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17. Februar 2017 00:00 Uhr

Mongolei

Seltene Saiga-Antilope in Existenz bedroht

Ein Virus könnte die Mongolische Saiga-Antilope ausrotten. Die Tiere mit der Rüsselnase sterben innerhalb weniger Tage nach den ersten Symptomen. Auch die Viehzucht der Nomaden ist in Gefahr.

  1. Dem harten Winter in der Mongolei fallen viele Tiere zum Opfer. Foto: dpa

Experten schlagen Alarm, dass die seltene Unterart der Saiga-Antilope aussterben könnte – mit schweren Folgen für das Ökosystem des mongolischen Graslandes. Rund 40 Prozent der 10 000 der im Westen des Landes noch lebenden Saigas sind diesen Winter bereits verendet. Tausende mehr könnten dem Virus in den nächsten Wochen noch zum Opfer fallen. Es ist der erste bekannte Ausbruch der sogenannten "Pest der kleinen Wiederkäuer". Bis zu 90 Prozent der infizierten Tiere sterben an der Krankheit, die mit der Rinderpest eng verwandt ist.

"Die hohe Sterblichkeit deutet darauf hin, dass die Saigas sehr empfindlich auf die Krankheit reagieren", berichtet Amanda Fine, Tierärztin der Wildlife Conservation Society. "Die Infektion löst eine virale Lungenentzündung aus." Außer den Atemwegen sei der Magen-Darm-Trakt betroffen. "Die Tiere sterben wenige Tage nach den ersten klinischen Zeichen durch Dehydrierung und Schwäche, was durch die Krankheit verursacht wird."

Die Tierseuche war im September erstmals in der Mongolei unter Ziegen und Schafen ausgebrochen. Vermutlich hatten Tiere aus China das Virus eingeschleppt. Besonders in der Paarungszeit im Winter stünden die Saigas in Gruppen zusammen, so dass sich das Virus durch den engen Kontakt verbreiten könne.

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Die Saiga-Antilopen sind ohnehin schon bedroht: In der traditionellen chinesischen Medizin sind ihre besonderen Hörner beliebt und die Tiere daher durch Wilderei bedroht. Auch konkurriert die Antilope mit der charakteristischen rüsselartigen Nase mit anderen Tieren um Weideland und Nahrung.

Verschwinden die Saigas, ist auch das Gleichgewicht des mongolischen Graslandes in Gefahr. Wenn ein wesentlicher Pflanzenfresser verschwinde, verändere sich das Ökosystem, erklärt Professor Richard Kock vom Londoner Royal Veterinary College, der im Krisenstab der UN-Landwirtschaftsorganisation (FAO) und der Weltorganisation für Tiergesundheit gegen die Seuche kämpft.

Experten fürchten, dass sich die Krankheit auf andere Wildtiere oder noch weiter unter den 55 Millionen Stück Vieh ausbreiten könnte, von denen das Einkommen und Leben vieler Mongolen abhängt. Mit seinen 22 Millionen Ziegen ist das Land der zweitgrößte Produzent von Kaschmirwolle.

"Das Virus verbreitet sich seit einigen Jahren in Asien aus – trotz Impfungen, die allerdings auch weitgehend unkoordiniert, sporadisch und unwirksam waren", sagt Bouna Diop von der FAO. Er fordert entschlossenes Handeln, weil sich die Krankheit sonst vom Westen der Mongolei in den Osten und die Mitte ausbreiten könnte. Um wirksam gegen das Virus anzugehen, müssten die tiermedizinischen Möglichkeiten auf allen Ebenen in der Mongolei ausgebaut und das Ausmaß der Krankheit besser erfasst werden, fordert FAO-Experte Diop.

Das Virus, das die Population der Saiga-Antilopen bedroht, ist nicht das einzige Problem in der Mongolei. Wegen eines ungewöhnlich harten Winters fürchtet das Rote Kreuz um die Existenz von mehr als 150 000 mongolischen Nomaden und deren Viehherden. Die Hilfsorganisation rief am Donnerstag in Peking zu Spenden auf, um Betroffenen zu helfen, die unter einem extremen Wetterphänomen namens "Dsud" leiden.

Hierbei folgt eine Dürre im Sommer auf einen extrem kalten Winter mit Temperaturen von bis zu minus 50 Grad. Laut Rotem Kreuz kam es in der Mongolei alle zehn bis zwölf Jahre zu diesem Phänomen. Wegen des Klimawandels hätten sich die Abstände zwischen den extremen Wetterlagen aber immer weiter verkürzt.

Nun wird die Mongolei bereits das zweite Jahr infolge vom Dsud heimgesucht, weshalb bereits im vergangenen Winter mehr als eine Million Tiere in der Kälte verendeten. Viele Nomaden werden auch in diesem Jahr ihre Herden verlieren und keine andere Wahl haben, als sich in eines der Armutsviertel der Hauptstadt Ulan-Bator zu flüchten, sagte Gwendolyn Pang vom Roten Kreuz in Peking.

Autor: dpa