Tödliche Wassermassen auf Mallorca

dpa

Von dpa

Do, 11. Oktober 2018

Panorama

Mindestens zehn Menschen kommen nach einem Unwetter auf der Insel ums Leben / Auf Sardinien stürzt eine Brücke ein.

PALMA (dpa). Ein verheerendes Unwetter mit sintflutartigem Regen hat auf Mallorca mindestens zehn Menschen getötet. Sturzregen verwandelte mancherorts Straßen innerhalb kürzester Zeit in reißende Flüsse. Unter den Todesopfern seien zwei Urlauber aus Großbritannien, teilte ein Sprecher der Polizeieinheit Guardia Civil am Mittwoch mit. Drei Menschen wurden am Nachmittag von Rettungskräften lebend gefunden, sie hatten sich in einen alten Bahnhof gerettet. Ein Kind wurde am Abend nach Angaben des Notdienstes der Balearen noch vermisst.

"Was ich hier heute gesehen habe, das ist schlimmer als Krieg. Es ist eine Katastrophe", zitierte das Mallorca Magazin den Deutschen Thomas Wenzel, der seit mehr als 20 Jahren in dem vom Unwetter besonders betroffenen Sant Llorenç des Cardassar im Osten Mallorcas wohnt. In dem Ort gab es mehrere Todesopfer. Innerhalb von nur zwei Stunden stürzten dort am Dienstagabend nach Angaben des Wetterdienstes 233 Liter Wasser pro Quadratmeter vom Himmel.

Die Wassermassen verwandelten Straßen innerhalb von Minuten in reißende Flüsse. Zahlreiche Autos wurden mitgerissen und Häuser unter Wasser gesetzt, wie auf Bildern und Videoaufnahmen von Medien und des meteorologischen Dienstes der Balearen zu sehen war. Bewohner versuchten verzweifelt, das Wasser mit Eimern aus ihren Häusern zu bekommen.

Betroffene erzählten von dramatischen Augenblicken: "Ich bin ums Überleben geschwommen", sagte ein junger Mann im spanischen Fernsehen. Rentner Manuel Torescussa wurde von den Wassermassen in der Nähe der Stadt in seinem Auto erwischt. "Ich konnte gerade noch aus einem Fenster ins Freie klettern und musste dann 500 Meter schwimmen, fast meine gesamte Kleidung blieb dabei an einem Metallzaun hängen", erzählte er der Zeitung Diario de Mallorca.

"Es war fürchterlich. Gegen 18 Uhr hat es begonnen wie aus Eimern zu schütten, immer mehr und immer mehr", sagte der gebürtige Münchner Kurt Kuhl von der Hoeden, der im ebenfalls im Osten der Insel gelegenen Son Servera Ferienwohnungen vermietet. Alles sei braun und voller Schlamm. "Die Kanalisation auf Mallorca ist – anders als in Deutschland - ausschließlich auf Schönwetter angelegt", erklärte er. Die zwei Briten starben den Angaben zufolge in Son Servera, als sie im Taxi von den Fluten überrascht wurden.

Sieben Landstraßen waren am Mittwochnachmittag nach Angaben der Behörden noch unbefahrbar, einige Ortschaften ohne Strom- und Wasserversorgung und von der Außenwelt weitgehend abgeschnitten. Überall entwurzelte Bäume, heruntergerissene Stromleitungen und Verkehrsschilder, zerstörte Häuser und Felder, umgekippte und aufeinandergetürmte Fahrzeuge. Ein TV-Reporter vor Ort sprach von "gespenstischen Skulpturen".

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez flog am frühen Nachmittag auf die Insel, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Dabei lobte er vor allem die unermüdliche Arbeit der Einsatzkräfte und versprach, dass die Regierung der Region helfen werde, die zerstörten Gebiete wiederaufzubauen. Auch das spanische Königshaus sprach den Betroffenen via Twitter seine Solidarität aus.

Auch auf Sardinien haben schwere Regenfälle zu heftigen Überschwemmungen geführt. Eine Überführung über einem Fluss hielt der Wucht der Wassermassen nicht stand und stürzte ein, wie auf Bildern der Polizei und Feuerwehr zu sehen war. Der Abschnitt der Verbindungsstraße zwischen der Hauptstadt Cagliari und der Gemeinde Capoterra war zum Zeit des Einsturzes bereits gesperrt, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Durch das Unwetter war die am Ufer entlangführende Staatsstraße bereits auf einem anderen Abschnitt beschädigt worden.

"Für mich ist das einzige, was in diesem Moment zählt, dass es keine Verletzten gegeben hat, die Schäden lassen sich reparieren", zitierte Ansa den Bürgermeister von Capoterra, Francesco Dessì. Seine Gemeinde war am schlimmsten von den Überschwemmungen betroffen, wie die Feuerwehr twitterte.