Mensch und Maschine

Uni Darmstadt erforscht, wie Roboter in der Arbeitswelt auf Menschen wirken

Ira Schaible

Von Ira Schaible (dpa)

Fr, 25. Mai 2018 um 20:26 Uhr

Panorama

Elenoide ist eine Frau, eine Roboterfrau. Und sie sieht einem Menschen zum verwechseln ähnlich. Ob das am Arbeitsplatz gut geht, will die Uni Darmstadt nun herausfinden.

Auf dem Zeitsprungkongress der Technischen Universität (TU) Darmstadt und des hessischen Wissenschaftsministeriums ist am Freitag ein in Japan entwickelter Roboter vorgestellt worden, der einem Menschen zum Verwechseln ähnlich sieht und in Europa einzigartig ist. Die TU möchte erforschen, wie Roboter in der Arbeitswelt auf menschliche Kollegen wirken.

"Es ist schon ein bisschen unheimlich. Ich finde es besser, wenn ein Roboter wie ein Roboter aussieht." Gabriele Prinz, Statistikerin

Der Roboter ist eine Frau, heißt Elenoide und ist 1,70 Meter groß. Ihre schulterlangen, mittelblonden Haare sind zum Teil echt. Sie kann ihr Gesicht, ihre Arme, Hände und Finger bewegen – und ein wenig ihre Hüfte. Der Roboter ist nach Darstellung von Fachleuten in Europa einzigartig und kann sprechen, lachen und manche Gefühle ausdrücken. Nur laufen kann das 45 Kilogramm schwere Unikat noch nicht. "Dafür bräuchte sie eine Pressluftflasche", sagte Robotikexperte Johannes Völker von der TU Darmstadt. Denn die Motoren, die Elenoides Bewegungen möglich machten, würden mit Druckluft betrieben.

Faszination und Unbehagen

Bei ihrer Vorstellung löst Elenoide bei Bürgern und Fachleuten sowohl Faszination als auch Unbehagen aus. Viele machen ein Selfie mit der Roboterfrau, die sogar warme Hände aus Silikon hat. Ein kalter Händedruck schrecke viele ab, erklärt Projekt-Initiatorin Ruth Stock-Homburg. Im Frühjahr 2019 werde Elenoide voraussichtlich "halbwegs autonom" sein und sich mit Menschen unterhalten können, sagt Stock-Homburg. Die Kosten für die Anschaffung beziffert sie auf 400 000 bis 500 000 Euro.

Das Pharma- und Spezialchemieunternehmen Merck will Elenoide in allen typischen Arbeitsbereichen testen, um geeignete Arbeitsfelder für Roboter zu finden – wie möglicherweise an der Rezeption des Unternehmens, berichtet Dietmar Eidens von der Geschäftsführung. Aber es gehe auch darum, die Belegschaft auf den Einsatz neuer Technologien vorzubereiten.

Japanischer Professor erschuf sich Ebenbild

Statistikerin Gabriele Prinz schwankt beim Anblick des menschenähnlichen Roboters zwischen Faszination und Unbehagen: "Es ist schon ein bisschen unheimlich. Ich finde es besser, wenn ein Roboter wie ein Roboter aussieht", sagt sie. Dies gelte besonders für den Roboter, den gerade der japanische Wissenschaftler Professor Hiroshi Ishiguro per Videokonferenz aus Osaka vorgestellt hat. Er ist ein Ebenbild des auf soziale Interaktion mit Robotern spezialisierten Wissenschaftlers. Der maschinelle Doppelgänger Ishiguros trägt sogar das gleiche Hemd wie sein Vorbild, wirkt aber deutlich jünger und statischer.