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07. Februar 2012 00:03 Uhr
Seltenes Schauspiel
USA erleben eine Invasion der Schneeeulen
Harry-Potter-Fans sind begeistert, Vogelfreunde sowieso: Die USA erleben eine Invasion von Schneeeulen bis in die südlichen Bundesstaaten hinein.
Die stattlichen weißen Zugvögel mit den leuchtend gelben Augen leben in der Arktis und werden im Winter gewöhnlich vereinzelt im Norden des Landes gesichtet – entweder an einer der beiden Küsten oder in den Great Plains östlich der Rocky Mountains. "Jetzt sind sie plötzlich im ganzen Land, das ist sehr ungewöhnlich", sagt Norman Smith, Direktor des Blue Hills Trailside Museums in Massachusetts. "Sogar auf dem Flughafen von Honolulu ließ sich eine blicken, leider haben sie den Vogel erschossen. Sehr ungewöhnlich – das war die erste belegte Schneeeule von Hawaii." Schneeeulen lieben Flughäfen: Seit November hat Smith am Bostoner Logan-Airport 29 Exemplare eingefangen, normal sind sechs.
Das Museum des 59-Jährigen gehört zu einem Naturschutzgebiet, er leitet dort ein Schneeeulen-Projekt. "Wir wissen nicht sicher, warum so viele Schneeeulen auf Flughäfen landen", sagt er. "Die Theorie ist, dass das kurze Gras und die offenen Flächen so aussehen wie in ihrer Heimat. Logan-Airport ist auch noch von Wasser umgeben, da gibt es viele Wasservögel, also viel zu fressen." Zu ihrer eigenen Sicherheit und mit Rücksicht auf die Sicherheit der Flugzeuge müssen die Eulen eingesammelt werden.
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Schneeeulen können mehr als 60 Zentimeter groß werden. In der Fantasy-Serie Harry Potter von Joan K. Rowling übernehmen Eulen die Postzustellung, die Hauptfigur selbst besitzt eine Schneeeule. Immer wieder sagten Bürger in diesem Winter, sie fühlten sich an Szenen aus dem Buch erinnert, besonders bei Massensichtungen im kanadischen Vancouver, wo mehrfach bis zu 30 Eulen am selben Ort beobachtet wurden. Die Tiere haben kaum natürliche Feinde, sie setzen sich bisweilen mitten in die Stadt.
Die ungewöhnliche Ausbreitung bis Texas hinunter haben Forscher aber noch nicht erklärt. Smith beringt seine gefiederten Flughafen-Schützlinge seit drei Jahrzehnten und hat inzwischen auch einige mit Satellitentransmittern versehen. "Früher dachten wir, dass sie kommen, wenn im Norden das Futter knapp wird", sagt Smith. "Tatsächlich waren aber dieses Jahr alle 29 Eulen, die ich gefangen habe, in prächtigem Zustand. Es gab 2011 ungewöhnlich viele Lemminge, das Hauptnahrungsmittel für Schneeeulen." Smith glaubt, dass es deshalb auch mehr Eier gab und mehr junge Eulen.
Schneeeulen sind vergleichsweise wenig erforscht, ihre Heimat ist schwer zugänglich. Weil sie oberhalb des Polarkreises liegt, können sie sich rund um den Nordpol über die Kontinente bewegen – das hat bisher jede zuverlässige Schätzung ihrer Zahl verhindert.
Autor: Jens Schmitz
