derben politischen Signalen. Für Aufsehen sorgte eine Femen-Aktivistin. Mit schwarzem Rock und langen Handschuhen, aber vom Kinn bis zum Bauchnabel textilfrei enterte die 25-Jährige den roten Teppich vor der Oper. Ihre Forderung: Der ukrainische Staatschef Petro Poroschenko solle verschwinden. Mehrere Polizisten griffen ein. Die Dame muss sich wegen Anstandsverletzung verantworten. Poroschenko gehörte zu den Prominenten aus der Politik, die auf dem diesjährigen Opernball auffallend präsent waren. Der 52-jährige Poroschenko war Gast von Österreichs Staatsoberhaupt Alexander Van der Bellen.

Mit Interesse wurde das Ball-Debüt von Neukanzler Sebastian Kurz verfolgt. Der hatte mit dem irischen Ministerpräsidenten Leo Varadkar nicht nur einen schwulen Mann in seine Loge eingeladen, sondern auch einen Vertreter der neuen Politikergeneration. Kurz ist 31, Varadkar 39 Jahre alt. Susanne Thier, die Freundin von Kurz, musste auf einen Tanz mit ihrem Lebensgefährten verzichten. "Ich bin kein großer Ballgeher, und ich bin vor allem ein schlechter Tänzer", meinte Kurz.

In der Kanzlerloge saß auch die Menschenrechtsaktivistin Waris Dirie. Sie warb für eine bessere Bildung afrikanischer Frauen, damit sie sich gegen die brutale Tradition der Genitalverstümmelung wehren können. Neben Kurz kamen weitere Kabinettsmitglieder der neuen ÖVP-FPÖ-Regierung. Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zog dagegen den Skiurlaub vor.

Melanie Griffith, die Begleiterin von Unternehmer Richard "Mörtel" Lugner war bezaubert vom Wiener Glanz. "Sie ist eine der wundervollsten Begleitungen, die ich je hatte. Ein Traum von einem Gast", lobte der 85-jährige Lugner. Dennoch reichte es den beiden nicht zum gemeinsamen Tanz.