Verdächtiger in Stade festgenommen

dpa

Von dpa

Do, 11. Oktober 2018

Panorama

Bulgare soll Moderatorin Wiktorija Marinowa getötet haben / Wohl kein politischer Hintergrund.

SOFIA/STADE (dpa). Vier Tage nach dem Mord an der TV-Moderatorin Wiktorija Marinowa in Bulgarien hat die deutsche Polizei in Stade einen Tatverdächtigen festgenommen. Es handelt sich um einen 20 Jahre alten Bulgaren. Er soll die 30-Jährige vergewaltigt, beraubt und ermordet haben, wie das Landeskriminalamt Niedersachsen am Mittwoch mitteilte. In Stade wohnt laut Medienberichten die Mutter des Festgenommenen. Der Mann soll nun auf der Grundlage eines Europäischen Haftbefehls nach Bulgarien ausgeliefert werden. Die dortigen Behörden gehen nicht von einem Zusammenhang zwischen dem Verbrechen und dem Beruf der Journalistin aus.

Zielfahnder des Landeskriminalamtes Niedersachsen kamen dem 20-Jährigen am Dienstagabend auf die Spur. Ein Mobiles Einsatzkommando habe den Mann kurze Zeit später in Stade festgenommen. "Wieder einmal hat sich der europäische Haftbefehl bewährt; die Zusammenarbeit zwischen den europäischen Justiz- und Polizeibehörden funktioniert vorbildlich", betonte der Leiter der Rechtshilfeabteilung der Generalstaatsanwaltschaft Celle, Christian Schierholt.

Nach Worten des bulgarischen Innenministers Mladen Marinow ist der Mann aus der Stadt Russe polizeibekannt. In der Stadt war die Leiche der Moderatorin am Samstag in einem Park am Donauufer entdeckt worden, wo die Frau joggen gewesen war.

Bulgarischer Regierungschef kritisiert Reaktionen

Die bulgarischen Behörden werfen dem nun in Stade festgenommenen Mann Vergewaltigung und vorsätzlichen Mord vor. Man gehe von einem spontanen Angriff aus sexuellen Motiven aus, sagte Generalstaatsanwalt Sotir Zazarow.

Bulgariens Regierungschef Boiko Borissow kritisierte Reaktionen gerade im Ausland als vorschnell. Er verurteilte den internationalen Druck – auch aus Brüssel – auf Sofia, den Mord an Marinowa rasch aufzudecken. "Trotz alldem, was sie uns gelehrt haben (...) niemanden zu beschuldigen, bevor etwas nicht bewiesen ist, schlugen sie auf uns mit Tweets ein", kritisierte Borissow.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker begrüßte die zügigen Ermittlungen durch die bulgarischen Behörden: "Die rasche Reaktion und die gemeinsamen Anstrengungen zeigen die Entschlossenheit, Gerechtigkeit für solche abscheulichen Handlungen zu schaffen", erklärte er am Mittwoch.

Der geschiedene Ehemann der ermordeten Modaratorin, Swilen Maksimow, betonte, die 30-Jährige sei keine Investigativjournalistin gewesen. "Sie war Direktorin eines Fernsehkanals, der Recherchen an die Öffentlichkeit brachte", sagte Maksimow dem Fernsehsender bTV.

Der Tatverdacht gegen den 20-Jährigen Bulgaren stützt sich laut bulgarischen Behörden auf DNA-Proben. DNA-Material des Mannes sei am Körper der Toten entdeckt worden. Auch seien persönliche Sachen der Ermordeten in der Wohnung des Verdächtigen in Russe entdeckt worden.