Pädophilenring im Breisgau

Täter haben den Missbrauch des neunjährigen Jungen gefilmt

Joachim Röderer, aktualisiert um 13.12 Uhr

Von Joachim Röderer & aktualisiert um 13.12 Uhr

Fr, 12. Januar 2018 um 13:05 Uhr

Südwest

Im Fall des gesprengten Pädophilenrings im Breisgau kommen neue Details ans Licht. Die Täter sollen den Missbrauch gefilmt haben. Ermittler sagen, dass sie das Material sicherstellen konnten.

Durch monatelange internationale Ermittlungen konnten Polizei und Staatsanwaltschaft einen Pädophilenring im Raum Freiburg sprengen. Insgesamt acht Tatverdächtige sitzen in Haft. Darunter eine 47 Jahre alte Mutter, die gemeinsam mit ihrem 39-jährigen Lebensgefährten den neun Jahre alten Sohn der Frau im sogenannten Darknet gegen Geld zur Vergewaltigung angeboten haben. Die Freier sollten laut Oberstaatsanwalt Michael Mächtel mehrere tausend Euro an das Paar gezahlt haben.

Einer der mutmaßlichen Täter soll eigens aus Spanien in den Breisgau gereist sein, um sich an dem Kind zu vergehen. Dieser Mann ist im Zuge der Ermittlungen in seinem Heimatland festgenommen und kurz vor Weihnachten an die Staatsanwaltschaft Freiburg überstellt worden. Die Polizei fand auf elektronischen Speichermedien der Verhafteten auch Filmmaterial der Straftaten, wie die Ermittler auf Anfrage sagten.

Der Junge soll seit 2015 missbraucht worden sein

Die Staatsanwaltschaft spricht von einer Vielzahl von Fällen des schweren sexuellen Missbrauchs, die sich über eine Zeit von drei Jahren hingezogen haben sollen. Am 10. September des vergangenen Jahres bekam das Bundeskriminalamtes einen anonymen Hinweis. So kamen die Ermittler auf die Spur des Pädophilenrings. Der neunjährige Junge konnte schon wenige Tage später aus der Familie genommen werden. Es befindet sich seither in Obhut des Jugendamtes.

"Wenn sich das bewahrheitet, dann ist das natürlich ein riesiger Schock." Bürgermeister der Heimatgemeinde
Die Mutter und ihr Lebensgefährte lebten in einer ländlichen Gemeinde im südlichen Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Der 39-jährige Mann ist laut Ermittlern einschlägig vorbestraft und habe eine Gefängnisstrafe wegen sexuellem Missbrauch verbüßt. Nach Angaben der Polizei wurde er im Februar 2014 aus der Haft entlassen. Die Mutter hat bislang noch keine Vorstrafen. Das Paar soll das Kind den Freiern nicht nur zugeführt haben, sondern auch selbst am Missbrauch beteiligt gewesen sein, so die Staatsanwaltschaft.

Im September wurden Mutter und Lebensgefährte verhaftet

Die Mutter und ihr Freund sind Mitte September in ihrer Heimatgemeinde durch ein Sondereinsatzkommando verhaftet worden. Der Zugriff erfolgte an einem Samstagnachmittag an einem Supermarkt und sorgte damals für großes Aufsehen. In der Gemeinde spricht sich nun herum, was der Hintergrund der Verhaftung war und wie massiv die Anschuldigungen sind. "Wenn sich das bewahrheitet, dann ist das natürlich ein riesiger Schock", sagte der Bürgermeister am Freitagmorgen der Badischen Zeitung.

Eine der Fragen wird sein: War die Familie dem Jugendamt Breisgau-Hochschwarzwald schon vor der Verhaftung der Mutter und ihres Lebensgefährten bekannt? "Wir können derzeit nur bestätigen, dass sich das Kind seither in unserer Obhut befindet", sagte Matthias Fetterer, der Sprecher des Landkreises, auf BZ-Nachfrage. Ob es vor der Festnahme schon einen Kontakt gegeben habe, dazu wollte er sich nicht äußern.
Breisgauer Pädophilenring

  • die 47 Jahre alte Mutter des missbrauchten Kindes, deutsche Staatsangehörige
  • der 39 Jahre alte Lebensgefährte der Mutter, deutscher Staatsangehöriger
  • ein 40-jähriger Deutscher aus dem Großraum Freiburg
  • ein 37 Jahre alter Schweizer, der in Österreich verhaftet wurde
  • ein 32-jähriger Spanier, der in seinem Heimatland gefasst wurde
  • ein 49 Jahre alter deutscher Soldat, der in seiner Kaserne der deutsch-französischen Brigade im Elsass festgenommen wurde
  • ein 43-Jähriger aus Schleswig-Holstein, der den Jungen aus Staufen missbrauchen und foltern wollte und im Oktober in Karlsruhe verhaftet wurde
  • ein 32-Jähriger aus Schleswig-Holstein, der seine eigene Tochter missbraucht haben soll

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